Antl, Paul
geb. am 18.3.1877 in Atzelsdorf/Bezirk Mistelbach Niederösterreich) – gest. am 10.11.1942 in Wien; Arbeiter und Betriebszeitungsredakteur.
Als Sohn eines Viehhirten schon mit 12 zur schweren Feldarbeit auf einem Gutshof gezwungen, entzog sich P. A. durch Rebellion. Er wurde graphischer Hilfsarbeiter, trat in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ein und 1918 zur K.P. über.
Als Betriebsrat engagierte sich P. A. dann in der Druckerei Vernay (Wien-Alsergrund), wurde Obmann einer kommunistischen Betriebszelle. Er gab die Betriebszeitung Der Bleischlucker heraus, betätigte sich als Arbeiterkorrespondent und war Vorstandsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Von 1932-33 war er kommunistischer Bezirksrat in Wien- Ottakring, nach dem Verbot der KPÖ 1933 parteiloser Bezirksrat. 1934 gründete er die Tarnorganisation „Verein Wiener Volksmusik“ zur illegalen politischen Arbeit mit. Versammlungen fanden in Antls Schrebergarten statt. Er sammelte Geld für die „Rote Hilfe“ und hatte Kontakte auch zur katholischen Widerstandsgruppe um Univ. Prof. Dr. K. Meithner.
Paul Antl wurde am 18. 2. 1941 verhaftet und am 10. 9. 1942 zum Tode verurteilt. Er wurde am 10.11.1942 im Landesgericht I in Wien hingerichtet. In der Anklageschrift gegen den Widerstandskämpfer Josef Fragner (13.10.1941) wird zu Antl behauptet:
„Einer dieser Funktionäre war der ehemaligen kommunistische Bezirksrat Paul Antl aus Wien-Ottakring, der sich seit dem im Jahr 1933 erlassenen Verbot der KPÖ bis zu seiner am 18. Februar 1941 erfolgten Festnahme ständig bemühte, den organisatorischen Zusammenhalt der ehemaligen Parteimitglieder aufrechtzuerhalten und neue Mitglieder für die illegale Parteiorganisation zu gewinnen. Seine Tätigkeit bestand insbesondere darin, organisatorische Verbindung zwischen einzelnen Gruppen oder Zellen der KPÖ, die durch Verhaftungen oder aus anderen Gründen verloren gegangen waren, durch Mittelspersonen wieder herzustellen und neugegründete Zellen an die schon vorhandene Parteiorganisation anzuschließen“
Quellen und Dokumente
In der »Roten Fahne« (Wien) erschienen neben mit Akronym oder gar nicht gekennzeichneten Reportagen und Arbeiterkorrespondenzen auch Gedichte, wie etwa sein Hungermarsch auf den Erdenrund. Nach seinem Kuraufenthalt im sowjetischen Sotschi konnte man in der »Roten Fahne« vom 8.1.1933 ein bemerkenswertes Interview mit P. A. lesen: Von der Proletarierwohnung in Ottakring ins Sowjetsanatorium. Meist sind es aber Korrespondenzen über Menschen, die zu ihm als Bezirksrat kommen, um Abhilfe in Alltagssorgen zu erbitten, zum Beispiel am 3.2.1932: Eine Mutter klagt an… Anfang 1933 wurde Antl zudem bei Massenkundgebungen als Redner des Parteivorstandes eingesetzt, z.B. im Zuge der Proteste gegen die Massenaussteuerungen (RF, 28.3.1933, S.3).
Nach Ernst Fabris Angaben schrieb P. A. nicht nur Gedichte, Geschichten und Reportagen, sondern arbeitete auch an einem Roman; davon finden sich allerdings keine Spuren.
Todesmeldung in: Austrian Labor Information, Nr. 10/1943, S. 2.
Literatur
Anton Heiß: “Treu bis in den Tod”. Der Lebens- und Leidensweg Paul Antls. – In: Volkstimme, 24.3.1955; Gruppe 40: Paul Antl – zur Erinnerung. https://web.archive.org/web/20240911024549/https://paul-antl.zurerinnerung.at/
(GM)

