geb. am 14.8.1894 in Wien – gest. am 14.11.1930 in Berlin; Komponist, Dirigent

Meisel, Sohn des Konditors Abraham Meisel und dessen Ehefrau, der Pianistin Eugenie (Jeni) Herzbrunn, absolvierte in Berlin, wohin seine Eltern übersiedelt waren, ein Realgymnasium. Daneben studierte er Musik und schon ab1911 arbeitete er als Lehrer an der Musikakademie John Petersen. Von 1912 bis 1914 war er als Violinist, u.a. beim Philharmonischen Orchester Berlin. Ab 1918 betätigte er sich als Konzert- und Operndirigent; seit 1924 arbeitete er auch mit Erwin Piscator zusammen, für dessen Inszenierungen, etwa der Stücke von Felix Gasbarra, er mehrmals die Bühnenmusik verfasste. 1926 fing er an, als  Bühnenkomponist für die Reinhardt-Bühnen und die Berliner Staatstheater zu wirken. Daneben betätigte er sich noch als Filmkomponist und war Leiter eines Filmmusik-Studios. Mit seiner Originalmusik zur Sergei Eisensteins Stummfilm-Opus Panzerkreuzer Potemkin (1925) fand auch er  im Zuge der starken internationalen Rezeption und Diskussion Beachtung. In seinem Filmmusikstudio beschäftigte sich Meisel in den Folgejahren mit Klangmontagen und Tonfilmversuchen. 1927 komponierte er für den Rundfunk die Musik für zwei Hörspiele, darunter für Brechts Mann ist Mann, das am 18. März 1927 erstmals gesendet wurde, sowie für den experimentellen Kurztonfilm Tönende Welle (1928) von Walther Ruttmann, für dessen Film Berlin – Die Symfonie der Großstadt (1927) er ebenfalls die Musik-Tonspur verfasst hatte. Meisels Musik zeichnet sich durch partielle Atonalität aus und betont in ihren gestalterischen Elementen sowohl den Rhythmus als den Instrumentenklang, was in zeitgenössischer Sicht mitunter auf kontroverse Einschätzungen stieß, z.B. die Musik-Geräusch-Kulisse für Tollers Hoppla, wir leben (NFP, 24.11.1927,2).

1929-30 konnte er noch die Tonfassung zum Potemkin fertigstellen, obwohl er bereits zuvor zum Zerwürfnis mit Eisenstein/Ejzenštejn gekommen war. Im Herbst 1930 arbeitete er an der Musik für den Film Stürme über dem Mont Blanc von Arnold Fanck, als er im Nov. wegen einer Blinddarmentzündung notoperiert werden musste und infolgedessen verstarb.

Die originale Nadeltonplatte zum Potemkin-Film wurde erst 2002 im Medienarchiv des Wiener Technischen Museums aufgefunden und seit 2015 wieder zugänglich gemacht.

Weitere Filmmusik-Werke: Oktober/ Zehn Tage, die die Welt erschütterten (R.: S. Eisenstein, 1928); Der rote Kreis (R.: F. Zelnik, 1929); Der blaue Expreß (R.: I. Trauberg, 1930).

Moderne Filmmusik. In: Der Tag, 27.1.1928, S.10.

Literatur: M. Reinhard/Th. Tode (Hgg.): Potemkin -Meisel. = Maske und Kothurn, H. 1(2015); M. Omasta/ B. Mayr: „Das sollen Würmer sein? Lächerlich!“ Vom „stummen Panzerkreuzer“ (1925) zum „tönenden Potemkin“ (1930). In: P.H. Kucher/ R. Unterberger: Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹. Berlin 2019, 289-299; St. Drößler, R. Siedhoff: Filmmusik von Edmund Meisel. Online verfügbar. F. Ford: The film music of Edmund Meisel (1894–1930). PhD thesis, University of Nottingham  (2011), online verfügbar: hier.

Quellen und Dokumente:

(work in progress)