geb. am 21.10.1897 in Wien – gest. am 3.7.1976 in Wien; Schriftsteller

L. wurde als Sohn der verwitweten Baronin Boyneburgk-Stettfeld (geb. von Holenia) in zweiter Ehe mit dem Marineoffiziers Alexander von Lernet am 21. Oktober 1897 in Wien geboren. Die unklare Vaterschaft, ausgelöst durch rasche Scheidung nach seiner Geburt, beschäftigte L. H. nachhaltig u. ging in die Identitätsthematik mancher seiner späteren Romanfiguren ein. Nach der Adoption durch die mütterliche Familie wuchs er in Kärnten, St. Wolfgang und Wien auf und maturierte 1915 in Waidhofen an der Ybbs. Am 1. Weltkrieg nahm er von 1916 bis 1918 als Freiwilliger an der Ostfront teil und begann bereits zu dieser Zeit literarisch zu arbeiten, wobei H. v. Hofmannsthal und R. M. Rilke, der später zu einem seiner wichtigsten Förderern werden sollte, als wesentliche Einflüsse zu nennen sind. Nach dem Krieg stellten sich auch erste literarische Erfolge ein: der Gedichtband Pastorale erschien 1921, bereits 1923 wurde ein weiterer mit dem Titel Kanzonair auf Empfehlung Rilkes im Insel-Verlag veröffentlicht. Berühmt wurde L. jedoch vor allem als Theaterdichter: schon sein erstes Drama Demetrius erzielte beachtl. Erfolg, für die Stücke Ollapotrida und Österreichische Komödie erhielt er 1926 den Kleist-Preis, den er 1930 unter Plagiatsverdacht wegen eines anderen Stückes zurückgeben muss. Ebenfalls 1926 wurde ihm für die Einakter Saul und Alkestis einer der drei Bremer Schauspielpreise zugesprochen. Wohnhaft war L. zu dieser Zeit in Wien und am Wolfgangsee, wo er Umgang mit Schriftstellern wie Leo Perutz, Stefan Zweig, Ödön von Horváth, Carl Zuckmayr, sowie den Schauspielern Werner Krauss und Emil Jannings pflegte. 1930 erschien sein erster Roman Die nächtliche Hochzeit, dem bis 1938 14 weitere Romane folgen sollten, darunter mehrere, die als Filmvorlagen dienten wie z.B. Ich war Jack Mortimer (1933, Film 1935), reine Unterhaltungsromane wie Ljubas Zobel, aber auch Habsburg mythische wie Die Standarte (1934, überarb. 1976) oder visionär-politische wie Traum in Rot (1939).

1939 wurde L. als Leutnant zum Polenfeldzug einberufen; bereits am zweiten Tag machte jedoch eine Verletzung die Versetzung an die Heeresfilmstelle in Berlin möglich, wo  er auf Unterstützung durch Jannigs rechnen konnte und die Bekanntschaft von Gottfried Benn und Alfred Kubin machte. Die Kriegseindrücke bildeten die Grundlage für den Roman Mars im Widder, der 1940/1942 in Fortsetzungen in der Berliner Zeitschrift Die Dame veröffentlicht, die Buchausgabe allerdings verboten wurde. Die restlichen Kriegsjahre verbrachte L.H. in einer Art inneren Emigration in der Heeresfilmstelle, wo  es ihm gelang, sich weiteren Einberufungen zu entziehen.  Die Schaffensperiode nach 1945 ist nach anfängl. Mitarbeit am Österreichischen Tagebuch vor allem durch Präsenz in der katholisch-konservativen Publizistik, u.a. in der Zs. Der Turm, später im Forum, geprägt. Darin beschrieb er die Rolle der Lit. u. des Schriftstellers nach 1945 wie folgt: „In der Tat brauchen wir nur dort fortzusetzen, wo uns die Träume eines Irren unterbrochen haben, in der Tat brauchen wir nicht  voraus- sondern nur zurückzublicken“. Weitere Romane und Novellen folgten, die z.T. eher zu Skandalen neigten oder über historisch-populäre Sachbücher nicht weit hinauskamen. L. blieb bis zu seinem Tod 1976 literarisch aktiv, war 1969 bis 1972 Präsident des PEN, sprach sich vehement gegen die Verleihung des Nobelpreises an H. Böll aus, und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie den Preis der Stadt Wien (1951) u. den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur (1961).


Weitere Werke (Auswahl)

Parforce , 1928 (Kom.); Die nächtliche Hochzeit, 1929 (Kom., 1930 als Roman); Die Abenteuer eines jungen Herrn in Polen, 1931 (Roman); Die Eroberung von Brody, 1934 (Erz.); Die goldene Horde. Gedichte und Szenen, 1935; Der Baron Bagge, 1936 (Novelle); Die Auferstehung des Maltravers, 1936 (Roman); Mars im Widder, 1941 (Roman); Beide Sizilien, 1942 (Roman); Germanien, 1946 (Lyrik); Der zwanzigste Juli, 1947 (Erz.); Der Mann im Hut, 1953 (Roman); Der Graf Luna, 1955 (Roman); Die vertauschten Briefe, 1958 (Roman); Das Halsband der Königin, 1962 (Roman); Die weiße Dame, 1965 (Roman);Die Thronprätendenten, 1965 (Theaterstück); Pilatus. Ein Komplex, 1967 (Roman); Die Hexen, 1969 (Roman); Die Geheimnisse des Hauses Österreich. Roman einer Dynastie, 1971.

Quellen und Dokumente

Franz Horch: Zwei österreichische Dramatiker: Hans Müller – Alexander Lernet-Holenia. In: Radio-Wien Nr. 51/1928.

Nachlass: Angaben bei lernet-holenia.com bzw. ONB.

Literatur

Dietz, Christopher: A. L.-H. und Maria Charlotte Sweceny. Briefe 1938-1945. Wien (2013) [Online verfügbar]; Pott, Peter: Alexander Lernet-Holenia: Gestalt, dramatisches Werk und Bühnengeschichte. Wien 1972; Roček, Roman: Die neun Leben des Alexander Lernet-Holenia. Eine Biographie.  Wien- Köln- Weimar 1997; Hübel, Thomas (Hg.) A. Lernet-Holenia. Resignation und Rebellion. Beiträge des Wiener Symposiums zum 100. Geburtstag d. Dichters. Riverside 1999; Ruthner Clemens: Fatale Geschichte(n) im ›Zwischenreich‹. Zur postkolonialen Fantastik Alexander Lernet-Holenias. In: kakanien revisited, 2002; = überarb. Fassung des ED in Th. Hübel (1999) [Online verfügbar]; Amann Klaus: Der Zweite Weltkrieg in der Literatur. Österreichische Beispiele [Online verfügbar]; Mayer Franziska: Wunscherfüllungen. Erzählstrategien im Prosawerk A. Lernet-Holenias. Wien-Köln 2005.

Kurt Kahl: PEN wie Pension? Die Österreicher nach dem Rücktritt von Lernet-Holenia. In: Die Zeit, 24.11.1972, Ulrike Diethart: Alexander Lernet-Holenia: Aufstieg und Untergang des Hauses Österreich. Kleinbürgertum und Großbürgertum in Österreich. Bei: Literaturhaus.at.

Biographischer Abriss bei lernet-holenia.com, Angaben zur Internationalen A. L.-H.-Gesellschaft, Eintrag bei stifterhaus.at, Eintrag zur Verfilmung von Ollapotrida bei film.at.

(MA)