geb. am 25.4.1862 in Hochlieben/Liben Vysoká (nahe Prag) – gest. am 5.7.1931 in Wien; Journalist, Redakteur, Politiker

Aus einfachen Verhältnissen kommend war A. gezwungen, bereits früh seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zunächst als Knecht und Lagerarbeiter, dann als Handelsgehilfe bei der Firma Gerngroß in Wien. Sein Bildungshunger und autodidakt. Wissenserwerb brachten ihn der Sozialdemokr. Partei nahe; im Zuge seines Einsatzes für verbesserte Arbeitsverhältnisse, z.B. für den Achtstunden-Tag, den A in publizist. Form über den von ihm gegr. Verein der Handlungsgehilfen entwickelte, wurde er von Viktor Adler entdeckt u. für die AZ gewonnen. Dort avancierte er nach wenigen Jahren zum Chefredakteur u. bestimmte maßgebl. das Profil der Zeitung. Nebenher war er auch Mitarb. des Wochenblattes der deutschen sozialdemokr. Partei Die Neue Zeit. Aufgrund seines Kampfes für Pressefreiheit gewann A. auch den Respekt von K. Kraus, dem A. vermutlich schon in den 1890er Jahren im Café Griensteidl begegnet war. 1914 bezog A. in der Julikrise zunächst eine kritisch-warnende Position, schwenkte dann aber mit dem Parteivorstand auf eine defensive, den Krieg hinnehmende Haltung ein, insbes. im Leitartikel Der Tag der deutschen Nation. Seit 1919 bis 1930 war A. Abgeordneter im österreichischen Parlament. In den 1920er Jahren galt er als Bindeglied zwischen der österr. Arbeiterbewegung und dem auf Distanz zu ihr gehenden K. Kraus; er widmete ihm 1924 einen ausführlichen Beitrag in der AZ zum 50. Geburtstag, nahm an der Kraus-Debatte in der sozialdemokr. Programmzeitschrift Der Kampf (seit 1923) teil u. unterstützte Kraus 1926 in der publizistisch u. juristisch geführten Kampagne u. Auseinandersetzung mit dem Journalisten u. Verleger Imre Békessy. Die Empörung über den Freispruch im Mordprozess von Schattendorf zählt zu den bedeutendsten polit. Leitartikeln der Ersten Republik u. gilt als mitauslösend für die Großdemonstration und die Eskalation vom 15. Juli 1927. In den ausklingenden 1920er Jahren widmete sich A. v.a. der schärfer werdenden Konfrontation mit der Christlichsozialen Partei unter Prälat Ignaz Seipel sowie mit den erstarkenden Heimwehren.


Quellen und Dokumente

Der Tag der deutschen Nation. In: Arbeiter-Zeitung, 5.8.1914, S. 1, Karl Kraus zu seinem 50. Geburtstag. In. Arbeiter-Zeitung, 27.4.1924, S. 3, Der wahre Kraus. In: Der Kampf, H.7/1926, 309-314; Die Mörder von Schattendorf freigesprochen. In: Arbeiter-Zeitung, 15.7.1927, S.1f., Seipels siebenter Oktober. In: Der Kampf, H. 11/1928, 532-538; Austerlitz spricht. Hg. von J. Braunthal. Wien 1931; K. Kraus: Zu der Tragödie Friedrich Austerlitz. In: Die Fackel 33 (1931), H. 857-863, S. 129-132, Friedrich Austerlitz, ein Retter der Bourgeoisie. In: Die Rote Fahne, 7.7.1931, S. 7.

Teilnachlass: Wien-Bibliothek.

Literatur (Auswahl)

Alfred Pfabigan: Karl Kraus und der Sozialismus. Eine politische Biographie, 225f. (1976), Harry Zohn: Karl Kraus and the Critics, 43 (1977).

Eintrag bei wien.gv.at.

(PHK)