geb. am 2.3.1890 in Wien – gest. am 3.8.1943 im Ghetto Theresienstadt; Schriftstellerin

J. wuchs als Tochter eines Lackierers gemeinsam mit vier Geschwistern im Arbeiterbezirk Wien-Ottakring auf. Auch ihr Bruder Josef J. sollte sich später für Das Kleine Blatt und den Arbeiter-Sonntag publizistisch betätigen. J. war nach einer missglückten Gelenksoperation infolge einer Rheumaerkrankung seit Kindestagen auf den Rollstuhl angewiesen.

Publizistisch trat J. erstmals 1919 mit einer Reaktion auf den Essay Zur Beurteilung des Bolschewismus des Pädagogen Friedrich Wilhelm Foerster, publizierte in Das Forum in Potsdam, in Erscheinung, als sie unter dem Titel Die sittlichen Werte des Sozialismus ihre Vorstellungen der Verinnerlichung sozialistischer Weltanschauung am „demokratische[n] Weg der sozialen Umgestaltung“ (NE, 1919, H. 29/30) darlegte. Erst 1925, dafür nun regelmäßig veröffentlichte J. in der Arbeiter-Zeitung Feuilletons und Erzählungen, die sich vorrangig proletarischen Frauen- und Familienschicksalen annahmen. 1925/26 erschien in der Halbmonatsschrift zudem die Feuilletonreihe Briefe eines Ueber-Baby. Anfang 1926 polemisierte sie unter dem Titel Geschlechtliche Aufklärung oder Anstachelung? gegen Herbert Müller-Guttenbrunns in Bettauers Wochenschrift erschienene Novelle Hunger, die sie als „verwirrend und vergiftend auf junge Menschen“ (AZ, 4.1.1926) wirkend einordnete, um damit Zuschriften des Autors sowie Rudolf Oldens zu provozieren. Fortan schrieb J. auch u.a. für Die Unzufriedene und Das Kleine Blatt und wurde 1928 mit zwei Preisen der sozialdemokratischen Kinderfreunde für dramatische Jugenddichtungen ausgezeichnet. Anlässlich des Abdrucks ihres Wiener Romans Das Tor würdigte sie die Arbeiter-Zeitung als „Schriftstellerin von scharfsinniger und feiner Beobachtung, gütigem Herz und inniger proletarischer Einfühlung“ (AZ, 15.2.1929). Breitere Aufmerksamkeit erzielte J. auch durch eine Lesung bei der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller, bei der unter dem Motto „Schöpfung und Aktualität“ aus einem an den Roman Das Tor anknüpfenden Manuskript J.s ebenso wie aus Texten Else Feldmanns und Theodor Kramers vorgetragen wurde. Otto Koenig, wesentlicher Unterstützer, aber auch Kritiker ihres publizistischen Engagements, hob in einer Rezension J.s Text über den Volkshochschulstudenten Stephan Posch, bereits aus Das Tor bekannt, für seine Aufmerksamkeit für soziale Verhaltensweisen hervor.

Nach dem Februar 1934 erschienen nur noch vereinzelt Texte J.s im Neuen Wiener Tagblatt bzw. Neuen Wiener Abendblatt. Im Mai 1943 wurde J. nach Theresienstadt deportiert.


Werk

Das Tor (1929, erstmals in Buchform 2017)

Quellen und Dokumente

Die sittlichen Werte des Sozialismus. (Eine Antwort an Prof. Foerster.) In: Neue Erde, Kultursozialistische Wochenschrift 1 (1919), H. 29/30, S. 430-436, neuerlich in: Zwischenwelt 31 (2014), H. 4, S. 36-39 [Online verfügbar], Briefe eines Ueber-Baby. In: Die Mutter 15.7.1925, S. 10, Feiertag der Magd. In: Arbeiter-Zeitung, 9.8.1925, 17f., Arbeitsbräute. In: Arbeiter-Zeitung, 13.12.1925, S. 18f., minimal verändert neuerlich in: Das Kleine Blatt, 17.11.1932, S. 3f., Geschlechtliche Aufklärung oder Anstachelung? In: Arbeiter-Zeitung, 4.1.1926, S. 5, Das Tor. In: Arbeiter-Zeitung, 17.2.1929, S. 12 [Beginn des Romans, erschienen in 68 Fortsetzungen bis 26.4.1929], Proletarische Frauenbilder. In: Arbeiter-Zeitung, 24.11.1929, S. 17f., Kind erlebt die Masse. In: Arbeiter-Zeitung, 9.5.1933, S. 4f.

N.N.: Unser neuer Roman. In: Arbeiter-Zeitung, 15.2.1929, S. 4, Otto Koenig: Vorlesung sozialistischer Autoren [A. J., Else Feldmann, Theodor Kramer]. In: Arbeiter-Zeitung, 15.7.1933, S. 8.

Literatur

Siglinde Bolbecher, Konstantin Kaiser: A. J. In: Dies. (Hg.): Lexikon der österreichischen Exilliteratur, S. 340 (2000), Eckart Früh: A. J. (= Spuren und Überbleibsel) (2004), Herbert Exenberger: Adele Jellinek (1890-1943). In: H. E. (Hg.): Als stünd’ die Welt in Flammen. Eine Anthologie ermordeter sozialistischer SchriftstellerInnen (2000) (Online verfügbar).

Eintrag bei theodorkramer.at

(ME)