eigentlich Karl Huffnagl, geb. am 18.12.1872 in Wien – gest. am 5.3.1927 in Wien; Beamter, Journalist, Schriftsteller

Ps. Nithart Stricker

P. absolvierte nach dem Studium der Philosophie eine Beamtenlaufbahn und wurde bereits 1919 wegen eines Augenleidens als Staatsarchivdirektor im Innenministerium pensioniert. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg trat P. als satirischer Autor in den Zeitschriften Neue Bahnen, Der Scherer und vor allem in Die Muskete in Erscheinung, für die er zunächst vorrangig unter dem Pseudonym Nithart Stricker publizierte. Die von Fritz Schönpflug illustrierte Sammlung Zehn Jahre schwarz-gelbes Leben [Digitalisat] erschien 1919 im Verlag Eduard Strache ebenfalls unter diesem Pseudonym. Bereits länger als Beiträger aktiv, war P. seit September 1914 Redakteur der Muskete, bei der er gemäß einer Redaktionsmitteilung „lästige Ausländer“ (Beiblatt zu Die Muskete, 3.9.1914, S. 4) ersetzt hatte. Zwischen März 1917 und Jänner 1919 fungierte P. neben Theodor Waldau als leitender Redakteur, ehe er das Blatt infolge eines Linksrucks im Februar 1919 verließ. Fortan veröffentlichte P., der auch am Organ Auf Vorposten des 1912 gegründeten Verbands gegen die Überhebung des Judentums mitwirkte, Feuilletons und Gedichte in der Reichspost sowie ihrer Montagsausgabe, den Wiener Stimmen. Dabei wie durch Pamphlete, die im Leopold-Stocker-Verlag erschienen, positionierte sich P. als antisemitischer wie antimarxistischer Publizist, etwa mit den Werken Judentum und Sozialdemokratie (1920) und Juda. Kritische Betrachtungen über das Wesen und Wirken des Judentums (1921), in dem, so die Reichspost in einer Rezension, P. „mit großer Sachlichkeit und wuchtiger Beweisführung, welch wichtiges Volks- und Staatsproblem das Judentum“ (Reichspost, 18.6.1921, S. 4) sei, darlegte. Thematisch ebenfalls ins Spektrum fügt sich sein satirischer Roman Repablick. Eine galgenfröhliche Wiener Legende aus der Zeit der gelben Pest und des roten Todes (1924) ein, der die Revolutionstage 1918/19 und die konservative Furcht vor der entfesselten republikanischen Masse in den Blick nimmt und retrospektive als aufschlussreiches „Dokument für das gereizte Klima dieser Epoche“ (Schmidt-Dengler) angesehen werden kann.


Weitere Werke

Arbeiter, auf ein Wort (1923), Das ABC der viertausendjährigen Judenfrage (o. J.), Briefe an einen Sozialdemokraten (1927)

Quellen und Dokumente

Neuester Illustrierter Führer durch die k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. In: Die Muskete, 12.7.1917, S. 114, Mitmenschen. In: Die Muskete, 24.10.1918, S. 26, 28, Deutschböhmen. In: Die Muskete, 26.12.1918, S. 98, K.k. Geschichten aus Nordösterreich. In: Die Muskete, 22.8.1918, S. 166f., Lebenszweck. In: Reichspost, 3.9.1922, S. 1-3, Vor fünfundsiebzig Jahren. In: Reichspost, 15.3.1923, S. 1-2,  Dö varflixte Huasten! Eine Geschichte aus Oberösterreich. In: Reichspost, 19.9.1923, S. 1f.

Regierungsrat Huffnagl-Paumgartten gestorben. In: Reichspost, 6.3.1927, S. 6, Schriftsteller Huffnagl-Paumgartten gestorben. In: Salzburger Chronik, 7.3.1927, S. 6.

Literatur

Murray G. Hall (Hg.): Die Muskete. Kultur- und Sozialgeschichte im Spiegel einer satirisch-humoristischen Zeitschrift 1905-1941 (1983), Thomas Mittmann: Vom „Günstling“ zum „Urfeind“ der Juden. Die antisemitische Nietzsche-Rezeption in Deutschland bis zum Ende des Nationalsozialismus, S. 112 (2006), Wendelin Schmidt-Dengler: Wien 1918: Glanzloses Finale. In: W. S.-D.: Ohne Nostalgie. Zur österreichischen Literatur der Zwischenkriegszeit, S. 24-52 (2002), Gerhard Schober: Karl Huffnagl. Versuch einer Biographie und Wirkungsgeschichte (2006).

(ME)