von Robert Musil

Obwohl die drei Freunde, die in Robert Musils Die Schwärmer. Schauspiel in drei Aufzügen um die Definitionsgewalt über ihre Jugenderinnerungen ringen, den Krieg mit keinem Wort erwähnen, ist auch dieses Stück eine verdeckte Auseinandersetzung mit Musils eigener Kriegsbegeisterung von 1914. „Anselm und Johannes und ich“, so erinnert sich Thomas: „Es gab nichts, das wir ohne Vorbehalt hätten gelten lassen; kein Gefühl, kein Gesetz, keine Größe. Alles war wieder allem verwandt und darein wandelbar; Abgründe zwischen Gegensätzen warfen wir zu und zwischen Verwachsenem rissen wir sie auf.“ (SCHW, 10) Gegen Ende des Stücks sieht Thomas als Folge dieses einstigen intellektuellen Aufbegehrens die prinzipielle Beliebigkeit moralischer Haltung. „Man ist religiös oder modern. Leidenschaftlich oder enttäuscht. Kriegerisch oder pazifistisch. Und so weiter und so weiter, diesen ganzen geistigen Jahrmarkt entlang, der heute für jedes seelische Bedürfnis seine Buden offen hält.“ (SCHW, 81) Auch der etwas ältere Josef wirft den drei Freunden die Blindheit ihrer abstrakten Begeisterungsfähigkeit vor: „[S]o seid ihr alle: eine Idee braucht nur übertrieben zu sein, gleich habt ihr dafür eine Schwäche!“ (SCHW, 59)


Literatur

SCHW = Robert Musil: Die Schwärmer. Schauspiel. Reinbek: Rowohlt 2002.

(EPH)