Freidenkerbund (Österreichs)

hervorgegangen aus dem 1887 in Wien gegründeten Verein der Konfessionslosen, der sich zum Ziel gesetzt hatte, den Einfluss der Kirche und der Religion auf die Schule und den Lebensalltag zurückzudrängen, d.h. auch die Trennung von Kirche und Staat de facto umzusetzen. Seit 1903 erschien die Vereinszeitschrift Der Freidenker; ein weiteres Ziel war die Zulassung der Feuerbestattung, vorangetrieben vom verschwisterten Verein Die Flamme. Nach dem Kriegsende entstanden neben Wien auch in den Bundesländer Freidenkerorganisationen, z.B. als erste eine in Oberösterreich (1919), die sofort ins Visier der konservativen Lokalpresse als verlängerter Arm der sozialdemokratischen Los von Rom-Bewegung geriet und als solche bekämpft wurde.

Der erste internationale Freidenker-Kongress nach dem Weltkrieg fand im Sept. 1920 in Prag statt und war bereits im Vorfeld von mehreren Polemiken überschattet: vom Ausschluss der (zuvor gewichtigen) deutschen Freidenker sowie von antisemitischen, untergriffigen Kommentaren in der österreichischen Regionalpresse, etwa in der Kärntner Zeitung. Die Organisationsdichte entwickelte sich in Österreich neben Wien und Oberösterreich zunächst kaum bzw. langsam; 1921 konnte erst Oberösterreich eine Jahreskonferenz abhalten, auf welcher am 24.7. 1921 die anwesenden Vertreter ihre Organisation als „proletarische Kampforganisation“ definierten, im Sommer 1921 entwickelte sich die FDO auch in der Steiermark und wurde dort wie in Tirol misstrauisch verfolgt, wurden in ihnen doch Proponenten einer Trennung von Schule und Religion und somit eines bald ausbrechenden breiteren ideologischen Konflikts vermutet. Anlässlich der Gründung der FDO Klagenfurt wurden im Arbeiterwillen grundsätzliche Überlegungen angestellt, inwieweit eine Kongruenz mit der sozialdemokr. Maxime Religion ist Privatsache bestehe, die bejaht wurde, aber um den Auftrag wissenschaftlicher Bildung zu erweitern wäre: „Vor allem Geschichte und Naturwissenschaft, Philosophie und Literatur bilden die schärfsten Waffen des Freien Geistes“ (AW, 13.7. 1922, 7). Das Anwachsen der Freidenker-Bewegung führte u.a. auch dazu, dass der organisierte Katholizismus zunehmend polemisch und aggressiv reagierte, sichtbar etwa in programmatischen, die Legitimität von Republik (als Produkt der Revolution) sowie Staatsrecht in Frage stellenden Reden auf dem deutschen Katholikentag 1922 in München, gegen welche wiederum die FDO mit ‚Massenversammlungen‘ in Deutschland wie auch in Wien antworteten.

Materialien und Quellen:

Eintrag auf: geschichtewiki.wien;

Gründungsaufruf Freidenkerbund Oberösterreich. In: Tagblatt 18. 10. 1919, S. 8; N.N.: Eine sozialdemokratische Los von Rom-Bewegung. In: Linzer Volksblatt, 22.11.1919, S. 1; N.N.: Die strammdeutschen Freidenker. In: Kärntner Zeitung, 24. 2. 1920, S. 3; N.N.: Der Freidenkerkongreß. In: Prager TBl., 7.9. 1920, S. 3; N.N.: Freidenkerkonferenz in Wels. In: Tagblatt, 26.7. 1921, S. 5; N.N.: Zum Kampf um die Schule. In: Grazer Volksblatt, 19. 7. 1921, S.1; N.N.: Katholiken, die Augen auf! In: Tiroler Anzeiger, 1. 8. 1921, S. 1; N.N.: Antwort auf den Katholikentag. Zwei Massenversammlungen. In: AZ, 30.5. 1922, S. 5; C.[olbert]: Freidenker-Jahrbuch 1923. In: Der Abend, 18. 11. 1922, S. 3;

Angelo Carraro: Erlösung ohne Gott und Kirche, Wien: Freidenker-Verlag 1920; Karl Frantzl: Gesetze und Vorschriften über konfessionelle Angelegenheiten in der Republik Österreich. Eine Kritik und Anleitung für Freidenker. Wien1924;

(PHK, in preparation)