geb. am 22.11.1895 in Wien – gest. am 30.3.1948 in Stockholm; Schriftstellerin

Ps.: Esther Grenen

M. L., Schwester der Schriftstellerin Auguste Lazar, stammte aus einer jüdischen Familie und besuchte die reformpädagogische Schwarzwald-Schule, wo sie nach ihrem Abschluss auch als Lehrerin tätig wurde. Bereits früh literarisch interessiert, trat sie 1919 mit der kurzen, expressionistischen Erzählung Die Schwester der Beate in der Zeitschrift Der Friede erstmals an die Öffentlichkeit und legte 1920 ihren ersten Roman Vergiftung (Neuaufl. 2014) vor. Die radikale Form der Freud-Rezeption sowie die Gestaltung des Themas des Generationenkonflikts, das auch im Einakter Der Henker (UA 1921, Neue Wiener Bühne) im Mittelpunkt stand, irritierte die zeitgenöss. Kritik, u.a. Thomas Mann, dem daran ein vorgeblich „penetranter Weibsgeruch“ störte. 1923 heiratete sie Friedrich Strindberg und wurde dadurch auch schwedische Staatsbürgerin; die Ehe hielt jedoch nur bis 1927. Seit Mitte der 1920er Jahre veröffentlichte L. auch  in der Arbeiter-Zeitung literaturkritische Beiträge, z.B. den programmatischen Text Tendenz und Propaganda (1927). Einen ersten Erfolg verbuchte L. erst 1930 mit dem Roman Der Fall Rist, den sie unter ihrem Pseudonym veröffentlichte. 1933 kam ihr politisches Schauspiel Nebel von Dyben zum Thema des Gaskrieges noch zur Uraufführung, wurde aber von den Nazis sofort vom Spielplan genommen. Kurz darauf emigrierte L. gemeinsam mit Bertolt Brecht auf Einladung der auch in Wien bekannten Schriftstellerin Karin Michaelis nach Dänemark. Bereits 1934 erschien in London ein erster Exilroman in englischer Sprache, No right to live (Dt. Manuskript: Leben verboten). 1939 übersiedelte L. mit ihrer Tochter nach Schweden.


Weitere Werke

Die Schwester der Beate. In: H. Vollmer (Hg.): Die rote Perücke. Prosa expressionistischer Dichterinnen. Paderborn 2. Aufl. 2010, 97-107; Der Fall Rist (1930); Veritas verhext die Stadt (1931); Die Eingeborenen von Maria Blut (1937, Neuaufl. 2014); Der blinde Passagier (1938)

Quellen und Dokumente

Namenlose Niedertracht. Das Kabarett der Grausamkeiten. In: Der Morgen, 16.5.1927, S. 5.

Literatur

I. Nawrocka: Maria Lazar in: ÖBL-online; Birgit S. Nielsen: Maria Lazar. Eine Exilschriftstellerin aus Wien. In: Text und Kontext, 1983, 138-194; Brigitte Spreitzer: Invasion-Differenz – Exzeß. Xenotopien des Weiblichen in Texten österreichischer Autorinnen der zwanziger Jahre. In: H. Kernmayer (Hg.): Zerfall und Rekonstruktion. Wien 1999, 137-168 Vgl. auch B. Spreitzer: Texturen. Die österreichische Moderne der Frauen. Wien 1999.

Eintrag beim Projekt Ariadne der ÖNB.

Franz Haas: Zornig funkelnder Expressionismus. In: NZZ, 6.3.2015; Evelyne Polt-Heinzl: Eine furchtbar nette Familie. In: Die Presse, 22.5.2015; Michael Rohrwasser: Maria Lazar: Die Vergiftung. In: Wiener Zeitung, 21.2.2015; Holger Englerth: Die ältere Schwester von Elfriede Jelinek? Zur Wiederentdeckung von Maria Lazars Roman Die Vergiftung. In: literaturkritik.de, Nr. 8/2015

(PHK)