geb. am 25.2.1893 in Bregenz – gest. am 19.4.1939 in Bregenz; Maler, Zeichner

W., Sohn eines aus Tirol stammenden Baumeisters und einer Bregenzerin, erfuhr seine Ausbildung zum Maler nach dem Besuch der Fachschule für gewerbliches Zeichnen in Bregenz zunächst in einer privaten Malschule in Wien, anschließend bei Albin Egger-Lienz, dem er 1911 nach Weimar folgte, als jener eine Professur ebd. erhielt. 1914 einberufen geriet er 1915 in russische Kriegsgefangenschaft u. verbrachte fünf Jahre in Sibirien. Diese Kriegs- und Sibirienerfahrung hat ihn nachhaltig erschüttert, wie Tagebucheintragungen und in Russland angefertigte Zeichnungen belegen. Nach seiner Freilassung war Berlin die erste Station, wo sich W. im Umfeld des Expressionismus, insbes. im Kreis von Ernst Heckel, zu verankern versuchte. 1922 Heirat mit Ilse Moebius, die, im Kunstgewerbe tätig, ihn unterstützt u. ihm oft Modell steht. Aufenthalte bei Verwandten in Reutte, wo sich 1922 auch die DADA-Gruppe rund um Hans Arp, Tristan Tzara u.a. versammelte, motivierten ihn zu Landschaftsstudien. 1923 veröffentlicht Wacker Direktiven für eine Kunst, worin er seine Abkehr vom Expressionismus und Hinwendung zu einer im Ansatz neusachlichen Malerei beschreibt. Im selben Jahr erlebte er seine erste Ausstellung am Vorarlberger Landesmuseum und übersiedelt mit seiner Frau von Berlin nach Bregenz. Die folgenden Jahre waren finanziell angespannt; trotz Resonanz und einzelner Ankäufe, meist von Stilleben oder Porträts, blieb die Anerkennung weit unter seinen Erwartungen. 1926 gründete er gemeins. mit anderen Künstlern aus der Region die Gruppe Der Kreis, 1927 wird W. auf der Ausstellung der Kreis-Gruppe in Schaffhausen schon als „ganz auf dem Boden der neuen Sachlichkeit“ wahrgenommen (BrTbl.,16.2.1927). Im selben Jahr stellt er gemeins. mit Tiroler Künstlern erstmals in der Sezession in Wien aus; in der Zs. Pflug der Urania erscheint im Juli 1927 ein erster Beitrag über ihn. W., „viel befeindet“ in der lokalen Presse, war auf nahezu allen Kreis-Ausstellungen vertreten, so z.B. 1929 in St. Gallen, Konstanz und Stuttgart, auf letzter mit Puppe mit Flasche, die wegen ihrer „fast fotografisch anmutende[n] Gegenständlichkeit“ Aufsehen erregte. Bereits Mitte-Ende der 1920er Jahre galt R.W. neben H: Ploberger, F. Sedlacek und W. Thöny als einer der repräsentativen Vertreter der Neuen Sachlichkeit Österreichs. 1931 wurde er erstmals in den Vorstand des Zentralverband[es] bildender Künstler Österreichs gewählt, in dem er bis 1938 verblieb. Anlässlich der Landesausstellung 1932 in Bregenz werden W.s. Stilleben als „unerhört Neues“ klassifiziert u. seine Selbstporträts erstmals gewürdigt; ihnen ist jene zur Ausstellung in Wien 1934 zur Seite zu stellen. Neben seinem technischen Können wird eine „außerordentliche Eindringlichkeit“ herausgestrichen. 1934 stellt W. auch auf der Biennale in Venedig aus, 1935 in der Neuen Galerie in Wien. Seit Anfang der 1930er Jahre engagiert er sich gegen den aufziehenden Nationalsozialismus u. warnt, auch über Teilnahme an Friedenskundgebungen, vor kommender Kriegsgefahr. W. wird daher 1938 von den Nationalsozialisten überwacht u. erleidet im Zuge einer Hausdurchsuchung im April 1939 einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er verstirbt.


Quellen und Dokumente

B.: Der „Kreis“ (Maler und Bildhauer am Bodensee). In: Vorarlberger Landes-Zeitung, 6.8.1926, S. 1, Josef Krasser: Vorarlbergisches Kunstschaffen. In: Reichspost, 14.4.1929, S. 21, Josef F. R. Naumann: Die 3. Ausstellung der Vorarlberger Kunstgemeinde. In: Vorarlberger Landes-Zeitung, 11.8.1932, S. 4, Herbert Stifter: Alpenländische Künstler im Wiener Glaspalast. In: Salzburger Volksblatt, 23.4.1934, S. 5, H. S.: Alpenländische Graphiker in Wien. In: Salzburger Volksblatt, 1.7.1935, S. 5.

(Teil-)Nachlass: Vorarlberger Landesbibliothek.

Literatur

R. Wacker: Tagebücher 1913-1939. Hg. von R. Sagmeister, Bd.1,2 (1990); R. Wacker und Zeitgenossen. Expressionismus und Neue Sachlichkeit. Hg. von R. Sagmeister (1993)

Porträt von Künstler R. W. Vorarlberg heute, 16.10.1999 [online verfügbar].

Sighard Wacker: R. W. in Reutte 1921 und 1925. Manuskript [online verfügbar].

(PHK)