eigentlich Rudolf Krisch, geb. am 2.2.1876 in Rozdalowitz, Böhmen – gest. am 3.9.1949 in Grundlsee, Steiermark; Schriftsteller, Essayist, Satiriker, Pazifist

Nachdem er die Kadettenschule in Wien absolviert hatte, stand K. (eigentlich Rudolf Křiž) von 1894 bis 1910 als Offizier im Truppendienst, wo er bereits Satiren (Vom grinsenden Leben, 1911, Aus dem Affenkasten der Welt, 1914) verfasste und veröffentlichte. Während seiner Zeit in russischer Gefangenschaft (ab Nov. 1914 – Februar 1918) wurde er zum überzeugten Pazifisten, wovon die Romane Die große Phrase (1919, zuvor bereits 1917 auf Dänisch, Schwedisch und 1918 auf Englisch erschienen) und Die einsame Flamme (1920) sowie der Prosa-Satirenband Der vereitelte Weltuntergang (1919) eindrucksvoll Zeugnis ablegen.

Ab 1920 widmete sich K. ganz der schriftstellerischen Arbeit, wobei Themen einer idealen menschlichen Gesellschaft (Der neue Mensch, 1920),  und des Friedens (Die Krise des Pazifismus, des Antisemitismus, der Ironie, 1931) im Mittelpunkt standen. Die Satire blieb seine bevorzugte Waffe im Kampf für Menschlichkeit im Sinne eines subversiven Aufrüttelns der Leserschaft. In Novellenbänden wie Menschen im Schutt (1923) und Außenseiter des Lebens (1925) stehen weniger die Protagonisten, sondern vielmehr deren gesellschaftlichen Umstände im Zentrum des Spotts. In politischer Hinsicht exponierte sich K. zeitlebens nicht und bezeichnete sich als „hoffnungslos liberal“. Daneben war er als Feuilletonist und Literaturkritiker v.a. für die Neue Freie Presse tätig und befasste sich dabei mit einem breiten Spektrum, das vom Antikriegsroman Drei Soldaten von John Dos Passos über Reisetexte von Baldur Olden und Otto Flake bis hin zu Robert Hohlbaum und dessen Die deutsche Passion reichte.

Das Engagement in subversiven Vereinigungen blieb Zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen K.s. So war er publizistisch für die satirische Zs. Die Muskete tätig und Mitglied in Henri Barbusses Friedensbewegung Clarté, für die er eine Reihe von Essays über Kriegsgefangenschaft und Antisemitismus verfasste. Seit 1926 war er Mitglied des PEN-Clubs.

Seiner im Juni 1933 im Namen von 25 Schriftstellern auf der Generalversammlung des österr. PEN-Clubs eingebrachten Resolution gegen die Bücherverbrennung, gegen Unterdrückung und Freiheitsberaubung  im nationalsozialistischen Deutschland folgte umgehend ein Publikationsverbot in Deutschland und ab 1938 auch in Österreich; dennoch stellte K. 1938  einen Antrag auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer, dem jedoch wegen der ihm angelasteten „zersetzenden, pazifistischen und projüdischen“ Einstellung nicht stattgegeben wurde.  1944 wurde er für fünf Monate inhaftiert, hatte aber dennoch Schwierigkeiten, im Zuge der Wiedererrichtung des österr. P.E.N. 1946-47 als Unbelasteter zu gelten, wie aus dem Briefwechsel mit Robert Neumann hervorgeht. In seinem Roman Ich war ein Österreicher (1940 – 44 entstanden, 1959 veröffentlicht) weitet sich seine Ablehnung des Nationalsozialismus auf alle politischen Parteien aus.


Weitere Werke (Auswahl)

Die einsame Flamme (1920); Evas Rutschbahn. Böse Geschichten (1924); Die Krise des Pazifismus, des Antisemitismus, der Ironie (1931); Striemen. Gedichte (1932); Gesänge der Erde (1933) Ernte im Sturm (1946); Arabesken des Lebens (1947); Aus Gottes wunderlichem Garten (1947)

Quellen und Dokumente

Autorenabend. In: Die Muskete, 6.11.1919, S. 2, Vom Knüppelweg. In: Die Muskete, 15.5.1919, S. 12, Inferno. In: Neue Freie Presse, 28.6.1923, S. 11-12 und 5.7.1923, S. 11, Ein amerikanischer Roman gegen den Krieg. [Rez. zu J. Dos Passos Drei Soldaten]. In: Neue Freie Presse, 2.9.1923, S. 31-32, Der letzte k.k. Soldat (Novelle). In: NFP, 17.-23.5.1924, Romane mit „Hochspannung“ (Paul Frank, Norbert Jacques). In: Neue Freie Presse, 29.11.1925, S. 33-34, Schneeschuhwunder im Frühling. In: Neue Freie Presse, 17.4.1926, S. 1-2, Shimmy… In: Neue Freie Presse, 14.11.1926, S. 31-32, Ein deutscher Zeitroman. Otto Flakes Villa U.S.A. In: Neue Freie Presse, 21.11.1926, S. 31-32, Die Frau und das heroische Ideal. In: Neue Freie Presse, 30.11.1926, S. 12, Pan chauffiert… In: Neue Freie Presse, 7.8.1928, S. 1-3

Nachlass: Wien-Bibliothek.

Literatur

F. Stadler: Zu einigen Korrespondenzen Robert Neumanns nach 1945. In: P.-H. Kucher, J. F. Evelein, H. Schreckenberger (Hg.): Erste Briefe/First Letters aus dem Exil 19445-1950 (2011), 188-189; E. Polt-Heinzl: Österreichische Literatur zwischen den Kriegen (2012), 31f., 149f.

Franz Menges: Kreutz, Rudolf Jeremias. In: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 24 f. [Onlinefassung]

Eintrag in ÖBL-online, Eintrag auf wien.gv.at.

(MA)