geb. am 20.2.1877 in Wien – gest. am 20.7.1955 in Wien; Kunstkritiker, Schriftsteller, Essayist, Kunsthändler

Nach dem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Univ. Wien, wo er beim Kunsthistoriker Franz Wickhoff promovierte, lebte Roessler nach ausgedehnten Reisen zunächst 1898-1905 in München, wo er journalistisch u. literarisch tätig wurde u. seine spätere Frau Ida Lange kennenlernte. Zurück in Wien arbeitete er zunächst in den Galerien Miethke sowie G. Pisko und übersetzte mit seiner Frau Intentions von O. Wilde. Ab 1908 veröffentlichte R. in versch. Kunstzeitschriften u. kam mit E. Pernerstorfer in Kontakt, der ihn als Kunstreferenten für die Arbeiter-Zeitung gewann. 1909 lernte er Anton Faistauer und Egon Schiele kennen u. entwickelte sich zu einem Förderer von Schieles Arbeiten. In der Debatte über den Architektenwettbewerb für das Technische Museum bezog er für Otto Wagner Partei und half V. Adler beim Verfassen einer Petition für den Reichsrat. 1912 war Roessler einer der Mitbegründer des Österreichischen Werkbundes und versuchte sich als Hg. der Zeitschrift Bildende Künstler, von der 12 Hefte erschienen. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er 1915-17 weitgehend im k.k. Kriegsarchiv. 1918 veröffentlichte Roessler die Aufsatzsammlung Kritische Fragmente mit Beitr. über A. Faistauer, F.A. Harta, A. P. Gütersloh, E. Schiele u.a.m.; 1919 gründete er den Avalun-Verlag, in dem bis Mitte der 1920er Jahre mehrere Schiele-Publikationen erschienen. Im Okt. 1918 kam auch sein Lustspiel Die fünf Frankfurter im Dt. Volkstheater zur Auff. 1921 betätigte sich Roessler als Hg. von zwei Bänden zu Schiele, einem Bd. von Beiträgen (F. Th. Csokor, M. Eisler, A.P. Gütersloh, P. Stefan u.a.) sowie einer Auswahl von Briefen. 1922 erschien ein Mathias Grünewald-Buch von J. K. Huysmans in deutscher Übertragung von A. Roessler. Nach seinem Ausscheiden aus der AZ wurde er von H. Tietze für die Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst gewonnen. 1924 wurde er in den Vorstand des Österreichischen Werkbunds gewählt, 1925 zu dessen Präsident; in dieser Funktion war er z.B. 1925 für die Organisation der österreichischen Abteilung der Pariser Kunstgewerbeausstellung neben F. Kiesler mitverantwortlich. Ebenfalls 1924 schon trat er als verantwortlicher Redakteur der MonatsZs. Bau- und Werkkunst in Erscheinung; 1926 trat er dem Eckhart-Bund bei u. veröffentlichte fortan regelmäßig auch im Getreuen Eckhart, aber auch weiterhin in den Österreichischen Monatsheften. Anlässlich der Zehnjährigen Gedächtnisausstellung für E. Schiele war Roessler Ende Okt. 1928 auch erstmals in Radio Wien zu hören.

Um 1930 trat das Interesse für die Gegenwartskunst zugunsten historischer Epochen seit der Gotik wieder in den Hintergrund, auch seine kunsttheoret. und kunstpolitischen Positionierungen wandelte sich entsprechend. Sichtbar wird dies etwa im später zum Vortrag und nach 1945 zu einem Buch ausgebauten Essay Zur Krisis der Kunst, der zuerst 1930 in der Reichspost, dem Organ der Christlichsozialen Partei, erschien. Er beklagte darin eine Heimatlosigkeit der Kunst, die sich u.a. in Materialisierung und Marktausrichtung ebenso zeige, wie in der Abwendung von der Natur und der Selbstauslieferung an eine technikorientierte großstädtische, geistes- und religionsferne Kunstproduktion mit einem Hang zur Abstraktion. 1933-38 übernahm er für Radio Wien die Mittwoch-Rubrik ›Bericht aus dem Kunstleben‹, in der er u.a. auch A. Egger-Lienz, C. Hauser oder A. Kolig vorstellte; für die Wiener Neuesten Nachrichten verf. er Feuilletons zur Kunstgeschichte, gelegentlich dabei auch noch lebende Künstler thematisierend wie z.B. 1936 Alois Hänisch oder 1937 A. Kubin. Den Zweiten Weltkrieg überlebte Rössler in Wien; nach 1945 arbeitete er an den Ztg. Neues Österreich, aber auch an der AZ wieder mit.


Weitere Werke (Auswahl)

Ein Abendmit Gottfried Keller und Böcklin und anderes (Wien 1919); Der Maler Viktor Tischler. Wien 1924; Meister Richard Teschner. Zu des Künstlers fünfzigsten Geburtstag. Wien 1929; Zur Kunst- und Kulturkrise der Gegenwart (Wien 1947)

Quellen und Dokumente

Zur Krisis der bildenden Kunst in der Gegenwart. In: Reichspost, 23.3.1930, S. 20.

Literatur

Tobias G. Natter (Hg.): Schiele & Rössler. Der Künstler und sein Förderer. Wien 2004; Ursula Storch: Arthur Roessler und der Mythos Egon Schiele; in: Helmut Friedel/Helena Pereña (Hgg.): Egon Schiele. „Das unrettbare Ich“, Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus München. Köln 2011.

(PHK)