geb. als Felix Biedermann am 29.5.1870 in Wien – gest. am 26.10.1928 in Wien; Schriftsteller, Librettist, Filmproduzent, Schauspieler

D., Sohn von David Biedermann, Großhandlungsgeschäftsführers und Anna B., geb. von Sztankovits, begann seine literar. Karriere im Umfeld der Gruppe Jung-Wien, wo er bereits 1890 durch den Ged.Bd. Neurotica Aufsehen erregte. 1891 wird er Mitarbeiter der renomm. Zs. Moderne Dichtung, betätigt sich als Übersetzer von Baudelaire-Gedichten u. tritt seinen einjährigen Militärdienst an, aus dem er aber vorzeitig mit Verdacht auf Epilepsie im Apr. 1892 entlassen wird. 1892 erscheint auch sein zweiter Gedichtbd. Sensationen, 1893 bereits das erste Drama Hanna und 1894 die Novelle Mizzi. Von nun an konzentriert sich D. auf dramat. Arbeiten und feiert mit Ledige Leute (1897, 1927 verfilmt unter dem Titel Die Familie ohne Moral), Heimweh (1898), Die Krannerbuben (1901, Tumulte während der UA am 23.3. im Dt. Volkstheater) oder Der Herr von Abadessa (1902), das mit dem Bauernfeldpreis ausgezeichnet wird, sowie mit Der reine Mann (1903, UA in Berlin) beachtliche Erfolge. 1900 heiratet er Marie Bubna von Littiz, die auch Ensemblemitglied des Burgtheaters war; im selben Jahr  wurde sein Stück Zimmerherren von der Zensur verboten und konnte erst 1920 in den Wiener Kammerspielen uraufgeführt werden. Ab 1906 wendet sich D. verstärkt dem Verf. von Opernlibretti zu, die von Oscar Straus, Bruno Granichstaedten, Edmund Eysler u.a. vertont, später z.T. auch verfilmt werden wie z.B. Ein Walzertraum (1907) oder Der unsterbliche Lump (1910/1929). 1912 gründet D. zus. mit dem Architekten Elias Tropp die Vindobona-Film, für die er selbst in versch. Funktionen tätig ist. Auf der Internationalen Kino Ausstellung 1912, dem ersten österr. Filmfestival, erhält die Vindobona mehrere Auszeichnungen; nach mehrmaliger Umbenennung, zuletzt in Duca-Film, hat sie 1914, nach dem Film Sterbewalzer ihre Tätigkeit eingestellt. 1912-14 kommen ferner zahlreiche Libretti und Komödien zur Aufführung. Trotz eines patriotischen August-1914-Gedichts im Wiener Tagblatt verbringt Dörmann den Weltkrieg in sicherer Distanz, nämlich in Wien, wo er mit Lust- und Singspielen wie z.B. Hedis erster Mann das Publikum bedient. In diesem Genre wirkt er auch nach 1918 erfolgreich weiter, etwa mit Die galante Gräfin (1919), mit der Spitzbubenkomödie Der Liebling von London (1924) oder dem Opernlibretto Die verbotene Frau (1926), aber auch mit der „kaukasisch-wienerisch“ geratenen Freiheitsoperette Eriwan (1918). Seit 1924 erscheinen schließlich auch wieder Prosatexte von D., unter denen Jazz. Ein Wiener Roman (1925, Neuaufl. 2012) zweifellos herausragt, ferner eine Biographie der damals vielleicht berühmtesten Operettensängerin Friederike (Fritzi) Massary. Knapp nach dem Erscheinen seines zweiten Romans Machen Sie mich zu ihrer Geliebten verstarb D. am 26.10.1928 an den Folgen einer Lungen- und Rippenfellentzündung.


Weitere Werke

Lustspiele, Opernlibretti: Die Mama/Die Frau Baronin (1904/1906);  Alle guten Dinge; Die Liebesmüden (beide 1906); Das stärkere Geschlecht (1907), Bub oder Mädel (1908); Majestät Mimi; Dressur (beide 1911); Die liebe Unschuld; Damenwahl (beide 1912); Flora Bella (1913); Was tut man nicht alles aus Liebe (1914); Das Finanzgenie (1915); Arizonda (1916); Die Lily vom Chor (1918); Die Frau Baronin (1919); Hagith (1920); Der Mann, der nicht nein sagen kann (1922); Hoheit Franzl (1924); Münchhausen (1928)

Anderes: Gelächter. Gedichte (1896); Warum der schöne Fritz verstimmt war. (Novellen, 1900); Der stumme Sieger; (Novellen, 1906); Die Musikantenlehne; Die tolle Teresina; Die Zirkusgräfin (Filmkomödien, 1912); Die Göttin der Liebe; Seitensprung (Erotikfilme, 1914); Der platonische Wüstling (Novellen, 1920); Tuberosen. Ausgewählte Verse (1920); Herbst in Europa. Roman (posthum 1937)

Quellen und Dokumente

Unser Kaiser hat gerufen. In: Neues Wiener Tagblatt, 12.8.1914, S. 2, Das schlechte Kind. In: Neue Freie Presse, 15.8.1918, Die Seele des Geschäfts. In: Neue Freie Presse, 13.10.1918.

O.K(oenig): Jazz. In Arbeiter-Zeitung, 11.1.1926, R. H.: Jazz. In: Wiener Zeitung, 31.12.1926.

Literatur

Konstanze Fladischer: Berlin und Wien in ausgewählten Romanen der Zwischenkriegszeit. Dipl.Arb. Univ. Wien 2010 [Online verfügbar], M. Rauchenbacher: Das schnelle Geld. Wiederentdeckt: Felix Dörmanns Spekulantenroman »Jazz«. In: Literatur und Kritik 473 (2013), 86-88, P.-H. Kucher: „Das wahre Programm der Zeit hieß: Jazz“. Zum Stellenwert des Jazz als (musik)kulturelle und literarische Chiffre in der österreichischen Zwischenkriegszeit. In: Journal of Austrian Studies 3(2014) 69-92 [Online verfügbar].

Stefan Schmidl: Dörmann, Felix. Eintrag im Oesterreichischen Musiklexikon.

Stefan Gmünder: Wenn die Inflation Seele frisst. In: Der Standard, 5.12.2012

(PHK)