Erich Kühn: Nostra maxima culpa
Erich Kühn: Nostra maxima culpa. (1926)
Zum Thema: „Am Sterbebett der deutschen Seele“. – Triumphe des jüdischen Schrifttums.
Was den ›Erfolg des jüdischen Schrifttums‹ anbetrifft, so wäre dazu zu bemerken: Ein hoher Prozentsatz von Theater, Presse, Verlagsanstalten, Depeschenagenturen und Schriftstellern ist unter ausschlaggebendem jüdischen Einfluß. Gleich einem dichten Netz kontrollieren und beherrschen sie, eng Hand in Hand arbeitend, Kunstmarkt und öffentliche Meinung. Sie unterdrücken das Aufkommen jedes nach deutschen Begriffen wertvollen Kunstwerkes, während der ganze Apparat in geschicktester Weise zur Reklame für jedes jüdische Geisteserzeugnis gebraucht wird. Mit einer sehr klugen Kunstpolitik wird jedes aufstrebende bedeutende Talent auch aus anderen Reihen rechtzeitig in das jüdische Lager geholt und so in jüdischem Sinn ›entgiftet‹. Hier versagt der Deutsche im Gegensatz zum Juden vollständig. Nicht nur, daß sich deutsche Künstler gegenseitig nicht planmäßig fördern, sondern, ihren politischen Führern gleich, sich am liebsten den Schädel einschlügen – von einer ›Kunstpolitik‹ kann im nationalen Lager überhaupt noch nicht die Rede sein, schon weil man dort die Kraft und Wichtigkeit des geistigen Arbeiters vielfach gar nicht richtig wertet. Die Forderung, man möchte in unserem Lager zunächst einmal angesichts des Erfolgs des jüdischen Schrifttums die eigene Leistung steigern, ist gewiß berechtigt. Einen Erfolg wird das aber erst erzielen, wenn man auf unserer Seite einen Apparat ähnlich dem jüdischen geschaffen hat, und wenn man ihn, in richtiger Würdigung der schöpferischen Geistesarbeit, angemessen anwendet. Weiter ist zu untersuchen, auf welche Triebe denn eigentlich das jüdische Schrifttum so erfolgreich beim Deutschen spekuliert. Da ist es eine alte Klage, daß es alle die Werte herunterreißt und zerstört, die dem Deutschen seit je teuer und heilig sind; Gott, Vaterland, Ehe, Familie – Begriffe, deren Hochachtung für den wahren Deutschen sozusagen eine biologische Notwendigkeit ist – kann der Jude in seinen Theaterstücken, Romanen und Witzblättern nicht genug beschmutzen. Chamberlain spricht mit Recht von der Unmöglichkeit, dem Juden jemals beizubringen, was wir unter ›Gottheit‹, ›Religion‹, ›Sittlichkeit‹ verstehen. Alles in allem kann man wohl behaupten, daß der jüdische Literat seine Erfolge häufig mit dem erzielt, was Eduard Heyck sehr treffend ›Geschmacksunterbietung‹ nennt. Er wendet sich gern an die niederen Triebe und Instinkte, deren ›Ausleben‹ ihm höchster Diesseitszweck ist. Auch diese Neigung wurzelt natürlich in seiner ganzen Geistigkeit. Karl Marx hat bekannt: „Suchen wir das Geheimnis des Juden nicht in seiner Religion, suchen wir das Geheimnis der Religion im wirklichen Juden“. Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz! Ganz folgerichtig ist es daher, wenn der hochbegabte jüdische Dichter Arthur Schnitzler in seinen Schauspielen es mehrfach ausspricht, daß die Ordnung in uns etwas Künstliches, das Natürliche – das Chaos sei. Man muß und darf daraus ohne weiteres schließen, daß dem Juden der dem Deutschen ursprünglich eingeborene Trieb nach Ordnung, Recht, Maß, Selbstbeherrschung, Niederhalten der minderwertigen Instinkte, den alle unsere maßgeblichen Dichter preisen, artfremd ist. Das mag zugegeben werden, dass der Jude nicht anders wirken kann, wie er es tut. Doch unsere Pflicht der Selbsterhaltung gebietet es, uns mit allen Mitteln gegen einen Geist zu wehren, der unserem Wesen widerspricht. „Was euch nicht angehört, müsset ihr meiden. Was euch das Innere zerstört, dürft ihr nicht leiden“ sagt Goethe, der sicher nicht nur zufällig der Gestalt des Mephisto viele jüdische Züge verliehen hat. Doch damit sind alle Seiten der ganzen Frage noch lange nicht erschöpft. Wie kommt es denn, daß das deutsche Lesepublikum in einen Zustand geriet, in dem es gegen die mit einem so großen Apparat angepriesene jüdische Kost nicht nur widerstandslos geworden ist, sondern, sondern fast ausschließlich danach greift, wenn man der Großmannschen Statistik glauben darf? Hier muß man nun wieder unbedingt Münchhausen recht geben: Wenn auch der jüdische Apparat den äußeren ›Erfolg‹ schafft, so hat doch die Erscheinung noch tiefere Ursachen, an denen der Jude durchaus nicht allein schuld ist. Wäre der Volksinstinkt gesund, dürfte auch der ›Apparat‹ nicht so wirken. Der Jude hat nur nach seiner Art Verhältnisse genutzt und bewußt gefördert, die von anderer Seite kurzsichtig mitgeschaffen wurden. Auch hier sind nur Andeutungen möglich. Für die herrschenden Verhältnisse sind sind in jedem Staat zunächst die sogenannten oberen Stände und Schichten verantwortlich. Dostojewski sagt: „Sobald nach Ablauf der Zeiten und Jahre in einer Nation das geistige Ideal zu verfallen begann, da begann zugleich auch die Nation zu verfallen und mit ihr auch ihr ganzer Staatsbau. Wenn in der Nation dies Bedürfnis nach allgemeiner Vervollkommnung in dem Geiste, der dies Bedürfnis hervorgebracht hat, erlischt, dann verschwinden allmählich auch alle ‚bürgerlichen Einrichtungen‘, da es dann nichts mehr zu erhalten gibt.