geb. 2.10.1893 in Breslau/Wroclaw – gest. 15.6.1949 in New York; Hochschullehrer, Mathematiker, Kunstkritiker, Journalist, Dozent

Als Sohn des Universitätsprofessors für Anatomie und Embryologie, Gustav Born, und dessen Ehefrau Bertha in Breslau/Wrocław (heute Polen) geboren, entstammte B. einer großbürgerlichen, assimilierten deutsch-jüdischen Familie. Sein Halbbruder (der ersten Ehe des Vaters entstammend) war der bekannte Physiker und Nobelpreisträger Max Born. Nach der Absolvierung des König-Wilhelm-Gymnasiums in seiner Heimatstadt trat B. 1914 als Kriegsfreiwilliger in das deutsche Heer ein, wo er bis 1918 bis Dezember 1918 als Rettungssanitäter diente. Nach dem Krieg heiratete er, besuchte die Akademie für bildende Kunst in Weimar und studierte Malererei bei Édouard Vuillard.

Obwohl ab 1919 an der Universität München inskribiert, arbeitete B. vor allem als Maler und Graphiker. In dieser Zeit fertigte er Portraits von zahlreichen Größen seiner Zeit (u. a. Albert Einstein, Sigmund Freud und Alfred Kerr) an, die u. a. in der Wochenendbeilage der Neuen Freien Presse erschienen. Auch war er wiederholt als Illustrator tätig: 1921 schuf er eine Serie von Lithographien für Thomas Manns 1912 erschienener Novelle Tod in Venedig; mit dem Autor stand er lebenslang in Kontakt. So stellte er auch Versuche an, Oskar Kokoschka für die Illustrierung von Manns Joseph-Romanen zu gewinnen. 1923 verlegte B. seinen Wohnsitz nach Wien, wo er sich zunehmend mit kunstgeschichtlichen Fragestellungen beschäftigte, woraus eine rege Publikationstätigkeit in Tageszeitungen und Kunstzeitschriften resultierte. B. verfasste eine Vielzahl von Kunstkritiken, die etwa in Die Bühne und Die Kunst erschienen.

Ab 1928 studierte er in München Kunstgeschichte bei Heinrich Wölfflin sowie Literaturgeschichte bei Fritz Strich; parallel dazu belegte er Kurse an der Münchner Kunstakademie. 1931 promovierte B. an der Universität Wien bei Josef Strzygowski zum Thema „Das Tiergeflecht in der nordrussischen Buchmalerei“; sein Doktorvater lenkte sein Interesse auch auf das Themenfeld Kunst in der Psychologie, zu welchem er mehrere Aufsätze publizierte. Ab den 1930ern gestaltete B. Beiträge für Radio Wien, so etwa zu der 1933 von ihm kuratierten und im Hagenbund gezeigten Ausstellung „Der Tanz im Bild“, und betätigte sich für kurze Zeit als Sachverständiger beim Wiener Dorotheum. Darüber hinaus arbeitete B. in der Organisation (kunst-)historische Ausstellungen, so etwa der Kaiser Franz Joseph-Ausstellung des Jahres 1935 sowie einer dem Altwiener Maler Johann Baptist Reiter gewidmeten Schau.

Nachdem er 1937 wegen der drohenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten auf Einladung des Maryville College St. Louis in die USA emigriert war, arbeitete er dort zunächst als Art Director. Parallel übernahm er Lehraufträge für Kunstgeschichte am Asian Institute in New York, am Queens College, an der Louisiana State University, am Hunter College sowie zuletzt am New Yorker City College, wo er als Assistant Professor wirkte. Seine finanzielle Situation im Exil blieb insgesamt prekär.

B. war abseits seiner wissenschaftlichen Arbeiten weiterhin künstlerisch tätig: Seine Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien und Holzschnitte wurden bei Ausstellungen in Wien (z. B. Sezession, Hagenbund), München, Berlin, St. Louis und Baton Rouge gezeigt. Darüber hinaus veröffentlichte er – neben zahlreichen Beiträgen in amerikanischen Fachzeitschriften wie Art and Industry oder The American Collector –  auch Bücher über Kunstgeschichte und Amerikanische Kunst, u. a. das 1947 erschienene Still Life Painting in America sowie das zwei Jahre später publizierte American Landscape Painting, das von der New York Times unter die hundert besten Bücher des Jahres 1949 gewählt wurde.

B., der 1943 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, war Mitglied der Society of Architectural Historians, der College Art Association und der American Association of University Professors. Ererlag am 15. Juni 1949 in New York einer Herzattacke. Sein Nachlass wird in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt.


Literatur 

Lee Sorensen, Wolfgang Born. In: Dictionary of Art Historians [Online verfügbar]; Ralph L. Wickiser, Wolfgang Born. In: College Art Journal, vol. 9, Iss. 2 (1949), S. 208 [Online verfügbar]; Wolfgang Born. In: Journal of the Society of Architectural Historians,  Vol. 8,  No. 1-2,  Jan. – Jun. (1949), S. 133-134; Wolfgang Born. In: National Cyclopedia of American Biography 37 (1951), S. 497-498 [Online verfügbar]; Dokumente der Universität Wien zu Wolfgang Born; Frank Baron, Wolfgang Born und Thomas Mann. In: Frank Baron, Gert Sautermeister (Hg.), Thomas Mann, Der Tod in Venedig: Wirklichkeit, Dichtung, Mythos, Lübeck 2003, S. 139-158; Dirk Heißerer (Hg.), „Wo Sie sind, ist Deutschland!“ Thomas Mann und Wolfgang Born. Briefwechsel. Texte. Zeichnungen. Bibliographie (Thomas-Mann-Schriftenreihe, Bd. 11), erscheint demnächst.

Quellen und Dokumente 

Wolfgang Born, Ausstellung altrussischer Kunst im Hagenbund. In: Die Bühne, (1929), H. 257, S. 16f; Wolfgang Born, Der gute billige Gegenstand. In: Radio Wien, 4.12.1931, S. 14; Ausstellung Wolfgang Born. In: AZ, 21.2.1927, S. 6; Wolfgang Born, Französische Kunst in der Albertina. In: Die Bühne (1929), H. 263  S. 17; Ausstellung „Österreich im Lichtbild“. In: Photo, Kino und Sport, Sep. 1933, S. 174; Eine kulturgeschichtliche Kunstausstellung. In: AZ, 5.2.1933, S. 10; Wolfgang Born, Maler, die den Himmel stürmen! Marinetti in der Futuristenausstellung der Neuen Galerie. In: Neues Wiener Journal, 20.2.1935, S. 7f; Arthur Roessler, Aus dem Kunstleben: Kunstausstellung J. B. Reiter. In: Radio Wien, 9.4.1937, S. 12.

(MK)