geb. 12.7.1878 in Wien – gest. 1939 in Paris; Malerin, Grafikerin

Fraenkl-Hahn entstammte einer assimilierten jüdischen Familie: Ihr Vater, Hofrat Ludwig Benedikt Hahn, Vorstand des Telegraphen-Correspondenz-Bureaus und Herausgeber der Politischen Correspondenz, konvertierte kurz vor ihrer Geburt zum Katholizismus. Ihre Schwester war die Philosophin und Mathematikerin Olga Hahn-Neurath, ihr Bruder Hans Hahn, ebenfalls Mathematiker, lehrte ab 1921 als ordentlicher Professor an der Universität Wien. Fraenkel-Hahn wurde zunächst zu Hause unterrichtet und besuchte ab 1896 die Wiener Kunstgewerbeschule, wo sie bei Karl Karger Malerei studierte. 1901 wechselte sie nach München an die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins in der Malschule Heinrich Knirr. Studienreisen nach Italien, Griechenland und ein Aufenthalt in Paris 1907 weckten ihr Interesse am französischen Impressionismus sowie am Japonismus. 1908 präsentierte sie ihre Arbeiten – vorwiegend religiöse Bilder und Blumenstücke, aber auch Porträts und Farbholzschnitte –  im Hagenbund, dann im Kunstsalon Heller und in der Wiener Secession. Als Vorkämpferin für die Belange weiblicher Kunstschaffender in der männlich dominierten Kunstwelt war sie 1910  Mitbegründerin der Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), innerhalb derer sie während ihrer Präsidentschaft von 1923 bis 1938 dem modern-progressiven Flügel angehörte, welcher der Avantgarde und dem Expressionismus zugeneigt war. Darüber hinaus war sie Mitglied des Bunds Österreichischer Künstlerinnen und des Zentralverbands der bildenden Künstler Österreichs. 1929 erhielt sie den von der Stadt Wien dotierten Ehrenpreis verliehen. Neben ihrem künstlerischen Wirken hielt sie Vorträge und gestaltete regelmäßig Radiobeiträge, so etwa über „Die Stellung der Frau als bildende Künstlerin in Österreich“.

Seit 1903 war sie mit dem aus Breslau/Wroclaw stammenden Maler Walter Fraenkel verheiratet, dem sie aufgrund der politischen Ereignisse 1939 in die Emigration nach Paris folgte, wo sie kurz darauf verstarb.

Teile ihres künstlerischen Schaffens finden sich heute in der  Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst, der Albertina, dem Wien Museum und der Österreichischen Nationalbibliothek (Bildarchiv und Graphiksammlung) in Wien.


Werke

David (1902); Selbstporträt (1903, 1929); Lasset die Kindlein zu mir kommen (1910); Madonna (1911); Flora mit den Blumen des Jahres (um 1912); Kaninchen (1913); Japanische Lilien (um 1920); Frühlingsblumen im Glas; Blumenstrauß in chinesischer Vase.

Literatur

Megan Marie Brandow-Faller, An Art of their own. Reinventing Frauenkunst in the female Academies and Artist Leagues of late-imperial and First Republic Austria, 1900-1930, Diss., Universität Washington 2010 [Online verfügbar]; C. Karoly, „Louise Fraenkel-Hahn“. In: Österreichisches Biographisches Lexikon [Onlineedition]; Eintrag bei fraueninbewegung.onb.ac.at

Quellen und Dokumente

Die Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs. In: Die Österreicherin, Nr. 4 (1930), S. 8; Marianne Hönig, Ausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs. In: Die Österreicherin, Nr. 1 (1934), 6.1.1934, S. 2; Viktor Trautzl, Bei den bildenden Künstlerinnen Österreichs. In: Reichspost, 23.2.1921, S. 1; Kunstausstellungen. In: Wiener Sonn- und Montagszeitung, 12.1.1914, S. 7; Louise Fraenkel-Hahn, Madonna. In: Österreichische Illustrierte Zeitung, 15.10.1911,  S. 16; Louise Fraenkel-Hahn, Selbstporträt. In: Die Österreicherin, Nr. 8 (1929), S. 4; Louise Fraenkel-Hahn, Die Frau als Malerin. In: Das Wort der Frau, 2.8.1931, S. 8; Ausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen in Österreich. In: Die Österreicherin, Nr. 6 (1934), S. 2; Sophie Noske, Jubiläumsausstellung der Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs im Hagenbund. In: Radio Wien, 6.11.1936, S. 10.

(MK)