Gegründet 1924 durch den umstrittenen Zeitungsunternehmer Emmerich Bekessy, erschien die Zs. ab 6.11.1924 als Wochenzeitschrift jeweils am Donnerstag mit dem Untertitel Zeitung für Theater, Literatur, Film, Mode, Kunst, Gesellschaft und Sport im Verlag Die Stunde (bzw. Kronos-Verlag), der 1926 durch den Vernay-Verlag übernommen wurde. Seit Nr. 178/1928 lautete der Untertitel schlichter Wochenschrift für Theater und Gesellschaft. Erster Chefredakteur war Hans Liebstoeckl (bis 1928), gefogt von Josef C. Wirth, der die Zs. mit 1.1.1929 auf ein 14tägiges Erscheinen umstellen musste. Die Bühne setzte von Beginn an auf einen (ausdrucks)starken illustrativen Teil, meist in Zusammenarbeit mit dem Fotostudio Willinger, manchmal auch mit dem exklusiven Studio D’Ora, sowie dem Fotoreporter der Ztg. Stunde Max Fenichel. Die im Untertitel angeführten Bereiche spiegelten sich auch in den Rubriken-Gestaltung, wobei ab Mitte der 1920er Jahre immer wieder eigenwillige Akzente gesetzt wurden, v.a. im Bereich der Körperlichkeit (über den Tanz oder den Sport) ebenso wie in jenem künstlerischer Konfrontationen. Im zeitgenössischen Spektrum positionierte sich die Bühne somit als publikumsorientierte, moderne, durchaus auf Effekt zielende Zeitschrift, die u.a. zahlreiche Preisausschreiben auslobte, die aber auch interessante literarische, dramenästhetische und theatergeschichtliche Positionen sowie eine dezidiert kritische Haltung dem aufkommenden Antisemitismus und Provinzialismus gegenüber bezog. Sie druckte u.a. Texte bzw. Stellungnahmen von B. Brecht (Oedipus), M. Brod, A. Bronnen, K. Capek, F.Th. Csokor, O.M. Fontana, St. Grossmann, Th. Kramer, E. Krenek, H.R. Lenormand, F. Molnár, Paul Stefan, Carl Zuckmayer u.a. ab. Wichtigster Mitarbeiter im Bereich des Feuilletons war Fred Heller, die Rubrik Filmbühne wurde von F. Porges redaktionell betreut, der in den ersten Jahren u.a. M. Kertezs zu fallweiser Mitwirkung gewinnen konnte.

Das erste dezidiert erotische Cover findet sich dabei im Zshg. mit einem Gastspiel Pariser Revuen in Wien am 10.9.1925 (Nr.44/1925), gefolgt von meist ein-zwei Covers in den Folgejahren, unter denen jenes zur J. Baker-Tournee 1928 zweifellos das bekannteste ist. Daneben finden sich aber auch schon früh neusachliche Gestaltungen und generell eine Inszenierung der Frau nach dem Modell der sog. neuen Frau. Seit 1925 wurde auch eine eigene Rubrik Radiobühne (mit Programmangaben, fallweise auch programmat. Positionierungen) geführt. Neben dem wichtigsten Teil, d.h. der Ankündigungen von Aufführungen an allen Wiener Bühnen (inkl. experiment. Kleinbühnen) sowie deren Besprechung und Einbettung in das gesellschaftl. Theaterleben wurde durchgängig auch dem Theaterprogramm in Berlin, Budapest u. Paris Augenmerk geschenkt sowie das amerikanische (Revue)Theater, das russische (experiment.) Theater bzw. die russische Kleinkunst, aber auch das Musiktheater (z.B. Strawinsky) mit einbezogen. Der Offenheit im Kulturellen und Ästhetischen stand eine konsequente Verweigerung gegenüber, zu politischen Ereignissen, auch mit Auswirkungen auf die (Theater)Kultur, Stellung zu nehmen, zum Juli 1927 ebenso wie zur Ausschaltung des Parlaments im März 1933 oder zum Bürgerkrieg vom Februar 1934. Mit dem zweiten Märzheft 1938 sollte sich das ändern: R. Michel begrüßte in einem Leitartikel dezidiert den Anschluss, ab dem ersten Aprilheft 1938 wurde der Untertitel in Wiener Bühne abgeändert.


Quellen und Dokumente

Pariser Revue. In: Die Bühne 2 (1925), H. 44, Die tätowierte Frau. Die neue amerikanische Modesensation. In: Die Bühne 2 (1925), H. 44, S. 23, Franz Theodor Csokor: Schluß zu Büchners Woyzeck. In: Die Bühne 4 (1927), H. 138, S. 37, Cover zu Josefine Baker. In: Die Bühne, 5 (1928), H. 173, Cover mit neuem Untertitel. Die Bühne 5 (1928), H. 178, Bertolt Brecht: Eine kleine Versicherungsgeschichte. In: Die Bühne 5 (1928), H. 178, S. 35f., B. B.: Letzte Etappe: Oedipus. In: Die Bühne 6 (1929), H. 226, S. 8, Robert Michel: Wien im Sturm der Tat. In: Die Bühne 15 (1938), H. 468, S. 2.

(PHK)