Geb. 9.1.1898 auf Schloss Albrechtsberg (NÖ) – gest. 17.3.1975 in Salzburg: Katholischer, jungkonservativer Publizist u. Initiator des (Europäischen) Kulturbunds.

Nach der abwechselnd in der Wachau (Schloss Albrechtsberg) und im Prager Familienpalais zugebrachten Kindheit Jusstudium in Prag. Ab 1916 Militärdienst im Brünner Dragonerregiment (1916/17 bei den Ulanen in Russisch-Polen und in der Ukraine), bei Kriegsende stationiert in Galizien. 1919 Übernahme des Familienguts Albrechtsberg. 1922 im Verwaltungsrat des 1919 gegr. (u. 1925 liquidierten) Verlags „Wiener Literarische Anstalt“ sowie Initiator des Kulturbunds (Wien), 1924 des Europäischen Kulturbunds. 1925-36 Hg. der Europäischen Revue. Gründer des Pressedienstes „Europreß“ („Agence du Presse Européenne“), der zw. 70 und 280 Tageszeitungen in Europa belieferte. 1927 Russlandreise u. Veröff. des Reise-„Skizzenbuchs“ Moskau. 1928 Mitbegründer des u.a. v. Bundeskanzler I. Seipel, dem Wiener Bürgermeisters K. Seitz und dem Industriellen Karl Meinl geförderten überparteilichen „Österreichischen Klubs“ (und bis 1931 als dessen Vizepräsident tätig). Präsident der „Deutsch-Ungarischen Gesellschaft“ in Wien. 1929-30 Leiter der Halbmonatsschrift Das Neue Österreich im Konzern der Bergland-Blätter. 1933 Verehelichung mit Marie Gräfin Apponyi (zwei Söhne). Mitglied der österr. NSDAP u.d. „Deutschen Klubs“, der für eine Kooperation Österreichs mit dem Dritten Reich eintritt. 1938-45 Direktionsvorsitzender der „1. Wiener Hotel AG“. Ab 1941 Mitarbeiter der IG Farben für Südosteuropa. Von Dez. 1945 bis Juli 1947 Inhaftierung durch amerik. Besatzungsbehörden und österr. Zivilbehörden, anschließend wieder als Publizist tätig.

Detail (bearbeitet) aus:
Max Beckmann,
Gesellschaft Paris (1931)

Die aristokratische Abkunft – die Vorfahren väterlicherseits entstammten dem franz. Hochadel – sicherte R. nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur eine finanziell unabhängige Existenz, sondern war von Einfluss auch auf seine ideolog. Disposition, namentlich die Ablehnung der „Ideen von 1789“, von Parlamentarismus, Demokratie, Gleichheit und Freiheit (vgl. Schulz). Im Habsburgerreich, als dessen Ministerpräsident 1871-79 der Großvater mütterlicherseits, Fürst Adolf Auersperg, fungiert hatte, sah R. einen übernationalen u. kath. Kultur-, Gesellschaftszusammenhang, was sich nach den Erfahrungen im Ersten Weltkrieg – R. war im Zuge einer Sondermission bis nach Kiew gelangt – mit antibolschewistischen Sentiments mengte. Unter dem Eindruck eines intensiven (Quellen-)Studiums d. sozialistischen Theorie (Marx, Engels, Lassalle, Bebel, Renner, Bauer, Lenin, Trotzki) i.d. Jahren 1918/19 u. im Austausch u.a. mit dem Staatsrechtslehrer Joseph Redlich fand R. zu einem Neo-Konservativismus, der merkbar von der Ideenwelt F. Nietzsches beeinflusst war (Abkehr von der Politik „nach außen hin“, um das Individuum/Bildung zu „retten“) u. sich auch in den Kulturbund als Forum einer von R. intendierten (neuen) „Geistesaristokratie“ entlud. Der empfahl R. in der Broschüre Europa (1923), einem „Gründungstext der ‚konservativen Revolution‘ im europäischen und im katholischen Kontext“ (Müller), im Angesichte des heraufziehenden „antikulturellen“ Zeitalters der Industrieführer und Arbeiter eine Rekatholisierung (Katholizismus als „Wurzel aller Kultur“) sowie den ital. Faschismus (als Opponent „einer Welt des Rationalismus“) als der Gegenwart „gemäße politische Form“ (zit. bei: Ebd.).

1936 musste R. als Hg. der Europäischen Revue demissionieren. Grund dafür waren seine Visionen für ein Deutschland eng verbundenes, indes selbständiges Österreich. Nichtsdestotrotz war R. dann 1938, nach dem Anschluss Österreichs, mit einem Beitrag im Bekenntnisbuch österreichischer Dichtervertreten.

