geb. am 9.10.1893 in Kulików/Galizien – gest. im Februar 1959 in London; Schauspieler, Schriftsteller, Exilant

Nach dem frühen Tod seines Vaters Israel G. Meisels wuchs Abisch Meisels bei seinen Großeltern in einer religiös geprägten Familie auf: sein Großvater war Kantor, sein Urgroßvater Rabbiner . Schon in seiner Schulzeit interessierte er sich für das Theater und versuchte sich im Verfassen von Theatertexten. 1910 verließ er das Elternhaus und ging nach Czernowitz, wo er zunächst eine Uhrmacher-Lehre begann und danach Kontakt zum Theater suchte. Dies gelang ihm als Mitglied des Tarnopoler Gordin-Clubs (benannt nach dem jiddischen naturalistischen Dramatiker Jakob/Jankew Gordin). Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der russischen Offensiven von 1914-15 floh er wie viele jüdische Galizianer Richtung Wien, wo er 1915 auch sein erstes Theaterstück Die Tragödie der abtrünnigen Jüdin verfasste. 1916 folgte das patriotische Stück Die jüdische Heldin oder Herz und Hand fürs Vaterland, das auch auf der Jüdischen Bühne Wien zur Aufführung kam. Bis 1918 sind keine weiteren Aktivitäten öffentlich erfasst; nach Kriegsende wirkte er zunächst am Lemberger Theater als Schauspieler und anschließend an Theatern in tschechischen Kurorten. 1925 spielte Meisels in der Dibbuk-Aufführung auf der Rolandbühne mit, im August dess. Jahres anlässl. der Erstauff. von Smates als Festveranstaltung im Zuge des 14. Zionistischen Kongresses (an der Seite des bekannten russisch-jiddischen Schauspielers Paul Baratoff) und fortan regelmäßig auch an Inszenierungen der Jüdischen (Volks)Bühne/Künstlerspiele.

1927 wurde Meisels erste jiddische Revue fun sechisstow bis amerika/Von Sechistow nach Amerika, im Jüdischen Künstlerkabarett uraufgeführt. Ab 1928 kamen in kurzen Abständen eine Reihe weiterer Revuen in den Jüdischen Künstlerspielen (Praterstraße) zur Aufführung, die zugleich auch sein Interesse für Palästina und den Zionismus anzeigen, beginnend mit Auf nach Tel-Aviv. Revue in 15 Bildern (1928; NWJ, 6.1.1928) über Hallo! Hallo! Hier Radio Jerusalem (1936), Chassene im Städtel (1936, 50. Auff. im Feb. 1937) und Kol Nidre im Galuth (1937), dem erfolgreichsten Stück, so die Ztg. Die Stimme, der Saison, welche am 15.2.1937 auch in einem „Ehrenabend“ für Meisels Niederschlag fand.

Da Meisels auch Mitglied der Vereinigung der hebräischen und jiddischen Presse-Berichterstatter in Wien und Korrespondent der Lemberger jiddischen Zeitschrift Der Najer Morgen war, ergaben sich guten Kontakte in den mittelosteuropäischen Raum bis nach Polen und Rumänien, wo seine jiddischsprach. Revuen ebf. gespielt wurden. Eine Tournee in der Tschechoslowakei im März 1938 nahmen er und seine Frau Klara, die als Schauspielerin in den meisten seiner Stücke mitspielte sowie zum Ensemble der Jüdischen Künstlerbühne gehörte, zum Anlass, um nach der Okkupation und dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland, nicht mehr nach Wien zurückzukehren und noch im selben Jahr nach London zu emigrieren. Dort firmierte er 1942 als Mitbegründer des New Jiddish Theatre, übersetzte Shakespeare- und Shaw-Stücke ins Jiddische sowie Goldfaden- und Leib Peretz-Stücke, aber auch Wedekinds Der Erdgeist ins Englische. 1955 kehrte er anlässlich des PEN-Kongresses nochmals kurz nach Wien zurück.


Weitere dramatische Werke und Revuen

Nach zwanzig Jahren, der Golem von Prag (1916); Kapitän Dreifus (1916); Die Wiener Rebbyzin (1929); Ohne Zertifikat nach Palästina (1935)

Literatur

Brigitte Dalinger: Verloschene Sterne. Geschichte des jüdischen Theaters in Wien. Wien 1998; B. Dalinger: Einleitung. In: B. Dalinger, Th. Soxberger (Hgg.): Abisch Meisels: Von Sechistow bis Amerika. Eine Revue in 15 Bildern. Wien 2000, 9-15; Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe (Hgg.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 2, München 2002, 916; B. Dalinger: »Galizianer« in Wien. Zur Darstellung »östlicher Juden« im jiddischen Theater und Film. In: A.A. Wallas (Hg.): Jüdische Identitäten in Mitteleuropa. Literarische Modelle der Identitätskonstruktion. Tübingen 2002, 35-46 (bes. 42ff.); Philip V. Bohlman: Jewish Music and Modernity. Oxford 2008, 210-11; B. Dalinger: Popular Jewish Drama in Vienna in the 1920s. In: Edna Nahson: Jewish Theatre. A Global Vision. Leiden-Boston 2009, 175-196 (bes. 187-194).

Quellen und Dokumente

Eintrag bei Jüdisches Theater Austria.

Ankündigung von Hallo! Hallo! Hier Radio Jerusalem. In: Der Tag, 13.5.1936, S. 8; N.N.: Zu Kol Nidre im Galuth. In: Die Stimme, 5.2.1937, S.7.

(PHK)