von Arthur Schnitzler

Schnitzler hat an seiner Komödie der Verführung über zwei Jahrzehnte gearbeitet, bis der Krieg dem Stoff die finale Struktur verpasste. Das Stück, uraufgeführt 1924, spielt unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und es macht die Kräfte sichtbar, „die an den Krieg (u.a. als Mittel der Bereicherung) glauben und [ihn] als ‚Jungbrunnen‘ glorifizierten“1. Dazu hatte im Übrigen selbst Schnitzler zumindest kurzfristig gezählt. Am 27. Juli 1914, drei Tage vor dem tatsächlichen Ausbruch, notiert er im charakteristischen Telegrammstil seiner Tagebücher: „‘patriotische‘ Empfindungen. Dazugehörigkeit“2. Auch wenn bei ihm rasch Ernüchterung folgt, der Taumel hatte ihn doch gestreift. Die Komödie der Verführung analysiert letztlich, wie ein zivilisiertes Gemeinwesen flächendeckend von dieser Haltung ergriffen werden konnte, und sie stellt die Frage des cui bono. Das Stück endet mit der Nachricht von der Kriegserklärung am 1. August 1914, sie erreicht die Gesellschaft in einem idyllischen dänischen Badeort. Das ist ein realistischer Verweis darauf, dass die geschlossene Gesellschaft der Besitzenden und Einflussreichen Kriegsfolgen meist nur als Renditenerhöhung zu spüren bekommt.

(EPH)


  1. Ernst-Ullrich Pinkert: Arthur Schnitzlers „Komödie der Verführung”. Ein Vorkriegsdrama aus der Zwischenkriegszeit. In: Primus-Heinz Kucher, Julia Bertschik (Hg.): „baustelle kultur“. Diskurslagen in der österreichischen Literatur 1918– 1933/38. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 413–434, S. 430.
  2. Arthur Schnitzler: Tagebuch 1913–1916. Hg.: Peter Michael Braunwarth, Richard Miklin, Susanne Pertlik, Walter Ruprechter, Reinhard Urbach. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1983, S. 127.