Braunthal, Julius
Geb. 5. 5.1891 in Wien, gest. 28. 4. 1972 in Teddington/London (GB). Historiker, Journalist, Publizist, Herausgeber, Redakteur, Exilant.
Aufgewachsen in einem traditionellen jüdischen Milieu, so besuchte er als Kind eine Talmud-Thora-Schule, begann J. B. mit 14 Jahren eine Buchbinderlehre und wurde Mitglied des 1894 von L. Winarski gegründeten Verbandes jugendlicher Arbeiter. 1905 trat Julius Braunthal der zudem der SDAPÖ bei und begann im darauffolgenden Jahr erste publizistische Erfahrungen zu sammeln. 1912 ging Braunthal nach Berlin, wo er mit Karl Kautsky und Rudolf Hilferding zusammentraf, 1913-1914 leitete er die sozialdemokratische Volksstimme in Böhmen. Im Weltkrieg diente er in der k.k. Armee und beendete diesen als Leutnant. Nach 1918 wurde er zunächst Mitarbeiter im Staatsamt für Heerwesen (unter Julius Deutschgeb. am 2.2.1884 in Lackenbach, Burgenland - gest. am 17.1.1968 in Wien; Politiker, Publizist Deutsch, am 2. Februa...), ab 1919 Redakteur der Arbeiter-ZeitungGegr. 1889, verboten 1934, illegal 1934-1938, 1938 verboten, neugegr. 1945, eingestellt 1991 Aus: Arbeiter-Zeitung, 12.1.... Ab 1923 war er zudem MitHg. der ProgrammZs. Der KampfGegründet im Okt. 1907, Wien bis H. 12/1933; ab H. 1/1934 vereinigt mit der Zs. Tribüne bis Mai 1938, Brünn/Brno; danach..., 1927-34 Chefredakteur der von ihm begründeten Tageszeitung Das Kleine Blatt und maßgeblich verantwortlich für die (innovative) Zeitschrift Der Kuckuck. Seit der Gründung des Republikanischen Schutzbund wirkte er auch dort mit und verfasste diverse broschürenartige Schriften, die aufgrund seiner Rolle als Beobachter und z.T. Protagonist mancher Ereignisse mit Wendepunkt-Charakter (Cattaro, 1918, 15. Juli 1927 u.a.m.) von historisch-ideologiegeschichtlichem Quellenwert sind. 1934 nach dem Februar-Aufstand verhaftet und 1935 ausgewiesen, ging Braunthal via Brüssel (1935) nach London (1936 bis 1938) wo er u.a. Mitarbeiter bei der Labour-Zeitung Tribune wurde und sich zunehmend mit Fragen der internationalen Politik sowie Agenda der Sozialistischen Internationale beschäftigte, in deren Rahmen er in den 1950er Jahren auch bedeutende Funkionen übernahm.
Materialien und Quellen:
Eintrag auf: dasrotewien; Eintrag auf: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/index.php?title=Julius_Braunthal&printable=yes; N. Scholz: J. Braunthal. In: ORF 1-Beitrag, 10. 8. 2022;
Schriften (Auswahl):
Die ArbeiterräteDie Initialzündung zu Arbeiterräten ging von der Russischen Revolution (1917) aus und fand in Teilen der österr. Arbeite... in Deutschösterreich (Wien 1919); Die Wiener Julitage 1927 (Wien 1927); The Future of Austria (London 1943); The Tragedy of Austria (London 1948).
Literatur:
Manfred Ackermann: Julius Braunthal − ein Leben, dem Sozialismus geweiht. In: Erziehung zum Menschenbewusstsein. Wien [u.a.] 1988, S. 188f.
(PHK, in preparation)

