1910 von Alexander Joseph „Sascha“ Graf Kolowrat-Krakowsky in Pfraumberg/Přimda (heute Tschechien) gegründet, entwickelte sich die Sascha-Film zur größten Filmfabrik Österreich-Ungarns bzw. der Ersten Republik. 

Kolowrat-Krakowsky, der dem böhmischen Adel entstammte und ein beträchtliches Vermögen geerbt hatte, spezialisierte sein Unternehmen zunächst auf die Produktion von Dokumentationen, Naturaufnahmen und Sportberichten. Nach seinem 1912 erfolgten Umzug nach Wien und der damit verbundenen Neugründung der Sascha-Film begann er mit der Produktion von Spielfilmen: Mit Kaiser Joseph II. entstand der erste historische Spielfilm Österreichs, 1913 folgte mit der Verwechslungskomödie Der Millionenonkel mit Alexander Girardi in der Hauptrolle der endgültige Durchbruch in der stark unter französischem Einfluss stehenden österreichischen Film- und Kinoszene. Der unter der Regie von Hubert Marischka gedrehte Film, der sowohl künstlerisch als auch finanziell äußerst erfolgreich war, erregte international Aufsehen und gilt als „Standardwerk der Stummfilmzeit“ (Zglinicki, S. 533).

Anders als der ebenfalls seit 1910 bestehende Mitbewerber auf dem heimischen Filmmarkt, die Wiener Kunstfilm, war die Sascha-Film durch ihren wohlhabenden Besitzer mit genügend Kapital ausgestattet, um auch finanzielle Misserfolge verkraften zu können. Ihre daraus resultierende höhere Risikobereitschaft geriet ihr besonders seit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der die ausländische (vornehmlich französische) Konkurrenz vom österreichischen Filmmarkt vertrieben hatte, zum Vorteil und verhalf ihr bei der sukzessiven Expansion. Die Tätigkeit der Sascha-Film verlagerte sich ab Ende 1914 schwerpunktmäßig auf die Produktion von Wochenschau-Berichten („Sascha-Kriegswochenbericht“) und Propagandafilmen wie Wien im Krieg (1916), die in enger Abstimmung mit dem k.u.k. Kriegspressequartier entstanden und den Zweck verfolgten, die Kampf- und Siegesmoral der Bevölkerung positiv zu beeinflussen. Zeitgleich wurden auf den Gründen des Café Mirabell in Wien-Sievering die Sascha-Filmateliers erbaut, die 1916 eröffnet wurden.

Ebenfalls 1916 schloss sich Kolowrat-Krakowsky mit dem deutschen Filmpionier Oskar Meßter zusammen und gründete als gemeinsame Tochterfirma der Sascha-Film und der Meßter-Film die „Oesterreichisch-ungarische Sascha-Meßter-Film Gesellschaft m.b.H.“, die in den folgenden zwei Jahren die deutsche und österreichische Filmproduktion dominierte. Einer der erfolgreichsten Filme, der aus dieser Zusammenarbeit hervorging, war Die Trauerfeierlichkeiten für Weiland Sr. Majestät Kaiser Franz Joseph, von dem innerhalb dreier Tage 255 Kopien angefertigt und in alle Teile der Monarchie sowie ins Ausland expediert wurden.

Mit der Übernahme der Meßter-Film durch die 1917 für propagandistische Zwecke gegründete deutsche Universum Film AG, kurz UFA, kam dieselbe auch in den Besitz von Anteilen an der Sascha-Film, die ihrerseits nun mit dem Filmverleiher und –produzenten Philipp & Pressburger fusionierte und zur Sascha-Filmindustrie-AG umgewandelt wurde. 

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der Habsburgermonarchie, der auch für die österreichische Filmindustrie eine weitreichende Zäsur bedeutete, sorgte Kolowrat-Krakoswky für eine Neuausrichtung der Sascha-Film, die sich nun dem Dreh von Monumentalfilmen zuwandte. 1922 produzierte man mit dem dreistündigen Epos Sodom und Gomorrha „den aufwendigsten Film, der je in Österreich gedreht werden sollte.“ (Winkler, S. 15). Im selben Jahr entstand auch Samson und Delila mit Maria Corda in der Hauptrolle sowie 1924 der Film Die Sklavenkönigin, für den 5.000 Statisten zum Einsatz kamen. Unter der Regie von Mihail Kertesz – der 1942 unter dem Namen Michael Curtiz Casablanca produzieren sollte – verfilmte die Sascha-Film zudem 1923 Arthur Schnitzlers Der junge Medardus.

