geb. am 22.12.1895 in Wien – gest. am 21.1.1990 in Brewster/New York; Fotografin, Exilantin

T. Fleischmann wuchs mit zwei Geschwistern als Tochter der Kaufmanns Wilhelm F. u. seiner Frau Adele, geb. Rosenberg in Wien in gesicherten bürgerlichen Verhältnissen auf. Bereits früh, d.h. noch als Kind, begann sie zu fotografieren. Nach der Matura ging sie kurzzeitig nach Paris und danach, von 1913 bis 1916, absolvierte sie eine Ausbildung in der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Nach einer Praxis bei Dora Kallmus (Atelier D’Ora) und weiterer Fotoausbildung  bei H. Schieberth eröffnetet T.F. Anfang 1920 ihr eigenes Fotostudio in der Ebendorferstr. 3 (gegenüber dem Rathaus). Ihre Porträtfotos machen sie rasch zu einer der gefragtesten Fotografinnen Wiens, insbesondere im Theater- und Kunstbereich, aber auch für Schriftsteller und Schriftstellerinnen (Altenberg, Loos, Urbanitzky u.a.). 1923 trat sie aus der Jüdischen Kultusgemeinde aus. Ab 1924 erscheinen ihre Fotos in Zeitschriften wie Die Moderne Welt, Wiener Salonblatt und ab 1925 v.a. auch in der Bühne, in der auch das skandalumwitterte Aktfoto von Claire Bauroff oder das der Wiener Tänzerin Ellen Güll veröffentlicht wurde. Sie belieferte aber auch prominente Berliner Zeitschriften wie z.B. Die Dame oder Berliner Illustrierte Zeitung. Mit ihren z.T. androgyn inszenierten Aktfotos partizipierte T.F. auch am zeitgenössischen Gender-Diskurs. 1929 veranstaltete sie in ihrem Studio ihre erste Ausstellung, beteiligte sich an der Ausstellung Akt und Porträt in der Photographie in der Neuen Galerie (mit ihrer berühmten Bauroff-Studie); 1930 wiederum war sie in der vom (deutschen) Werkbund übernommenen Wiener Ausstellung Film und Foto sowie in jener des Hagenbund vertreten.

Anfang der 1930er Jahre erweitert sie ihr Spektrum um Landschaftsfotos und Buchcover-Entwürfe. 1934 fertigte F. das berühmte G. Wiesenthal-Foto an; 1935 steuerte sie zu J. Weinhebers Bd. Wien wörtlich die Illustrationen/Fotos bei. Nach dem Anschluss floh Fleischmann über Paris nach London und von dort 1939 in die USA weiter, wo sie in New York ab 1940 wieder ein Atelier, gem. mit Frank Elmer (= Franz Epstein), eröffnete u. in der Nachkriegszeit an ihre frühere Karriere anschließen konnte. 1942 wurde sie US-Staatsbürgerin.


Quellen und Dokumente

Die Gschamige. In: Die Bühne (1927), H. 157, S. 22f., Grete Müller: Bub oder Mädel. In: Die Bühne (1928), H, 212, S. 4f., Akt und Porträt in der Photographie. Ausstellung in der “Neuen Galerie”. In: Die Bühne (1929), H. 267, S. 13f., Hans Ankwicz-Kleehoven: Die Photofachausstellung im Hagenbund. In: Wiener Zeitung, 25.9.1930, S. 4, Wiener Photographen weltbekannt. In: Die Bühne (1931), H. 295, S. 12, Trude Fleischmann: Weiß und Schwarz. In: Die Bühne (1932), H. 321, S. 22, Porträt von Grete Wiesenthal. In: Die Bühne (1934), H. 377, S. 5.

Literatur

Anna Auer, Carl Aigner: Trude Fleischmann. Fotografien 1918–1938 (1988), Anna Auer (Hg.): Übersee. Flucht und Emigration österreichischer Fotografen 1920–1940 (1997); Anton Holzer, Frauke Kreutler (Hgg.): Trude Fleischmann – Der selbstbewusste Blick (2011); Iris Meder, Andrea Winklbauer (Hgg.): Jüdische Fotografinnen aus Wien – Vienna’s Shooting Girls. (2012)

Lisa Silverman: T. F., Eintrag bei jwa.org.

(PHK)