geb. Zakucka, 26.05.1873 in Mank (NÖ) – gest. 19.09.1954 in Wien; Malerin, Grafikerin, Kunstgewerblerin

Die als Fanny Zakucka geborene spätere Ehefrau des Malers Richard Harlfinger – von 1917-19 Präsident der Wiener Sezession – absolvierte von 1899 bis 1903 bei Adolf Böhm und Ludwig Michalek ein Studium an der Kunstschule für Frauen und Mädchen sowie anschließend die Wiener Kunstgewerbeschule. Nach Abschluss ihrer Ausbildung konnte sie sich rasch als Malerin etablieren (so ist sie 1906 auf dem Pariser Salon vertreten), entwarf aber auch erfolgreich Innendekorationen, Textilien (u. a. Kindermode) sowie Illustrationen für die Zeitschriften Ver SacrumDer liebe Augustin (1904) und Die Fläche (1909) sowie für Kinderbücher. Im Zuge ihrer kunstgewerblichen Arbeiten kooperierte sie mit den Wiener Werkstätten. Zeitlebens stand sie mit ihrem künstlerischen Schaffen jedoch im Schatten ihres Mannes.

1914 trat Harlfinger der Vereinigung der bildenden Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) bei, in deren Räumlichkeiten sie immer wieder ihre Werke ausstellte. Als in dieser ein Richtungsstreit zwischen einem konservativen und einem modernistischem Flügel ausbrach, war es Harlfinger, unter deren Führung sich progressiv gesinnte Künstlerinnen wie Louise Fraenkel-Hahn und Helene Funke 1919 unter der Bezeichnung Freie Vereinigung von der VBKÖ lossagten. Bereits im Juni desselben Jahres zeigten sie ihre Werke in der Sezession, die konservative Kritiker als “Exzentritäten von Frauen” bezeichneten und bedauerten, “ein Talent wie das von Harlfinger-Zakucka auf Wegen zu sehen, die […] weit von gesundem Kunstschaffen entfernt sind.” (Der Bund 5 (1919), S. 10).

Harlfinger gehörte zu den Mitunterzeichnerinnen einer im Zentralblatt des Bundes österreichischer Frauenvereine veröffentlichten Dankesnote an Otto Graf Czernin, als dieser im April 1918 im Gefolge der Sixtus-Affäre sein Amt als Minister des Äußeren Österreich-Ungarns niederlegte.

Aus der im Herbst 1925 im Wiener Künstlerhaus veranstalteten Schau Deutsche Frauenkunst ging unter Harlfingers maßgeblichem Einfluss die freie Arbeitsgemeinschaft Wiener Frauenkunst hervor. Mit Mitgliedern wie den Malerinnen Helene Funke und Broncia Koller oder der Architektin Elisabeth Niessen verstand sie sich als eine radikale Abspaltung der VBKÖ und sah ihre Aufgabe in der Förderung einer spezifisch weiblichen Ästhetik im Stil der Neuen Sachlichkeit. Die unter Harlfingers Präsidentschaft organisierten Ausstellungen – „Die Frau von heute“ (1926), „Die Frau von gestern, heute und morgen“ (1927), „Das Bild im Raum“ (1929), „Wie sieht die Frau?“ (1930), „Die schaffende Österreicherin“ (1931) – zielten darauf ab, Innenarchitektur, Malerei und Kunstgewerbe miteinander in Beziehung zu setzen und so eine „enge Verbundenheit mit dem Leben“ und eine Durchdringung des Alltags zu erreichen, „wie es die Kunst früherer Zeiten tat.“ (Die moderne Frau 1, (1926)). Gemeinsam mit der Genossenschaft der Maler gestaltete die Freie Vereinigung unter Harlfingers Ägyde 1933 die Ausstellung Die schöne Wand im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit und der Arbeit als Vereinsfunktionärin hielt sie zudem eine Reihe von Vorträgen im Rundfunk.

Die 1938 „gleichgeschaltete“ Wiener Frauenkunst“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu organisiert, mit dem Tod Harlfingers im September 1954 allerdings endgültig aufgelöst.


Literatur

Megan Marie Brandow-Faller, An Art of their own. Reinventing Frauenkunst in the female Academies and Artist Leagues of late-imperial and First Republic Austria, 1900-1930, Diss., Universität Washington 2010.[Online verfügbar]; Nina Verheyen, „[…] mein Eheweib und nicht mein College“? Liebe und Beruf(ung) in Paarkorrespondenzen vor dem Hintergrund der Frauenbewegung/en um 1900. In: Ingrid Bauer, Christa Hämmerle (Hg.), Liebe schreiben: Paarkorrespondenzen im Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2017; Heinrich Fuchs, Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts, Wien 1973; Sabine Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österreich 1897-1938: Malerei – Plastik – Architektur, Wien 1994; Die schaffende Österreicherin: 90 Jahre Wiener Frauenkunst. Begleitband zur Ausstellung im Museum Zinkenbacher Malerkolonie, 25. Juni bis 9. Oktober 2016, St. Gilgen, Museumsverein Zinkenbacher Malerkolonie, 2016; Eintrag bei Frauen in Bewegung: 1848-1938; Almuth Spiegler, Wiener Frauenkunst. In: morgen 5 (2016), S. 22f; Gudrun Weinzierl, „Wiener Frauenkunst“ im Museum der Zinkenbacher Malerkolonie. Sommer-Ausstellung 2016 „Die schaffende Österreicherin“. In: Kunstmagazin Parnass, 20.7.2016.

Quellen und Dokumente

VII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstlerinnen in Österreich. In: Der Bund. Zentralblatt des Bundes österreichischer Frauenvereine, Hft. 2 (1917), S. 16; Eugenie Palitschek, Kunstschau: Freie Vereinigung. In: Der Bund. Zentralblatt des Bundes österreichischer Frauenvereine, Hft. 5 (1919), S. 8-10; Fanny Harlfinger, Die Wiener Frauenkunst und ihre Ziele. In: Die moderne Frau 1 (1926), S. 10-11; Richard Harlfinger, Die Ausstellung „Wiener Frauenkunst“. In: Die Österreicherin, Nr. 2 (1928), S. 4-5; Karl Maria Grimme, Das Bild im Raum. Zur Ausstellung der „Wiener Frauenkunst“ im Österreichischen Museum. In: Die Österreicherin, Nr. 4 (1929), S. 4-5; Richard Harlfinger, Ausstellung „Wiener Frauenkunst“ im Museum für Kunst und Industrie. In: Radio Wien, 16.1.1928, S. 28; Frauenstreben und Frauenwirken. In: Die Österreicherin, Nr. 6 (1929), S. 9; Fanny Harlfinger, Vereinfachung unserer Lebensführung. In: Die Frau und ihre Interessen 22 (1929), 2f; Pionierinnen der Kunst. In: Das Wort der Frau, 25.10.1931, S. 1; Ausstellung „Die schöne Wand“. In: Die Österreicherin, Nr. 4 (1933), S. 2.

 (MK)