geb. am 30.6.1897 als Hans Bardach Edler von Chlumberg in Wien – gest. am 5.10.1930 in Leipzig; Dramatiker.

Der Sohn des nobilitierten jüdischen Offiziers Wolf Bardach (1838–1911) besuchte zunächst die k. k. Staats-Realschule in der Wiener Schottenbasteigasse – aus dieser Zeit datieren seine ersten schriftstellerischen Versuche –, dann die Militär-Realschule in Fischau (1910–13) bzw. die Militärische Oberrealschule Mährisch-Weißkirchen. 1916 legte er die (Zivil-Real-)Matura ab. Die Artilleriekadettenschule in Traiskirchen (1916–1918) beendete Chlumberg 1918 als Militärakademiker und wurde anlässlich seines vorzeitigen Eintritts in das k. u. k. Heer zum Leutnant befördert. Er wurde dem Artillerieregiment Nr. 1 zugeteilt und nahm an den letzten Schlachten am Isonzo teil. Nach Kriegsende quittierte er den Militärdienst und arbeitete als Kaufmann und Angestellter in Industrie und Banken. Unter Pseudonymen publizierte er Novellen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. 1919 veröffentlichte der Harbauer Verlag das in den Jahren 1915–1916 geschriebene Drama Die Führer. Von 1918 bis 1926 entstanden 15 dramatische Arbeiten (u. a. das Volksstück Nur ein Verhältnis und das Drama Turmbau), die sich jedoch nicht erhalten haben. 1921 heiratete Chlumberg Sophie Spayer (*26.2.1897 in Bukarest; †12.6.1944 in London), 1923 trat er aus dem mosaischen Glauben aus und war seitdem konfessionslos. 1926 wurde sein fünfaktiges Drama Eines Tages im Wiener Volkstheater uraufgeführt, 1927 erhielt er für das Stück den Volkstheaterpreis. 1928 wurde Chlumberg Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs und beendete die Arbeit an seiner Komödie Das Blaue vom Himmel. Sie feierte im deutschen Halberstadt erfolgreich Premiere und wurde in England, den USA, in Polen und den Niederlanden auf die Bühne gebracht, 1929 wurde das Stück an der Wiener Renaissancebühne gezeigt. 1928/29 inskribierte Chlumberg an der Philosophischen Fakultät, 1929/30 an der Juristischen Fakultät der Universität Wien. 1930 wurde sein Antikriegsdrama Wunder um Verdun in Leipzig uraufgeführt, es folgten Aufführungen in England und den USA, in Schweden, Finnland und Frankreich (1932 Inszenierung im Wiener Raimund-Theater), 1938 wurde das Stück in Deutschland auf die »Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums« gesetzt und somit verboten. Bei den Proben zu der Leipziger Uraufführung verunglückte Chlumberg durch einen Sturz in den Orchestergraben tödlich.


Werke

Die Führer. Ein Schauspiel in vier Akten und einem Vorspiel (1919),
Eines Tages … Drama in fünf Akten (1926), Das Blaue vom Himmel. Eine Improvisation in etlichen Bildern (1928), Wunder um Verdun. Dreizehn Bilder (1931, abrufbar über das Projekt Gutenberg)

Quellen und Dokumente

Hans Bardach-Chlumberg: Brief an Franz Brümmer. Wien, 7. April 1922. Staatsbibliothek Berlin, Handschriftenabteilung, Nachl. Franz Brümmer, Biogr. Suppl. I. [Online verfügbar], Hans Chlumberg: Mein erstes Stück. Gebundenes Typoskript. Maschinenschrift vervielfältigt. [1926] 6 Bl. Wienbibliothek im Rathaus, Wien (WBR), B-144105.

Beiträge H. C.s: Eines Tages. In: Kunst und Volk 1, 10 (1926), S. 17, Gedanken zum heutigen Drama. In: Programmheft Deutsches Volkstheater [1926], S. 1, Autobiographische Skizze. In: Programmheft des Neuen Theaters, Frankfurt a. M. Spielzeit 1931/32. Heft 14, S. 1.

Ernst Lissauer: H. C. Ein Gedenkwort. In: Central-Verein-Zeitung (Berlin), 7.11.1930, Alfred Werner: H. C. In: Literarische Monatshefte, 3 (Mai 1932), S. 56. Karl Schück: Worte der Erinnerung an H. C. Gesprochen im Wiener Radio am 13.5.1932. 6 Bl. WBR, B-144106.

Literatur

Elisabeth Pablé: Der vergessene Welterfolg: Hans von Chlumberg. In: Literatur und Kritik 4, 36–37 (1969), S. 382–395, Hans Weigel: In Memoriam. Hans von Chlumberg. In: Protokolle, 2 (1978), S. 424–427, Dagmar Heißler: »Umsonst gelebt, umsonst gedichtet, umsonst gestorben?« Der »dreifache Tod« des Dramatikers Hans Chlumberg. In: Aneta Jachimowicz (Hg.): Gegen den Kanon. Österreichische Literatur der Zwischenkriegszeit (= Warschauer Studien zur Kultur- und Literaturwissenschaft; Bd. 10). Frankfurt a. M. [u. a.]: Peter Lang 2016 (i.Dr.).

(DH)