1910 in Wien von Absolventinnen der “Kunstschule für Frauen und Mädchen” wie Olga Brand-Krieghammer, Louise Fraenkel-Hahn und Helene Krauß gegründet, verfolgte die VBKÖ das Ziel, eine Plattform für österreichische Künstlerinnen zu schaffen, um ihnen Ausstellungsräumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und sie sowohl auf künstlerischer als auch ökonomischer Ebene unterstützen zu können. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass Frauen bis weit in die 1920er Jahre die ordentliche Mitgliedschaft in den männlich dominierten Künstlerbünden versagt war; lediglich der Hagenbund akzeptierte Frauen als außerordentliche bzw. korrespondierende Mitglieder, bot ihnen jedoch keine Möglichkeit, selbständig Ausstellungen zu organisieren. 

Quasi als Einstand organisierte die VBKÖ im Herbst ihres Gründungsjahres in der Wiener Secession die überaus erfolgreiche Ausstellung “Die Kunst der Frau”, die in knapp zwei Monaten rund 12.000 Besucher anlockte und in deren Verlauf zahlreiche Werke verkauft und ein beträchtlicher Erlös erzielt werden konnte. Gezeigt wurde Kunst aus vergangenen Jahrhunderten (z. B. von Rachel Ruysch, Rosalba Carriera und Angelika Kauffmann) ebenso wie Zeitgenössisches (u. a. von Berthe Morisot, Eva Gonzalez und Käthe Kollwitz). Zu diesem Zweck waren bereits im Sommer führende Mitglieder der Vereinigung, darunter auch die Präsidentin Brand-Krieghammer, durch ganz Europa gereist, um Werke aus bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen für die Schau zusammenzutragen. Als von Beginn an hilfreich für die Tätigkeit erwies sich die Tatsache, dass die VBKÖ eine bedeutende Zahl adeliger bzw. aus einflussreichen Familien des Großbürgertums stammender Mitglieder hatte; auf diese Weise konnte man rasch die Unterstützung der Hocharistokratie gewinnen, so u. a. von Erzherzog Rainer, der als Schirmherr für die erste Ausstellung fungierte und 6.000 Kronen aus den Mitteln des Ministeriums für Kultur und Unterricht zur Verfügung stellen ließ.

Im Herbst 1911 folgte eine Schau im Hagenbund, in deren Rahmen unter anderem zeitgenössische Werke ungarischer und französischer Künstlerinnen gezeigt wurden. 

Nach dem Bezug der eigenen Räumlichkeiten im ersten Bezirk, Maysedergasse 2 (Hotel Astoria), wurde 1912 die Vereinigung schwedischer Künstlerinnen eingeladen, ihr Schaffen zu präsentieren. Durch dieses Engagement gerade in den Anfangsjahren gelang es der VBKÖ, mehr und mehr zum Sammelpunkt für professionell ausgebildete Künstlerinnen und – mit stetig wachsender Mitgliederzahl – zu einer fixen Größe im Kulturbetrieb der Stadt Wien zu werden. 1913 trat die Vereinigung dem Bund österreichischer Frauenvereine bei.

Da der Erste Weltkrieg empfindliche Einschränkungen des Ausstellungsbetriebes mit sich brachte, stellte die VBKÖ ihre Räumlichkeiten in dieser Zeit vorwiegend für Wohltätigkeitsveranstaltungen zur Verfügung. Zur selben Zeit traten aber nach und nach erste künstlerische Differenzen der Mitglieder auf, die sich auch um die Frage drehten, ob man “Frauenkunst” künftig in klarer Abgrenzung zu männlicher Kunst positionieren oder vielmehr als integralen Bestandteil des gesamten Kunstschaffens – und damit jenseits geschlechtsspezifischer Grenzen – begreifen sollte. Die Kontroverse trug dazu bei, die VBKÖ, seit 1923 unter der Präsidentschaft von Luise Fraenkel-Hahn,  zu spalten: einerseits in einen konservativen Flügel rund um Helene Krauß und andererseits in einen progressiven, der Avantgarde und dem Expressionismus zugewandten Flügel, der sich um Fanny Harlfinger-Zackucka formierte und von dem sich Teile schließlich 1919 unter der Bezeichnung “Freie Vereinigung” von der VBKÖ lossagten. Dennoch blieb während der 1920er Jahre innerhalb der VBKÖ eine deutliche Lagerbildung zwischen den divergierenden künstlerischen Auffassungen bzw. einer konservativen und einer modernen Fraktion bestehen, die auch Kritikern wie dem Kunsthistoriker Hans Ankwicz-Kleehoven auffiel (WZ, 26.11.1923). 1926 kam es darum unter der Bezeichung “Wiener Frauenkunst” zu einer zweiten Abspaltung von der VBKÖ, der nun Künstlerinnen der inzwischen aufgelösten “Freien Vereinigung” sowie der “Wiener Werkstätte” beitraten.

Anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens und der Tagung des internationalen Frauenkongresses in Wien organisierte die VBKÖ 1930 im Hagenbund eine retrospektive Ausstellung zum Thema Zwei Jahrhunderte Kunst der Frau in Österreich, der von der Kritik u. a. als “stattliches Dokument weiblicher Schaffenskraft” (WZ, 4.6.1930, 6) eingeordnet wurde. Sie zeige, dass “an ernsten Begabungen und starken Temperamenten […] kein Mangel” (SVB, 21.6.1930, 25) herrsche. Die Schau enthielt neben Graphiken aus verschiedenen Epochen (z. B. von Luise Thürheim, Angelika Kauffmann, Olga Wisinger-Florian Tina Blau-Lang) auch Plastiken und kunstgewerbliche Arbeiten von vorwiegend nationalen Künstlerinnen.

Zu den emanzipatorischen Errungenschaften der VBKÖ zählen diverse Preisverleihungen an Künstlerinnen, die Besetzung von Jurien mit weiblichen Mitgliedern sowie besonders der erfolgreiche Einsatz für den Zugang zur Akademie bildender Künste Wien auch für Frauen.

Im Gefolge der politischen Ereignisse des Jahres 1938 wurde der VBKÖ umbenannt in “Künstlerverband Wiener Frauen”.

Quellen und Dokumente

Gründung der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs. In: Der Bund. Zentralblatt des Bundes österreichischer Frauenvereine, Heft 4 (1910), 19; Die Kunst der Frau. In: Prager Tagblatt, 2.12.1910, 1; Adalbert Franz Seligmann, Sezession. In: NFP, 5.11.1910, 12; Ausstellung der VBKÖ im Hagenbund. In: Sport und Salon, 16.9.1911, 10; Zweite Ausstellung der VBKÖ. In: AZ, 1.10.1911, 11; Die Frau in der bildenden Kunst. Ausstellung im Künsterhaus. In: Österreichische Illustrierte Zeitung, 1.2.1920, 11f; Jahresausstellung der VBKÖ im Künstlerhaus. In: WZ, 20.3.1921, 5; Hans Ankwicz-Kleehoven, Frauenkunst. In: WZ, 26.11.1923, 1f; Eröffnung der 13. Jahresausstellung der VBKÖ. In: Reichspost, 1.2.1926, 3; 15. Jahresaussstellung der VBKÖ im Burggarten. In: NFP, 1.10.1929, 13; Else Hoffmann, Jubiläumsausstellung der VBKÖ. In: Die Österreicherin, Nr. 6 (1930), 6f;Zwei Jahrhunderte Kunst der Frau in Österreich. In: WZ, 4.6.1930, 6; Frauenkunst. In: Salzburger Volksblatt, 21.6.1930, 25; Ausstellung im Hagenbund der VBKÖ. In: WZ, 11.10.1932, 5Website der VBKÖ

Literatur

Megan Marie Brandow-Faller, An Art of their own. Reinventing Frauenkunst in the female Academies and Artist Leagues of late-imperial and First Republic Austria, 1900-1930, Diss., Universität Washington 2010.[Online verfügbar]; Julie Marie Johnson: Schminke und Frauenkunst. Konstruktionen weiblicher Ästhetik um die Ausstellung „Die Kunst der Frau“, 1910. In: Lisa Fischer, Emil Brix (Hg.), Die Frauen der Wiener Moderne, München 1997, 167–178; Rudolfine Lackner (Hg.):,100 Jahre/Years VBKÖ Festschrift, Wien 2011; Eintrag bei fraueninbewegung.onb.ac.at;

(MK)