Im Gegensatz zum Großteil der österreichischen Filmfirmen, die aufgrund der krisenhaften Wirtschaftsentwicklung zwischen 1923 und 1925 ihre Betriebe stilllegen mussten, blieb die Sascha-Film weiterhin erfolgreich: Kolowrat-Krakowsky besetzte die Hauptrollen von Café Elektric (1927) mit den bisher beinahe unbekannten Jungschauspielern Willi Forst und Marlene Dietrich, verstarb aber kurz nach der Premiere nach längerer Krankheit.

Der Tod Kolowrat-Krakowskys und das Aufkommen des Tonfilms brachten das Unternehmen in schwere Turbulenzen, die 1930 in einem Ausgleich und zwei Jahre später in eine Übernahme durch die Pilzer-Gruppe mündeten; neuer Präsident wurde Oskar Pilzer. Mit dem 1933 erfolgten Einstieg der Tobis-Tonbild-Syndikat-AG wurde die bisherige Sascha-Film zur Tobis-Sascha-Filmindustrie AG, die als letzte Produktion einen Klassiker des sog. Wiener Films, Maskerade mit Hans Moser und Paula Wessely, in den neu erworbenen Rosenhügel-Studios fertigstellte.

Bedingt durch den wachsenden politischen Einfluss der Nationalsozialisten im Deutschen Reich gelang es dem „Nichtarier“ Oskar Pilzer nicht mehr, Geldtransfers der im Grunde solventen Tobis-Sascha-Filmindustrie AG zwischen Österreich und Deutschland durchzuführen. Nach langwierigen, aber vergeblichen Verhandlungen sah er sich gezwungen, seine Geschäftsanteile weit unter Wert an die Creditanstalt zu veräußern, die dieselben schließlich an die nationalsozialistische Cautio Treuhand weitergab. Auf Basis dieser Geschäftsanteile erfolgte 1938 die Neugründung der ehemaligen Sascha-Film als Wien-Film Ges.m.b.H., die fortan im Dienste des Nationalsozialismus stand.


Literatur

Robert von Dassanowsky, Austrian Cinema: A History, Jefferson (NC), New York 2005; Günter Krenn, Der bewegte Mensch – Sascha Kolowrat. In: Elektrische Schatten. Beiträge zur österreichischen Stummfilmgeschichte, Wien 1999, S. 37-46; Hannes Leidinger, Die Italienfront im österreichischen Film 1915-1918. In: Robert Kriechbaumer, Wolfgang Müller u. a. (Hg.), Politik und Militär im 19. und 20. Jahrhundert. Österreichische und europäische Aspekte. Festschrift für Manfried Rauchensteiner, Wien, Köln, Weimar 2017, S. 139-150; Gerhard Renner, Der Anschluss der österreichischen Filmindustrie seit 1934. In: Oliver Rathkolb u. a. (Hg.), Die veruntreute Wahrheit. Hitlers Propagandisten in Österreich 1938 (Schriftenreihe des Arbeitskreises für historische Kommunikationsforschung 1), Salzburg 1988, S. 1-34; Christian F. Winkler, Wien-Film. Träume aus Zelluloid. Die Wiege des österreichischen Films von Christian F. Winkler, Erfurt 2007; Friedrich Pruss von Zglinicki, Der Weg des Films. Die Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer, Berlin 1956.

Quellen und Dokumente

Das lebende Bild als Dokument und Werbemittel. In: Neues Wiener Tagblatt, 4.11.1917, S. 11; Alexander Kolowrat gestorben. In: Neues Wiener Journal, 5.12.1927, S. 2; Eine interessante Gründung in der österreichischen Filmindustrie. In: Neues Wiener Journal, 4.2.1922, S. 8; Der Sascha-Film „Die Sklavenkönigin“. In: Neues Wiener Journal, 1.11.1924,  S. 22; Die „Sascha“-Film-AG verkauft. In: Salzburger Chronik für Stadt und Land, 25.4.1930, S. 7; Der Ausgleich der Sascha-Film-Gesellschaft angenommen. In: Österreichische Film-Zeitung, 19.12.1931, S. 6; Verstärkte Produktionstätigkeit bei der Sascha. In: Österreichische Film-Zeitung, 22.8.1931, S. 1f; Aufnahmen der Sascha-Film über die Begräbnisfeierlichkeiten von Kaiser Franz Joseph I. am 30.11.1916 [Online verfügbar]; Wien im Krieg (1916) [Online verfügbar]; Wien filmt wieder [Online verfügbar]; Maskerade (1934) [Online verfügbar]

(MK)