Die Arbeiterinnenzeitungwar eine seit 1892 in Wien erscheinende sozialdemokratische Frauenzeitschrift.

Auf Antrag der weiblichen Delegierten auf dem Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei wurde – entgegen zunächst massivem Widerstand aus den Reihen der männlichen Parteimitglieder – Ende 1891 mit den Vorarbeiten zur Gründung einer eigenen Frauenzeitschrift begonnen. Die erste Ausgabe, entstanden in der Redaktion der Arbeiterzeitung und zunächst als deren Beilage konzipiert, erschien im Jänner 1892. Lediglich der Leitartikel war von einer Frau verfasst: Adelheid Dwořak (später Popp), Initiatorin und ab 1893 verantwortliche Redakteurin, wollte mit dem Blatt „die ernstesten Interessen der Arbeiterinnen“ vertreten wissen und sie „zum politischen Kampf erziehen“ (Arbeiterinnen-Zeitung, 1.1.1892, S. 1). In den folgenden Nummern, die zweimal im Monat erschienen, publizierte eine wachsende Zahl weiblicher Genossinnen; auch Beiträge aus dem Ausland wurden abgedruckt, so z. B. von Frieda Bebel, der Tochter von August Bebel, und Luise Kautsky-Freiberger, der Sekretärin von Friedrich Engels.

Nach intensiven Diskussionen mit der (männlich dominierten) Parteispitze fiel mit Unterstützung von Viktor Adler auf dem Parteitag 1892 der Entschluss, eine eigenständige weibliche Redaktion für dieArbeiterinnenzeitungeinzusetzen. In der Folge wurde auch die Herausgeberschaft mit Viktoria Kofler an eine Frau übertragen.

Unter dem Titelzusatz „Sozialdemokratisches Organ für Frauen und Mädchen“ behandelte die Zeitung fortan aktuelle politische Themen wie den Kampf um das Frauenwahlrecht, Bildungsarbeit, Sozialgesetzgebung, Kindererziehung und Eherecht, nicht ohne aber dabei den Blick auf die Entwicklungen in den Nachbarländern der Donaumonarchie zu weiten und das europaweite Wirken der Sozialdemokratie zu thematisieren. Die AutorInnen scheuten sich nicht, herrschende gesellschaftliche Konventionen der Habsburgermonarchie kritisch zu hinterfragen; so wurde etwa Adelheid Popp aufgrund ihrer in diversen Artikeln geäußerten Kritik an der Ehe und deren Moralkonventionen wegen „Herabwürdigung der Ehe und Familie“ 1895 zu einer  Arreststrafe verurteilt.

1919 übernahm Popp, inzwischen Abgeordnete zum Nationalrat, die Herausgeberschaft der Arbeiterinnenzeitung, die inzwischen 70.000 LeserInnen – einen Gutteil davon in der Bundeshauptstadt – erreichte. Im März 1924 erfolgte ein inhaltlicher Relaunch der seit 1922 monatlich erscheinenden Zeitung sowie deren Umbenennung auf Die Fraumit dem Titelzusatz “Sozialdemokratische Monatsschrift für Politik, Wirtschaft, Frauenfragen und Literatur”, um mit modernerem Konzept künftig Vertreterinnen aller Berufsgruppen gleichermaßen anzusprechen. Nach wie vor nahmen aktuelle (gesellschafts-)politische sowie spezifisch frauenrelevante Themen wie Mutterschaft, Verhütung und Schwangerschaftsabbruch breiten Raum ein; darüber hinaus fanden sich Politikberichterstattung aus Europa, aktuelle Beiträge aus den einzelnen Landesorganisationen sowie Buchsprechungen. In der neuen regelmäßigen Beilage Freie Stundenfanden sich zudem Kurzgeschichten, Lyrik, Rubriken zu Kunst und Literatur, Mode- und Basteltipps sowie Rezepte und praktische Ratschläge für die Hausfrau.

Eine abermalige Überarbeitung erfuhr das Blatt, das sich nach wie vor als “ein Kampf-, Aufklärungs- und Erziehungsorgan für die weiblichen Mitglieder unserer großen, allumfassenden Parteiorganisation” verstand, im Jahr 1929 (Arbeiterinnen-Zeitung, 1.1.1929, S. 1). Neben der Etablierung eines eines neuen Layouts mit diversen Illustrationen und vereinzelten Fotografien wurde der Umfang quantitativ deutlich erweitert: Statt der bisherigen zwölf erwarteten die Leserin nunmehr 24 Seiten, ab 1930 18 Seiten Lektüre. 

Die letzte Ausgabe erschien im Feber 1934; das Verbot der Sozialdemokratie und ihrer Vorfeldorganisationen bedeutete auch das Aus für Die Frau. Nach Kriegsende initiierten Ferdinanda Flossmann und Helene Potetz eine Neugründung der Zeitschrift, die fortan bis zu ihrer endgültigen Einstellung 1987 wöchentlich in den Verkauf gelangte.


Literatur

Johanna Meditz, Die „Arbeiterinnen-Zeitung“ und die Frauenfrage. Ein Beitrag zur Geschichte der österreichischen sozialistischen Frauenbewegung der Jahre 1890-1918, Wien 1979; Die Frau. In: Helmut W. Lang (Hg.), Österreichische Retrospektive Bibliographie (ORBI), Reihe 2: Österreichische Zeitungen 1492–1945, Bd. 2: Helmut W. Lang/Ladislaus Lang/Wilma Buchinger, Bibliographie der österreichischen Zeitungen 1621–1945, A–M, München 2003, S. 260; Eintrag bei dasrotewien.at.

Quellen und Dokumente

Erste Ausgabe der Arbeiterinnen-Zeitung, 1. 1.1892; Wahl in die Nationalversammlung. In: Arbeiterinnen-Zeitung, 18.2.1919, S. 1; Erste Ausgabe von Die Frau, 1.3.1924; Aufwärts und vorwärts mit altem Mute. In: Die Frau, 1.8.1927, S. 1f; Beilage „Freie Stunden“ 9 (1924); Erste Ausgabe von „Die Frau“ im neuen Layout, 1.1.1929; Letzte Ausgabe von „Die Frau“ vor ihrer Einstellung, Feber 1934.

(MK)