geb. am 12.5.1888 in Linz – gest. am 8.4.1939 in Wien; Schriftsteller

Colerus Geldern (von) stammte aus einer aus den Niederlanden eingewanderten Offiziersfamilie. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er in Preßburg/Bratislava bzw. Krems, wo sein Vater jeweils stationiert war.

1911 schloss er das Jusstudium mit der Promotion ab, begann 1912 ein Praktikum sowie seinen Militärdienst, aus dem er aufgrund einer Herzerkrankung vorzeitig entlassen wurde. Den Ersten Weltkrieg hindurch war er an einem Divisionsgericht tätig, 1917 heiratete er Blanca Nagy, die ebenfalls aus eine Offiziersfamilie kam.

Nach einer schweren Erkrankung (Tropendysenterie) fand Colerus 1921 als Beamter im Bundesamt für Statistik eine Anstellung, wo er bis zu seiner Pensionierung 1928 verblieb. Seit etwa 1914 literarisch tätig, trat er zu Beginn der 1920er Jahre auch als Schriftsteller hervor, wobei seine Texte einerseits von einer humanistisch-idealistischen Grundhaltung geprägt sind, andererseits in Form von historischen sowie Zeitromanen auf Wandlungsprozesse in der Gesellschaft Bezug nehmen und dabei auch zeittypische Themen wie z.B. im Umfeld von Weiblichkeitsimaginationen unter dem Einfluss der Lektüre Weiningers und autobiographischer Reminiszenzen aufgreifen, etwa in Weiße Magier (1924, 4. Aufl. 1928). Das 1927 fertiggestellte und bei Zsolnay veröffentlichte Drama Politik wurde 1928 immerhin im Burgtheater aufgeführt, mit mäßiger Resonanz und kontroversen Reaktionen in der Kritik. Die größten Erfolge erzielte C. jedoch mit populärwissenschaftlichen Romanen, in deren Zentrum entweder mathematische Fragen oder herausragende Gestalten der Wissenschafts- und Kulturgeschichte standen wie z.B. Pythagoras (1924), Archimedes, Marco Polo oder Leibniz. Die Gesamtauflage seiner Bücher betrug immerhin 670.000 Exemplare. 1938 ließ sich Colerus trotz Freundschaften mit Schriftstellern jüdischer Provenienz wie Friedrich Torberg zu einem Beitrag im Bekenntnisbuch verleiten.


Weitere Werke

Antarktis. Roman (1920); Sodom. Roman (1920); Der Dritte Weg (1921); Tiberius auf Capri. Erzählung (1927); Die neue Rasse (1928); Kaufherr und Krämer (1929); Matthias Werner oder die Zeitkrankheit (1932); Vom Einmaleins zum Integral (1934); Zweikampf. Drama (1935); Geheimnis um Casanova (1936)

Quellen

Kurt Sonnenfeld: Trilogie der Leidenschaft. Ein Romanzyklus von Egmont Colerus. In: Neue Freie Presse, 20.1.1924, S. 32-33; Otto Stoessl: “Politik”. Drama von Egmont Colerus, am Burgtheater zum ersten Male aufgeführt am 15. März 1928. In: Wiener Zeitung, 17.3.1928, S. 1-2.

(PHK)