geb. am 6.6.1863 in Wien – gest. am 5.6.1940 in Blois (Frankreich); Publizistin, Politikerin, Feministin

S. (geb. Eckstein) entstammte einer jüdischen großbürgerlichen Familie und engagierte sich seit 1894 im „Allgemeinen österreichischen Frauenverein“, einer radikalen bürgerlichen Frauenbewegung, die 1843 von Auguste Fickert gegründet worden war. Seit 1897 war S. Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und begann in der Arbeiter-Zeitung zu publizieren. Ihr gewerkschaftliches Engagement eröffnete ihr Einblicke in die Lebensumstände des Proletariats, deren Verbesserung sie u.a. durch angemessene Bildung als möglich erachtete. Während des ersten Weltkriegs schloss sie sich der pazifistischen Linksopposition um Friedrich Adler an.

S. wurde als eine der ersten Sozialdemokratinnen 1919 im österreichischen Parlament für die Konstituierende Nationalversammlung angelobt. Von 1920 bis 1923 fungierte sie als Nationalratsabgeordnete, von 1923 bis 1930 war sie im Bundesrat, wo sie sich in erster Linie für den Mutter- und Kinderschutz einsetzte. 1926 formulierte sie die frauenspezifischen Punkte des „Linzer Programms“ der SDAP, die sie bereits in Beiträgen für die Programmzeitschrift Der Kampf, die Arbeiterinnen-Zeitung bzw. deren Nachfolgeorgan Die Frau skizziert hatte. Ein zentrales Anliegen stellte hierbei die Gleichberechtigung im Sinne eines ganzheitlichen Konzepts dar, welches von pädagogisch-didaktischen Bildungsgrundlagen ausgehend über die Abschaffung diskriminierender Gesetze zur vollständigen politischen Gleichstellung von Mann und Frau führen sollte. Neben dieser bildungs- und frauenpolitischen Arbeit trat Schlesinger auch als Psychologin und Kritikerin hervor. Nachdem sich S. nach der Auflösung der SDAP 1934 aus der Politik zurückgezogen hatte, emigrierte sie 1939 nach Frankreich, wo sie ein Jahr später verstarb.


Werke

Die Frau im 19. Jahrhundert (1902); Was wollen die Frauen in der Politik? (1909); Die geistige Arbeiterin und der Sozialismus (1919); Wie will und wie soll das Proletariat seine Kinder erziehen? (1921); Die Frau im sozialdemokratischen Parteiprogramm (1928).

Quellen und Dokumente

Beiträge T. S.s: Der Sieg des Frauenwahlrechts. In: Arbeiter-Zeitung, 24.2.1919, S. 3, Familienrecht und Diktatur. In: Der Kampf, 1920, S. 133-136, Die Frau und die Revolution. In: Der Kampf, 1921; Die Frauen in der Republik. In: Arbeiterinnen-Zeitung, 2.10.1923, S. 2-3, Die Machtverschiebung zwischen den Geschlechtern. In: Arbeiter-Zeitung, 1.1.1925, S. 23f., Sozialismus und Erziehung. In: Die Frau, Nr. 4, 1.4.1925, S. 3, Psychologie der Geschlechter. In: Der Kampf, 1925, 225-230; Dostojewskis revolutionäre Sendung. In: Der Kampf, 1926, S. 126-129; Geburtenbeschränkung und Justiz. Ebd. S. 253-256, Zum Problem der Mutterschaft. In Der Kampf, 1927, 475-479; Zur Befreiung der Irren. In: Der Kampf 1928, 223-225, Jetzt erst recht: fort mit dem §144! In: Arbeiter-Zeitung, 7.1.1933, S. 2.

Literatur

Gabriella Hauch: Vom Frauenstandpunkt aus. Frauen im Parlament 1919-1933 (1995), 311-315; G. H.: Schlesinger, Therese. In: A Biographical Dictionary of Women’s Movements and Feminism (2006), 650-655; Eva Geber: Der Typus der kämpfenden Frau: Frauen schreiben über Frauen in der Arbeiterzeitung (2013) Franz Menges: Schlesinger, Therese. In: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 65 [Onlinefassung].

Therese Schlesinger bei univie.ac.at

(MA)