geb. am 8.3.1874 in Graz – gest. am 29.7.1957 in Lienz (Grabstätte in Sillian); Radiopionier, Offizier, Redakteur

Anderle entwickelte nach dem vorzeitig abgebrochenen Besuch einer Realschule in Wien und dem Übertritt in die Pionierkadettenschule in Hainburg sehr früh Interessen für technische Neuerungen und avancierte bald nach seinem Eintritt in das Eisenbahn- und Telegraphenregiment 21 zu dessen technischem Leiter; 1911-12 wurde er Kommandant dieser Truppe. Im Ersten Weltkrieg ab 1915 Leiter verschiedener Radiostationen, ab 1917 Leiter des Radiodienstes des k.k. Heeres; hauptsächlich im Heereskommando Tirol stationiert. Nach Kriegsende wurde A. 1920 ins Heeresministerium übernommen und mit verschiedenen Aufgaben beim Aufbau der Fernmeldetruppen betraut, seit 1923 im Rang eines Oberst.

1924 begründete er die Zs. Radiowelt, das führende Organ der Radiodiskussion in technischer wie kultureller Hinsicht im Österreich der Zwischenkriegszeit. Trotz Divergenzen hatte A. gute Verbindungen zur RAVAG, in deren Beirat er Redakteure seiner Zeitschrift entsenden konnte. Anderle bemühte sich um 1925 um die Erlangung einer eigenen Sende-Lizenz für die Radioamateure im Umfeld der Radiowelt und gründete dazu eigens den Österreichischen Versuchsendeverband (ÖVSV), dem der 1926-1932 auch vorstand. 1931 schied Anderle vorzeitig und freiwillig aus dem Heeresdienst aus.

Er verfasste auch zwei lehrbuchartige Publikationen: Lehrbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie (Leipzig-Wien 1911, 51921) sowie Radiokurzwellen und ihre Eigenschaften (Wien 1931)


Quellen und Dokumente

Radiofreiheit! In: Radiowelt, 23.3.1924.

Literatur

Johann Prikowitsch: Ing. Franz Anderle. Ein
österreichischer Funkpionier. In: Franz Pichler, J. Prikowitsch (Hgg.):
Aufsätze zur Radio- und Funktechnik (2012), 134-152; Primus-Heinz
Kucher, Rebecca Unterberger: »akustisches Drama«. Radioästhetik, Kultur
und Radiopolitik in Österreich 1924-1934. (2013).

Dokumentationsarchiv Funk: Geschichte des österreichischen Amateurfunks,

(PHK)