auch Frederick Kiesler; geb. am 22.9.1890 in Czernowitz – gest. am 27.12.1965 in New York

Kiesler studierte in Wien an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der Künste und arbeitete seit den frühen 1920er Jahren als Architekt, Bühnenbildner, transdisziplinärer Künstler und Designer. Mit dem elektro-mechanischen Bühnenbild für Karel Čapeks Berliner Aufführung des Roboterstücks R.U.R. (1923) und Programmtexten wie Das Theater der Zeit (Berliner Nachrichten, 1.6.1923) erregte er das Interesse zeitgenössischer Avantgardisten wie Lászlo Moholy Nagy, Theo van Doesburg oder El Lissitzky. 1924 wurde K. von D. J. Bach mit der Organisation der Internationalen Ausstellung neuer Theatertechnik in Wien betraut, für die er an die einhundert verschiedene Beiträge versammelte, den Katalog gestaltete und sein visionäres Konzept der Raumbühne erstmals vorstellte. Der Erfolg und die internationale Resonanz führten dazu, dass K. schon 1925 im Auftrag von Josef Hoffmann in Paris die österr. Theatersektion auf der Exposition Internationale des Art Décoratifs et Industriels Modernes betreute und in deren Rahmen seine Vision einer schwebenden Raumstadt präsentierte. Im Zusammenhang mit der Beteiligung an der Intenational Theatre Exposition in New York fällt 1926 die Entscheidung, gemeinsam mit seiner Frau Stefanie K. nach N. Y. zu übersiedeln. 1929 erarbeitet K. das Konzept für das Film Guild Cinema, 1930 nach Erlangung der amerikanischen Architektur-Konzession gründet er sein Büro Planners Institute Inc. In den folgenden Jahren intensiviert sich sein Kontakt zu surrealistischen Künstlern, 1932 legt er das 1:1-Konzept des visionären Space House vor u. befasst sich mit Möbeldesign, das u.a. in der Ausstattung der Wohnung des Bauindustriellen Charles E. Mergentime zur Realisierung kommt. 1937 Ruf an die School of Architecture der Columbia University (N.Y.), wo er die Idee der Mobile Home Library sowie der Vision Maschine entwickelt und an seiner Correalism-Theorie zu arbeiten beginnt, die als Manifest du Corréalism erstmals 1949 in L’Architecture d’Aujourd’hui veröffentlicht wird. 1942 präsentiert K. auf Einladung durch Peggy Guggenheim neue Präsentationsformen für Kunstwerke in der Art of this Century Gallery, ab 1950 legt er mehrere Modelle seines Projektes Endless House vor, 1954 erlebt K. seine erste Personale mit der Werkgruppe Galaxies. Seit 1957 arbeitet K. mit seinem Partner Armand Bartos am Projekt Shrine of the Book (Jerusalem), das in seinem Todesjahr 1965 als einziges seiner avantgardistischen Großprojekte fertig gestellt und eröffnet wurde.


Literatur

Homepage der Österreichischen Friedrich und Lilian Kiesler Privatstiftung;
Dieter Bogner (Hg.): Inside the Endless House. Begleitkatalog zur Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 12.12.1997-1.3.1998 (1997), R. L. Held: Endless Innovations: Frederick Kiesler’s Theory and Scenic Design (1982), Lelke Roland: Der ‚endlose Raum’ in Frederick Kieslers Schrein des Buches (1999)

(PHK)