Entries by litkultadmin

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Fred Heller: Wiener Spiegelbilder. Nachttänze (1922)

Fred Heller: Wiener Spiegelbilder. Nachttänze             Ein Uhr nachts. Alle Gaststätten sind geschlossen, die letzten Schlaflosen wandern nach Hause. Ein junger Mann darunter, Bankbeamter – natürlich, was sollte er denn sonst sein, möchte man sagen -, vom Familienkonzert im Café nicht allein befriedigt. Aber um ein Ihr nachts ist auch das Abenteuer bereits schlafen gegangen, […]

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Ludwig Hirschfeld: Das Wiener Leben ein Fiebertraum. Eine Influenzaphantasie (1921)

Ludwig Hirschfeld: Das Wiener Leben ein Fiebertraum. Eine Influenzaphantasie             Ab und zu ein bißchen krank sein, das ist heute der Gesundheit sehr zuträglich. Miserabel fühlt man sich jetzt doch nur, solange man gesund ist, seinen Mitmenschen, den behördlichen Einfällen, dem Telephon, den Preisen und Tagesereignissen hilflos ausgeliefert. Im Moment, wo man sich aus diesem […]

Klara Mautner: Bildergalerie der Straße (1921)

Klara Mautner: Bildergalerie der Straße Man spricht sehr viel von Wiener Plakatkunst. Nicht jedem ist es gegeben, die künstlerischen und technischen Werte würdigen zu können, die sie bietet. Aber jeder Mensch mit klarem Blick und gesundem Urteil ist imstande, den moralischen Qualitäten der Plakate, die jetzt unsere Straßen säumen, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Man hastet […]

Klara Mautner: Die den Hungertod sterben. Ein Blick in ein Elendsheim (1921)

Klara Mautner: Die den Hungertod sterben. Ein Blick in ein Elendsheim             In einem Kaffeehaus am Schottenring hat gestern ein Börsenbesucher im Ecartéspiel in der Zeit von sieben bis neun Uhr abends 700.000 Kronen verloren. Sein Nachbar hat im Laufe der letzten acht Tage an Julisüd-Aktien etwa zwei Millionen Kronen eingebüßt. Der dritte Partner, der […]

Fred Heller: Die Straße der Räusche. Ein Wiener Bild (1921)

Fred Heller: Die Straße der Räusche. Ein Wiener Bild             Ein sagenhafter Weinkenner soll einmal behauptet haben, der richtige Weintrinker müsse die Sorte nicht nur im Glase und auf der Zunge erkennen, sondern auch an dem Rausch, den sie ihren Verehrern beigebracht hat. Leider ist uns kein Handlexikon der Räusche übermittelt, die interessante Systematik der […]

Klara Mautner: Beim Wäscheflicken (1921)

 Klara Mautner: Beim Wäscheflicken Offen gesagt, habe ich niemals zu jenen Patenthausfrauen gehört, die nach einem einzigen Blick auf ein schadhaftes Taschentuch mit unfehlbarer Sicherheit sagen konnten, ob Stopfwolle 120 oder 116t/s das richtige Heilmittel sei und die beim Einsetzen von Flecken „Fäden zogen“, um die Naht nur ja gerade herauszubringen. Aber wenn mir auch […]

Max Winter: Fremdenführung (1921)

Max Winter: Fremdenführung             Das Ausland wird nicht müde, Wiens Elendsbilder zu schauen. Woche um Woche neue Gäste, die meist aus ernster sozialer Anteilnahme heraus oder wenigstens beseelt von Mitleid und Hilfswillen kommen, um sich durch Augenschein zu überzeugen, wie es bei uns geht oder daß es oft schon nicht mehr geht. Aerzte, Politiker, Schriftsteller, […]

Ludwig Hirschfeld: 10 Uhr vorbei. Zwei Kapitel aus einem Haustorschlüsselroman (1921)

Ludwig Hirschfeld: 10 Uhr vorbei. Zwei Kapitel aus einem Haustorschlüsselroman Erstes Kapitel.             Es war im Jahre 1911, an einem jener milden Wiener Herbstabende, die meistens so unangenehm naßkalt sind. […] Vorletztes Kapitel.             Seitdem waren zehn Jahre vergangen. Eine neue Zeitrechnung hatte begonnen, bei der niemand auf seine Rechnung kam. Auch das große Zinshaus […]

Max Winter: Es gibt keine Not mehr in Wien (1920)

Max Winter: Es gibt keine Not mehr in Wien             So oft man jetzt mit Ausländern in Berührung kommt, äußern sie die allerstärksten Zweifel darüber, daß die Not in Wien noch eine solche wäre, daß wir ihrer nicht aus eigener Kraft Herr werden könnten. „Es gibt keine Not mehr in Wien,“ kann man immer wieder […]

Ellinor Tordis: Bewegungschöre (1929)

Ellinor Tordis: Bewegungschöre              Man hat im zwanzigsten Jahrhundert nicht nur das Radio und unerhörte Möglichkeiten der Technik, man hat vor allem den menschlichen Körper entdeckt, den menschlichen Körper als kostbarstes Gut der Masse. Lange Zeit war der Körper etwas Verbotenes, etwas, das zu verhüllen und zu mißachten Sitte und Sittlichkeit forderten; erst die Renaissance […]