Ernst Krenek und Igor Strawinski über Paul Whiteman
Ernst Krenek und Igor Strawinski über Paul Whiteman (1930)
Bekanntlich gelangt am 29. d. M. Der Jazzkönig, der erste Paul-Whiteman-Film, im Apollo zur Erstaufführung. In diesem Zusammenhang wird es sicherlich interessieren, wie die beiden prominentesten Vertreter moderner Musik, Ernst Krenek und Igor Strawinskij, über die Bedeutung Paul Whitemans urteilen. Ernst Krenekeigentlich Křenek, geb. am 23.8.1900, Wien – gest. am 22.12.1991 in Palms Springs, CA, USA; Komponist, Musiktheoretik... schreibt: „Dieser amerikanische Jazzkomponist und -dirigent ist kein gewöhnlicher Musiker, kein gewöhnlicher Shimmy- und Bluesfabrikant. Paul Whiteman ist eine scharfumrissene, künstlerisch akkreditierte Persönlichkeit, die ernsthafte Würdigung verdient. Die Schöpfungen und Darbietungen Paul Whitemans könnten in allen europäischen Konzertsälen gehört werden und überall, wo moderne Musik in ihrer sinnlichsten Ausdrucksfähigkeit verstanden wird.“ Strawinskij sagt in einem Vortrag über Jazz und Jazzkultur: „Paul Whiteman gibt regelrechte Jazz-Orchester-Konzerte. Jeder einzelne seines Orchesters ist ein wahrhafter Virtuose. Ich verweise auf George Gershwin, den Komponisten der Rhapsodie in Blue, den Grünfeld Amerikas, der die exzeptionellsten Kompositionen mit unvergleichlicher Virtuosität zum Vortrag bringt und der als Komponist sogenannte Schlager geschrieben hat, die — ich bitte, diesen kühnen Vergleich nicht als Ignoranz auffassen zu wollen — an die kunstvollsten Klavierstücke Chopins heranreichen, was Originalität der rhythmischen, harmonischen und melodischen Erfindung anlangt. Das liegt ihnen allen eben im Blute…“

