geb. am 13.7.1885 in Magdeburg – gest. am 22.8.1948 in Berlin; Architekt, Architekturtheoretiker, Publizist

Nach dem Architekturstudium u. der Promotion bei Adolph Goldschmidt stieß B. früh zum Deutschen Werkbund (gegr. 1907 in München, dem auch Adolf Loos angehörte) u. entwickelte Interessen für neue Formen des Bauens, einschließl. avantgardistischer Konzepte, die er im Umfeld des Blauen Reiters (W. Kandinsky, F. Marc, A. Macke) um 1912-13 kennenlernte. 1918 wurde er Mitbegr. des Arbeitsrates für Kunst in Berlin, dem auch Walter Gropius und Bruno Taut angehörten und der somit zu einem Impulsgeber für die Bauhaus-Bewegung wurde. In Österreich wurde zuerst die MA-Redaktion auf ihn aufmerksam, die bereits 1918 seinen Essay Zur neuen Kunst (ED in der Reihe Sturm-Bücher, Bd. VIII, 1917) auf ungar. ankündigte. Schon 1919 veröff. er bei K. Wolff den Bd. Die Wiederkehr der Kunst. 1922 wiesen sowohl der Grazer Arbeiterwille als auch das NWJ auf einen Beitrag Behnes in den Sozialistischen Monatsheften hin, in dem er sich mit revolut. typographischen Veränderungen  des italien. Futurismus, insbes. einschläg. Projekten von F. T. Marinetti befasste. 1923 erschien in H. 5 der avantgard. Zs. MA sein programm. Beitrag Architektur. 1925 besprach L. Lania sein Heinrich Zille-Buch in der AZ, 1926 schien B. als Unterzeichner mehrerer Petitionen, die in der Wiener Roten Fahne publik gemacht wurden, auf, u.a. gegen Inhaftierungen von Intellektuellen und Künstler aus dem Umfeld der verbotenen ungar. Sozialistischen Arbeiterpartei, oder, gem. mit A. Holitscher, A. Kerr, B. Kellermann, E. Piscator u.a., gegen den weißen Terror in Bulgarien (RF,16.10. 1926). Im selben Jahr wurde sein Konzept vom ‚Modernen Zweckbau‘ in der Wiener Zs. Bau- und Werkkunst lobend vorgestellt.

Seit 1928 war Behne auch in deutschen Radiosendern (Frankfurt, Königsberg u.a.) oft durch Vorträge vertreten. Seine Schrift Eine Stunde Architektur führte zu kontroversen Reaktionen in Österreich, wo die Reichspost seine „reine Sachlichkeit“ verwarf, die Bildungsarbeit diese hingegen als richtungsweisend hervorhob. Durchwegs freundlich wurde dagegen seine Schrift über die Wochenendgestaltung 1931-32 aufgenommen. Der exponiert linksliberale Architekturkritiker verlor zwar 1933 seine Anstellung an der Berliner Universität, auch sein Buch Der Sieg der Farben (1934) wurde verboten. Doch aufgr. von Konzessionen, z.B. im Umfeld der Olymp. Spiele in Berlin 1936, konnte er recht unbehelligt die NS-Zeit überstehen u. unverfängliche Kunst-Stilbücher verfassen, um 1945 wieder prononciert gegen den NS Stellung zu beziehen, v.a. in seiner letzten Schrift Entartete Kunst – eine Hitlerlüge (1947).


Weitere Werke

Die Überfahrt am Schreckenstein (1924); Wochenende und was man dazu braucht (1931), Adolf Behne. Essays zu seiner Kunst- und Architekturkritik, Hg. Magdalena Bushart (2000).

Quellen und Dokumente

Architektur. In: MA 8 (1923), H. 5, S. 8, Leo Lania: Dichter für das revolutionäre Proletariat. In: Arbeiter-Zeitung, 20.4.1925, S. 5, Hartwig Fischel: Neue Kunst- und Fachliteratur. In: Bau- und Werkkunst (1926), S. 70f., A. M.: A. B. Von Kunst und Gestaltung. In: Bildungsarbeit XIII (1926), Nr. 3, S. 58,

Literatur

Frederic J. Schwartz: Form Follows Fetish: Adolf Behne and the Problem of Sachlichkeit. In: Oxford Art Journal 21(2) 1998: 45-77; Kai Konstanty Gutschow: The culture of criticism: Adolf Behne and the development of modern architecture in Germany, 1910-1914. Ph.D., Columbia University 2005 [online verfügbar].

(PHK)