“ Dann erfüllt sich das Marxsche Wort: „Die Juden haben sich insoweit emanzipiert, als die Christen zu Juden geworden sind.“ Wer ist schuld daran, daß sich die Hälfte der Deutschen in Steinwüsten zusammendrängt – ohne sicheres Heim, ohne Hoffnung auf irgend eine Bodenverwurzelung, ohne feste Daseinsmöglichkeit, das Elend der kommenden Generation vor Augen? Ganz gewiß nicht der Jude allein! Leute ohne Zukunft und meist auch ohne Vergangenheit, wie sie das großstädtische Proletariat aus allen Schichten darstellt, sehen kaum etwas anderes als die Möglichkeit, den Augenblicksgenuß zu leben. Menschen, die ein eiskalter Mammonismus und Materialismus in jüdischer Lieblosigkeit nur als Nummer wertet und behandelt, kommen schließlich zu einer Lebensauffassung, die der bürgerlich-christlichen widerstrebt. Das Dasein erscheint ihnen als sinnlose Last. Gar zu leicht sehen sie in jedem Besitz, und sei er noch so redlich in Generationen aufgebaut, das Ergebnis von Raub und Schiebung. Da sie wurzellos sind, stehen sie dem historisch Gewordenen ohne Verständnis gegenüber. Neben der einförmigen Arbeit lieben sie als Ausgleich den Rausch, die Sensation. Auf eine solche Seelenverfassung des unharmonischen, hoffnungslosen Großstädters ist nun das jüdische Schrifttum in erster Linie eingestellt. Diesen großen ›Markt‹ für literarische Ware läßt sich der Jude nicht entgehen. Überdies sieht er ja – Kautsky hat es ausgesprochen – in diesem Proletariat seinen natürlichen Bundesgenossen. Dazu kommt, daß er sich den Ergebnissen der Wissenschaft leichter erschließt, sie aufmerksamer beobachtet als andere Kreise und sie seinen wissensdurstigen, halbgebildeten Lesern zu einer Art Weltanschauung umdeutet, mit der er einem Bedürfnis seines Lesers entgegenkommt. Das sind alles Dinge, die dem Dichter auf unserer Seite wenig Kopfzerbrechen machen. Die Sünden einer falschen Bevölkerungs- und Wirtschaftspolitik und einer mangelhaften Psychologie haben erst dem Juden sein Publikum und – seine Bundesgenossen geschaffen. Des weiteren ist der Jude gewiß nicht daran schuld, wenn nationale Blätter ihre Erziehungsaufgabe in dieser Zeit völlig verkennen und aus Furcht vor dem Verlust jüdischer Inserate es nicht wagen, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen, anstatt für die nationale Sache die Opfer zu bringen, die der einfache, von der Hand in den Mund lebende Arbeiter in relativ viel höherem Maße für seine Belange leistet. Die Verleger würden sich hüten, Bücher herauszubringen, welche die nationale Presse totschweigt. Alle politische Erziehungsarbeit, alle Arbeit der nationalen Parteien ist umsonst, Millionen werden jährlich vergeblich ausgegeben, wenn nicht die na-//tionale Presse endlich den Mut aufbringt, sich auch ihrerseits der deutschen Seele anzunehmen und das ›Artfremde‹ zu bekämpfen? Ganz gewiß nicht! Die nationale Presse soll aber in diesen Tagen, wie es eine Art von Modeauffassung meinte, lediglich als Erwerbsunternehmen gelten, während sie doch der stärkste Bundesgenosse von Schule und Kirche sein muß. Das kostet natürlich Opfer. Der krasse Materialismus, der in diesen Dingen herrscht – er ist der stärkste Bundesgenosse des Juden. Der Materialismus ist es, der die deutsche Seele dem Juden ausgeliefert hat. Wer wird noch für deutsche Ideale kämpfen, wenn der Lohn, wie z.B. im Falle des Professors Brunner in Berlin und in so manch anderen Fällen, ein kaltes, feigherziges Fallenlassen ist? Gewiß liegt nach allem Gesagten die größte Schuld beim Deutschen selbst. Er muß zunächst selbst den Mut und die Kraft aufbringen, sich wieder vom jüdischen Geist zu emanzipieren. Das wird ein schweres Stück Arbeit sein, aber gerade der deutsche Adel sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Darüber hinaus aber muß von allen in Frage kommenden Kreisen ein fester Ring geschlossen werden zur Durchsetzung des deutschen Geistes.
In: Schönere Zukunft, 26. 9. 1926, S. 1248-1249.[1]
[1] Replik und Kommentar zu: Börries Freiherr von Münchhausen: Vom Sterbebett der deutschen Seele. In: Schönere Zukunft, Nr. 48, 5.9.1926, S. 1179-1180.

