Einträge von litkultadmin

Ludwig Ullmann: Heinrich Eduard Jacob und sein Roman Blut und Zelloluid (1929)

Sie ist, diese seltsame Erzählung, genau genommen, die Farce eines Dichters, eine Groteske, die mit Herz geschrieben ist und erschütternd sein könnte, wenn sie nicht so klug, so zurückhaltend, so durch und durch überlegt und überlegen, so zart und schlau und leicht schwebend im Ton wäre. Der Dichter Heinrich Eduard Jacob ist ein Paneuropäer nicht […]

Ludwig Ullmann: Bekenntnis zur Dreigroschenoper. Und zu ihrer Wiener Premiere im Raimundtheater.

Es hilft nichts: Diese ungebärdig trampelnden Songs haften im Ohr. Sie dröhnen und hämmern und dampfen von der ewigen Romantik der Spelunken. Süß leuchtet der Mond über Soho, Londons Verbrecherviertel von dazumals. DieParodie hat ihr Pathos. Den Schattenglanz der Abgründe des Daseins. Die Lyrik der Schaubude, ihre wächserne Pracht, ihre schreiende Buntheit, die Melancholie hin­kender […]

Paul Wertheimer: Alfons Petzold. Dichter der Armut.

Es gibt ein schmerzlich schönes, heute wohl längst ver­klungenes Lied Ada Christens, der alten österreichischen Dichterin, das, vorausahnend, klagend und anklagend zugleich, am Eingang dieser neuen Zeit und der neuen Dichtung in Österreich steht. Nur ein kleine graues Lied, doch der Schrei aus der Tiefe des Lebens, dieser „stählerne Schrei“, wie Alfons Petzold gesagt hätte, […]

Dora Stockert-Meynert: „Der Bruder Sonka und die allgemeine Sache oder das Wort gegen die Ordnung.“

Dora Stockert-Meynert: „Der Bruder Sonka und die allgemeine Sache oder das Wort gegen die Ordnung.“ (1930)                 „Den Zukünftigen, die wir alle lieben: den Söhnen – meinen Brüdern“ sind diese ergreifenden Gedichte in Vers- und Prosa gewidmet, und der sie schrieb, nennt sich: „Narr und Niemand: Sonka. Doch Erde, die den Niemand kennt, des Narren […]

Therese Schlesinger: Die Frauen und der Krieg.

Es hilft nichts, sich darüber täuschen zu wollen: 1914 hat in allen kriegführenden Ländern der mütterliche Instinkt versagt. Millionen Mütter haben es schweigend geduldet, wenn sie nicht jubelnd zugestimmt haben, daß man ihre Söhne, oft noch halbe Kinder, zur Schlachtbank geschleppt hat. Man wird vielleicht einwenden, daß sie es ja nicht hätten zu verhindern vermocht. […]

Paul Stefan: Musik und Maschine

Es ist in diesen Blättern berichtet wor­den, daß zum erstenmal auf dem Musikfest in Donaueschingen Musik auf mechanischen Instrumenten pro­grammgemäß vorgeführt wurde. Pro­grammgemäß: die Veranstalter taten es mit dem vollen Bewußtsein, an ein Problem zu rühren und dieses Problem zur Diskussion zu stellen. Die Diskussion ist denn auch aufgenommen worden, ja man möchte fast sagen, […]

Julian Sternberg: Walter Angel: Der Meister.

Roman (Verlag August Scherl, Berlin) Mit einem sympathisch anmutenden, trotzigen Selbstgefühl scheut der begabte Erzähler weder in der Problem­stellung noch auch in der Titelwahl vor dem naheliegenden Vor­wurf zurück, Wege zu wandeln, die der Fuß vieler, beinahe allzuvieler breitgetreten hat. Die Zeit, in der die Künstlerromane mit befremdender Ausschließlichkeit überwucherten, in der es beinahe keine […]

Grete Urbanitzky: Neue Lyrik.

            Einem fast vergessenen Lyriker, Johann Georg Fischer (1816-1897), widmet Ernst Lissauer eine tiefschürfende Studie in seiner Einbegleitung zu dessen von ihm im Verlage Cotta, Stuttgart, neu herausgegebenen Gedichten. (…) Lissauer hat sich mit der sorgfältigen Auswahl der Sammlung ein großes literarisches Verdienst erworben, denn ebenso wie seine Betrachtung zum Eingang des Buches nicht vom […]

E.H.R[ainalter]: Neue Jugend

E.H.R[ainalter]: Neue Jugend (1926) Klaus Mann und Pamela Wedekind. — Im Raimund­theater. Man hat ein Problem Klaus Mann konstruiert, und in der Tat: die Söhne großer Väter bleiben stets problematisch. Da dieser junge Dichter am Vorlesetisch sitzt, blond, mit einer stark vorspringenden Nase, mit etwas hervortretenden Backen­knochen, die ganze Erscheinung beherrscht von norddeutschem Ernst, erkennt […]

Erwin Rolett: W.U.R.

(Utopistisches Kollektivdrama von Karel Capek – Erstaufführung an der Neuen Wiener Bühne am 10. Oktober 1923) Es ist eine beliebte, oft wiederholte These der Literaturgeschichte, daß der politische Aufschwung eines Volkes einen literarischen nach sich zieht. So vieI auch im genießenden Menschen sich dagegen auflehnen mag, das klassische französische Drama mit dem Sonnenkönig, Goethe und […]