geb. am 25.12.1887 in Krakau (Österreich-Ungarn, heute: Krakow, Polen) – gest. am 9.11.1969 in Chicago, USA; Soziologe, Sozialpsychologe, Exilant

Ichheiser wuchs zunächst in Krakau auf, übersiedelte aber, vermutlich infolge des Kriegsausbruchs, 1914 nach Wien, wo er seine Gymnasialausbildung mit der Matura (Reifeprüfung) abschloss. 1915-18 nahm er als Soldat am Ersten Weltkrieg teil, aus dem er mit traumatischen Erfahrungen zurückkehrte. Nach Kriegsende nahm er an der Univ. Wien zuerst das Studium der Rechtswissenschaften auf, wechselte aber bald zur Psychologie und promovierte 1924 bei Karl Bühler mit der Arbeit Gegenstand der Aesthetik (nach einer zuvor abgelehnten). 1925 hielt er sich in Italien auf, 1926 erhielt er eine Anstellung beim Berufsberatungsamt der Stadt Wien, im Zuge derer er sich mit Täuschungsstrategien befasste. Daneben trat er gelegentlich auch als Vortragender an den Wiener Volkshochschulen in Erscheinung und lehrte dort sowohl Angewandte Psychologie als auch Soziologie. Zu dieser Zeit lernte er auch Marie Jahoda kennen. 1930 veröffentlichte er seine bündige Studie Kritik des Erfolges, die in den nachfolgenden Jahren insbesondere in US-Exilant*nnen-Kreisen rezipiert wurde, u.a. durch Hannah Arendt. 1934-38 hielt er sich zwecks Vorträgen auch mehrmals in Warschau auf. Nach dem Anschluss im März 1938 flüchtete Ichheiser über die Schweiz nach London und von dort 1940 in die USA.

Materialien und Quellen:

Kurzbesprechung von Kritik des Erfolges in: Tage-Buch H. 31,1930, S. 1249;

Forschungsliteratur:

M. Jahoda: Aus den Anfängen der sozialwissenschaftlichen Forschung in Österreich. In: Zeitgeschichte 1980, 133-141; A.C. Joerchel, G. Benetka (eds.): Memories of Gustav Ichheiser. Life and Works of an Exiled Social Scientist. Berlin-New York u.a. 2018;

(work in progress)