geb. am 15.7.1885 in Baden bei Wien – gest. am 8.1.1967 in Stockholm; Architekt, Designer, Innenraumgestalter

F. stammt aus einer wohlhabenden jüdischen Textilhändlerfamilie in Baden. Er studierte an der Technischen Hochschule in Wien, u. a. bei Karl König. Nach seiner Promotion 1908 arbeitete er ein Jahr in Berlin bei Bruno Möhring. 1910 konnte F. in Wien seine ersten Inneneinrichtungen realisieren. Wie seine einstigen Studienkollegen Oskar Strnad und Oskar Wlach propagiert F. offene, nutzerorientierte Raumkonzepte in Abgrenzung zum Historismus wie zum Gesamtkunstwerkgedanken der Wiener Werkstätte. 1913 schließt sich F. der Ateliergemeinschaft von Strnad und Wlach an, als Gemeinschaftsarbeiten der drei entstehen 1913/14 das Haus Scholl, 1914 das Haus Straus und 1914/15 die Villa für den Schriftsteller Jakob Wassermann, alle drei in Wien Döbling. 1919 bis 1926 unterrichtet F. an der Wiener Kunstgewerbeschule. 1925 gründete er mit Walter Sobotka und Oskar Wlach die Einrichtungsfirma Haus & Garten. F. war 1927 als einziger Österreicher am Bau der Stuttgarter Weißenhofsiedlung unter Ludwig Mies van der Rohe beteiligt und er war Gründungsmitglied des Wiener Werkbundes, Initiator und 1932 auch Leiter des Baus der Wiener Werkbundsiedlung. F. forderte klare funktionale Formen statt Fassadendekor und präferierte für den kommunalen Wohnbau den Siedlungsgedanken gegen die von den Schülern Otto Wagners vertretene monumentale Blockverbauung. Trotzdem konnte F. für die Gemeinde Wien eine Reihe von Siedlungs- und Wohnhausanlagen realisieren. 1934 emigriert F., der seit 1912 mit der Schwedin Anna Sebenius verheiratet war und seit Anfang der 1930er Jahre für das Stockholmer Einrichtungshaus Svenskt Tenn Möbel- und Stoffentwürfe lieferte, nach Schweden. 1941 emigriert F. nach New York, wo er im Folgejahr an der New School for Social Research einen Lehrstuhl für Architektur erhält, und kehrt 1947 nach Stockholm zurück. Die Anerkennung in Österreich setzt erst spät ein. 1960 erhält F. den Preis der Stadt Wien für angewandte Kunst, 1965 den Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur. Im gleichen Jahr veranstaltet die Österreichischen Gesellschaft für Architektur die erste österreichische Ausstellung zu seinem Werk. 1981 folgt die Ausstellung Josef Frank 1885–1967 im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien und 2007 Josef Frank. Architekt und Outsider im Jüdischen Museum der Stadt Wien.


Werke

Architektur als Symbol. Elemente deutschen neuen Bauens. (1931, Neuaufl. 1981/2005); Die Internationale Werkbundsiedlung (1932); Ruhm und Ehe. Bilder aus drei Jahrhunderten (1939); Schriften/Writings. 2 Bde (2012).

Biografie und Werkliste bei Architektenlexikon.at.

Literatur

Nationalmuseum Stockholm (Hg.): Josef Frank (1968); Johannes Spalt: Josef Frank 1885–1967. Möbel und Geräte und Theoretisches (1981); Johannes Spalt, Hermann Czech: Josef Frank 1885-1967 (1981); Nina Stritzler-Levine: Josef Frank, architect and designer (1996); Mikael Bergquist, Olof Michelsen: Josef Frank – Architektur (1995); Maria Welzig: Josef Frank 1885–1967. Das architektonische Werk (1998); Christopher Long: Josef Frank. Life and work (2002); Iris Meder (Hg.): Josef Frank – Eine Moderne der Unordnung (2008); Marlene Ott-Wodni: Josef Frank 1885–1967. Raumgestaltung und Möbeldesign (2015).

Manisha Jothady: Auf der Überholspur der Moderne. Wie der österreichische Architekt Josef Frank das schwedische Design revolutionierte. In: Wiener Zeitung, 26.11.2015.

Josef Frank bei Svenst Tenn.

Josef Franks Wohnbauten für die Gemeinde Wien. In: Das Rote Wien.

Josef Frank und die Wiener Werkbundsiedlung bei nextroom.at.

(EPH)