Otto Abeles: Raimundtheater
O.[tto] A.[beles]: RaimundtheaterDie Gründung des Raimundtheaters ging auf eine Initative von rund 500 Wiener Bürgern zurück, die sich 1890 zum „Wie... (1922)
(Zum ersten Male: Sumpf, Schauspiel in vier Akten von Leopold Schwarzschild)
Wir mußten schon manches „Drama aus der Umsturzzeit“ über uns ergehen lassen. Ein einziges war echt: Freiheit von Herbert Kranz. Andere, besser: die anderen, waren widerliche oder gerissene Spekulationsware. Dieses aber ist weder echt noch fingerfertige Konjunkturarbeit. Es ist einfach kläglich. Wenn so der politische Sumpf aussähe, so offensichtlich daliegend, selbst für den Blinden erkennbar (durch den Gestank), hätten die Anständigen und Berufenen leichte Arbeit. Freilich müßten sie von vornherein unfähige Plapperer von der Art des Soldaten Wilkert kaltstellen. Der Sumpf, den der Autor meinte, sieht leider anders aus. Er ist unter üppiger, saftgrüner Flora verborgen, von tückischen Sumpfpflanzen umhegt und Herr Schwarzschild weiß so wenig von ihm, wie ein Quintaner, der ein fünfaktiges Römerdrama verbricht, von den Römern weiß. Possierlich, wie der Autor in der Einbegleitung zum Theaterzettel versichert, daß er „Licht und Schatten innerhalb der Grenzen dramatischer Möglichkeit paritätisch verteilt“ hat. Stimmt. Hie der proletarische Edeling, hie der kapitalistische. Hie der proletarische Haderlump, hie der kapitalistische. Alle vier können uns gestohlen werden. Puppen, die ein unfähiger Drahtzieher nicht in Bewegung setzen kann.
Herr Direktor Beer ist ein Mann von künstlerischem Geschmack und von Verantwortung. Er mußte die Untauglichkeit des Stückes erkannt haben. Die Aufführung in seinem ernsten Theater ist ihm doppelt anzukreiden. Er hat sich alle Mühe gegeben, durch große Aufmachung nachzuhelfen. Revolution im Kasernenzimmer, Betriebsratssitzung mit Teilnehmern im Orchesterraum usw. Eine nette Anzahl roter Fahnen, teils geschwungene, teils dekorativ an die Wand genagelte. Schreiende Riesenplakate. Ein Versammlungszimmer der Lohnsklaven und als Gegensatz das hochelegante Bureau eines Generaldirektors. Man hat das schon zu oft gesehen, als daß die Ausstattung vom Text ablenken könnte. Hans Marr, der Knorrige, Kraftvolle, spielte den Helden und weil er kein Komödiant ist, sondern ein Darsteller, konnte er sich nicht entfalten. Sehr bemüht, nach Möglichkeit charakteristisch die Herren Ludwig Andersen, Robert Marlitz, Ludwig Stärk, Rudolf Zeisel und die feine Lily Karoly.
Schließlich stellen wir noch bekümmert fest, daß das Stück einen starken Publikumserfolg erzielte.