Auf die Paradoxien in der Ideenwelt R.s als einer „seltsame[n] Symbiose aus Fürst Klemens von Metternich […] und Benito Mussolini“ (Schulz), aus kulturellem Konservativismus und „einem Uebernationalismus, der jeder Nation ihre Seele und Form läßt“ (O.A.H. Schmitz), hat zeitgenössisch u.a. Hofmannsthal hingewiesen. In der Neuen Freien Pressestilisierte er R. in einem Porträt der Europäischen Revue 1925 zum prototypischen Exponenten der jungen Generation der um 1900 Geborenen, die berufen sei, „die furchtbare Dumpfheit, ja Gelähmtheit der Epoche 1900 bis 1914“ zu überwinden, und kehrte dabei neben R.s Jugendlichkeit und aristokrat. Habitus v.a. auch dessen gesell. Kontakte hervor. R. gelang es, außerhalb Österreichs etwa die Verleger Charles Hayet u. Kurt Wolff, die Kunstmäzenin Lilly v. Schnitzler, Gattin des Direktors d. IG-Farben-Industrie Georg v. Schnitzler, u. den franz. Mathematiker u. Menschenrechtler Paul Painlevé als Förderer für seine Initiative zu gewinnen. Als netzwerkenden „Puppenspieler“ (E. Rieger) im Gesellschaftlichen hat M. Beckmann R. auch in seinem Gemälde Gesellschaft Paris 1931 ins Zentrum einer „black-tie party“ v. Emigranten, Aristokraten, Geschäftsleuten u. Intellektuellen gesetzt (vgl. Lauf). Dass R. für seine Kulturbund-Initiative und damit für elitäre, gegen das Massenzeitalter zielende (s. dazu auch: Monotonisierungsdebatte), dabei „europäisch“ argumentierende und sich vordergründig „unpolitisch“ gerierende Demokratiekritik Unterstützung bei den intellektuellen Eliten fand, erklären Schulz und Müller mit Hinweis auf die insg. v. Demokratieskepsis, Unsicherheit u. Chauvinismus geprägte Gemütslage der „Oberschicht“ der Zwischenkriegszeit.


Werke

Gründungsschrift des „Kulturbund“ (Wien: Hollinek 1921) – Das geistige Problem des Europas von heute. Vortrag (= Veröffentlichungen des Kulturbundes, Bd. 1; Wien: Wiener Literarische Anstalt 1922) – Die Aufgabe unserer Generation (= Zeit- und Streitfragen, Bd. 17; Köln: Bachem 1926) – Europa. Streiflichter (= Der Neue Geist, Bd. 52; Leipzig: Der Neue Geist-Verlag 1923 bzw. Leipzig: Reinhold 1923) – Moskau. Ein Skizzenbuch aus Sowjetrußland (Karlsruhe: Braun 1927) – Umbruch der Zeit. 1923-1930. Gesammelte Aufsätze (Berlin: Stilke 1930) – Schicksalsstunde Europas. Erkenntnisse und Bekenntnisse. Wirklichkeiten und Möglichkeiten (Graz: Leykam 1937) – Heimat Europa. Erinnerungen und Erfahrungen (Düsseldorf: Diederichs 1954) – Die Deutschen und die Welt. Wie sehen die anderen Völker die Deutschen? (= Eckartschriften d. Österr. Landsmannschaft, H. 32; Wien 1969)

Literatur

Lemma „Rohan, Karl Anton“, in: Matthias Heeke: Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Rußland 1921-1941. Mit einem bio-bibliographischen Anhang zu 96 deutschen Reiseautoren (= Arbeiten zur Geschichte Osteuropas; Bd. 11). Münster-Hamburg-London: LIT Verlag 2003. – Guido Müller: Europäische Gesellschaftsbeziehungen nach dem Ersten Weltkrieg. Das Deutsch-Französische Studienkomitee und der Europäische Kulturbund (= Studien zur Internationalen Geschichte). München: Oldenbourg 2005. – Ders.: Lemma „Rohan, Karl Anton Adolf Julian Victor Maria Prinz“, in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 760f. (Onlinefassung). Matthias Schulz: Der Europäische Kulturbund (2010-12-03), i.d.R. EGO | Europäische Geschichte Online, hg. v. Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz (Online verfügbar). Murray Hall: Wiener Literarische Anstalt (Online verfügbar).

Quellen und Dokumente

Oskar A. H. Schmitz: „Europa.“ In: Neue Freie Presse (9.3.1924), S. 31f. – Hugo v. Hofmannsthal: Europäische Revue. (Eine Monatsschrift, herausgegeben von Karl Anton Rohan.) In: Neue Freie Presse (25.9.1926), S. 1-3. – Erwin Rieger: Der Kulturbundkongreß in Prag. Ein paar Randbemerkungen. In: Neue Freie Presse (8.10.1928), S. 6.

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