eigentlich Lajos Barta bzw. germanisiert Ludwig Barta, geb. 1907 in Kassa/Košice – gest. 1996 in Budapest; Schriftsteller

Ps.: Balla Béla

B. entstammte einer Schriftstellerfamilie. Das Stück Die Stunde Rußlands seines Vaters Lajos Barta sen., das Erwin Piscator 1920 in Berlin aufführen ließ, bildete eines der ersten Zeugnisse eines Agitationstheaters in der jungen Weimarer Republik, seine Mutter Maria Szucsich veröffentlichte mit Herymnia Zur Mühlen und Eugen Lewin-Dorsch zusammen die Sammlung Die Märchen der Armen im Malik-Verlag. Die Familie flüchtete 1919 nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik wie andere Vertreter der ungarischen Elite, darunter Béla illes, Sándor Barta, Andor Gábor, Georg Lukács und Lajos Kossák, nach Wien. Dort publizierte B. zunächst unter seinem eingedeutschten bürgerlichen Namen Ludwig Barta in der Arbeiter-Zeitung ab 1926 mehrere Erzählungen, auch nach seinem Beitritt zur KPÖ im Jahr 1929. 1930 schloss er sich dem neugegründeten Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs an und veröffentlichte Arbeiten nunmehr in der Roten Fahne und der Illustrierten Roten Woche. Von 23. Juni bis zum Verbot des Blattes am 22. Juli 1933 erschien der von Elendsquartieren und enttäuschen Wohnbauträumen handelnde Roman Der Weg in die Zukunft in der Roten Fahne; er musste daher mit der 25. Folge abgebrochen werden. 1935 emigrierte B. in die Tschechoslowakei, 1938 nach England, wo er dem kommunistisch ausgerichteten  Austria Centre als Teil des Free Austrian Movement angehörte. Im selben Jahr veröffentlichte er in der Moskauer Exilzeitschrift Das Wort die Erzählung Februar, die inkonsequentes Vorgehen der Sozialdemokratie für das Schlittern Österreichs in die Februarkämpfe 1934 und den aufkommenden Austrofaschismus verantwortlich macht. In dieser Zeit entstand auch das Stück Der Führer, das als einziges abendfüllendes Theaterstück in der Tradition der proletarisch-revolutionären Literatur in Österreich gilt. Nachdem eine Aufführung 1938 in Österreich undenkbar war, scheiterte eine Realisierung auch im britischen Exil mehrfach. Das Unity Theatre des Worker’s Theatre Movement lehnte es als zu wenig revolutionär ab. Es blieb wie der vollständige Roman Weg in die Zukunft auch nach 1945 unveröffentlicht.


Quellen und Dokumente

Ballade. In: Arbeiter-Zeitung, 31.1.1926, S. 17, Leuchten über den Feldern. In: Arbeiter-Zeitung, 24.1.1929, S. 3f., Männer im Schnee. In: AZ, 26.2.1930, S. 7, Die Tänzerin. In: AZ, 3.8.1930, S. 13, Einer von den 5000. In: Die Rote Fahne, 20.9.1931, S. 9, „Meine Herren Gendarmen…“ In: Die Rote Fahne, 20.12.1931, S. 3, Kommt so der Sozialismus? In: Die Rote Fahne, 1.1.1932, S. 7, Der Weg in die Zukunft. In: Die Rote Fahne, 23.6.1933, S. 6, Februar (1934). In: Das Wort (Moskau), 2.2.1938. Neuerlich in: Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hrsg.): Im Kältefieber. Februargeschichten, 86-90 (2014).

Literatur

Gerald Musger: Der „Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs“. Eine Dokumentation. Diss., 83ff (1977), Wolfgang Gastager: Literatur als Waffe gegen den Klassenfeind. 2 Bde. Dipl.-Arb., 218-220 (1995).

(ME)