Entries by litkultadmin

Arnolt Bronnen über den Autor (1928)

Arnolt Bronnen über den Autor Aus: Das Theater der Gegenwart (Aus Gesprächen mit Arnolt Bronnen, Bert Brecht und Hans J. Rehfisch)              *GF. „Zum erstenmal seit zweitausend Jahren ergibt sich die Tatsache, daß dem Autor heute die ausschlaggebende Bedeutung am Theater fehlt. Selbstverständlich wird die Rolle des Autors immer die ursprüngliche sein und bleiben; denn […]

Fritz Rosenfeld: Der visuelle Mensch (1926)

Fritz Rosenfeld: Der visuelle Mensch             Die Verbindung des Individuums mit der Umwelt, des einzelnen mit der Gesamtheit, stellen der Gehör- und der Gesichtssinn her, die an Bedeutung die anderen Sinne bei weitem überflügeln. Schon von Natur aus sind diese zwei Sinne nicht bei allen Menschen gleich stark ausgebildet; bei dem einen, dem visuellen Typus; […]

Ernst Fischer: Theater und Technik (1929)

Ernst Fischer: Theater und Technik             Es wird im Allgemeinen zu viel von den geistigen, zu wenig von den technischen Bedingungen des Dramas gesprochen. Gewiß: das Drama fordert geistige Haltung, fordert ein Weltgefühl voll Spannung und Konzentration, fordert den Schicksalsglauben in irgendeiner Form; wer in allen Ereignissen nur den Zufall sieht, wer das Leben in […]

Joseph Eberle: Zum 12. November – Umsturzerinnerung (1925)

Joseph Eberle: Zum 12. November – Umsturzerinnerung Wer heute geschichtliche Erinnerung pflegt, auf Ereignisse der Vergangenheit zurückblickt und über sie nachdenkt, kommt bei den Modemenschen nicht gut an. „Laßt die Toten ihre Toten begraben“, wird ihm ins Gesicht gedonnert. Das Bild von Lots Weib, das nach dem brennenden Sodom zurückschaute und zur Salzsäure erstarrte, wird […]

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Fred Heller: Wiener Spiegelbilder. Nachttänze (1922)

Fred Heller: Wiener Spiegelbilder. Nachttänze             Ein Uhr nachts. Alle Gaststätten sind geschlossen, die letzten Schlaflosen wandern nach Hause. Ein junger Mann darunter, Bankbeamter – natürlich, was sollte er denn sonst sein, möchte man sagen -, vom Familienkonzert im Café nicht allein befriedigt. Aber um ein Ihr nachts ist auch das Abenteuer bereits schlafen gegangen, […]

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Ludwig Hirschfeld: Das Wiener Leben ein Fiebertraum. Eine Influenzaphantasie (1921)

Ludwig Hirschfeld: Das Wiener Leben ein Fiebertraum. Eine Influenzaphantasie             Ab und zu ein bißchen krank sein, das ist heute der Gesundheit sehr zuträglich. Miserabel fühlt man sich jetzt doch nur, solange man gesund ist, seinen Mitmenschen, den behördlichen Einfällen, dem Telephon, den Preisen und Tagesereignissen hilflos ausgeliefert. Im Moment, wo man sich aus diesem […]

Klara Mautner: Bildergalerie der Straße (1921)

Klara Mautner: Bildergalerie der Straße Man spricht sehr viel von Wiener Plakatkunst. Nicht jedem ist es gegeben, die künstlerischen und technischen Werte würdigen zu können, die sie bietet. Aber jeder Mensch mit klarem Blick und gesundem Urteil ist imstande, den moralischen Qualitäten der Plakate, die jetzt unsere Straßen säumen, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Man hastet […]

Klara Mautner: Die den Hungertod sterben. Ein Blick in ein Elendsheim (1921)

Klara Mautner: Die den Hungertod sterben. Ein Blick in ein Elendsheim             In einem Kaffeehaus am Schottenring hat gestern ein Börsenbesucher im Ecartéspiel in der Zeit von sieben bis neun Uhr abends 700.000 Kronen verloren. Sein Nachbar hat im Laufe der letzten acht Tage an Julisüd-Aktien etwa zwei Millionen Kronen eingebüßt. Der dritte Partner, der […]

Fred Heller: Die Straße der Räusche. Ein Wiener Bild (1921)

Fred Heller: Die Straße der Räusche. Ein Wiener Bild             Ein sagenhafter Weinkenner soll einmal behauptet haben, der richtige Weintrinker müsse die Sorte nicht nur im Glase und auf der Zunge erkennen, sondern auch an dem Rausch, den sie ihren Verehrern beigebracht hat. Leider ist uns kein Handlexikon der Räusche übermittelt, die interessante Systematik der […]

Klara Mautner: Beim Wäscheflicken (1921)

 Klara Mautner: Beim Wäscheflicken Offen gesagt, habe ich niemals zu jenen Patenthausfrauen gehört, die nach einem einzigen Blick auf ein schadhaftes Taschentuch mit unfehlbarer Sicherheit sagen konnten, ob Stopfwolle 120 oder 116t/s das richtige Heilmittel sei und die beim Einsetzen von Flecken „Fäden zogen“, um die Naht nur ja gerade herauszubringen. Aber wenn mir auch […]