geb. am 24.1.1889 in Graz – gest. am 7.12.1964 in Wien; Journalist, Kritiker, Schriftsteller

R. wurde als Sohn des an der Universität Graz als Physiologe wirkenden Alexander Rollett geboren und besuchte nach mäßigen Noten in der Untermittelschule in Graz das Obergymnasium in Pettau (heute: Ptuj). Nach der Matura studierte R. trotz schwacher Schulleistungen im Sprachunterricht Germanistik und Klassische Philologie in Graz und Prag. Nach der Promotion in Graz Ende 1912 wurde R. Mitarbeiter an August Sauers Grillparzer-Ausgabe in Wien; 1923-25 sollte er mit Sauer im Auftrag der Stadt Wien eine Sammlung der Werke Grillparzers herausgeben. Im Mai 1913 erhielt R. einen Redakteursposten bei der von Karl Glossy geleiteten Oesterreichischen Rundschau. Im Krieg geriet R. in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst Anfang 1921 nach Wien zurückkehrte. Mithilfe Glossys erlangte R. einen Posten bei der amtlichen Wiener Zeitung und fungierte zunächst zudem als Korrespondent mehrerer kroatischer Zeitungen. 1928-31 war R. Leiter der Zs. Der Komödiant des österreichischen Bühnenvereins und 1928-33 Korrespondent der Münchner Zeitung. Anfang 1938 wurde er Leiter der Volkszeitung. Ab 1935 bzw. 1946 war R. Herausgeber der Neuen Österreichischen Biographie (Band 8) und der Reihe Ewiges Wort.

Nachhaltige Bedeutung sollte R. als Redakteur der Wiener Zeitung in den Jahren 1921-38 und 1945-64 erlangen, für dessen Feuilleton er zunächst unter der Führung Otto Stoeßls und ab 1935 als Leiter überwiegend Literatur- und Theaterkritiken sowie literaturgeschichtliche Essays verfasste. Wohlwollend von Karl Kraus, den er in Eduard Castles Deutsch-österreichischer Literaturgeschichte beschrieb, rezipiert, orientierte sich R. anhaltend an der russischen Literatur (vgl. u.a. zu Tairoffs Moskauer Künstlertheater am 18.6.1925, zu Tschechow am 15.7.1926 sowie zu Dostojewski am 8.2.1931), während er dem deutschen Expressionismus gegenüber, etwa eine Georg Kaiser, anlässlich der Inszenierung von Brand im Opernhaus zunächst eine reservierte Haltung einnahm (8.1.1925). R. rezipierte auch das Musik- und Theaterfest der Stadt Wien 1924 und besprach Paul Frischauers Drama Im Dunkel, realisiert auf der Raumbühne Friedrich Kieslers. Weitgehend unbeachtet blieben dagegen R.s eigene literarische Versuche. Vor allem in der Wiener Zeitung und der Volkszeitung, aber auch in anderen Medien erschienen Feuilletons sowie kürzere und längere Prosatexte wie die Erzählungen Von anderer Art und  Gartengasse, die 1929 bzw. 1932 in Fortsetzungen im sozialdemokratischen Kleinen Blatt zum Abdruck gelangten. Unveröffentlicht blieben die Mitte der Zwanzigerjahre entstandenen Dramen Heimaterde und Die sündige Welt (nach der Musik Fritz Cecerles) sowie der Roman Angela.

Bereits 1933/34 trat R. in Artikeln („Es ist das Gebot der Klugheit für alle österreichischen Bühnen, das auszunützen, was die deutschen, teils freiwillig, teils unter Druck, den künstlichen Kern ihres Bestehens verleugnend, aufgegeben haben.“ – 30.7.1933) wie auch mit Wandzeitungen aktiv gegen den Nationalsozialismus auf; am 10. Juni 1938 wurde er inhaftiert und nach Dachau deportiert. Im Frühjahr 1940 kehrte er nach Wien zurück und wurde mit einem Publikationsverbot belegt. 1945 schloss R. sich wieder der Wiener Zeitung an, gründete mit Viktor Matejka und Leopold Liegler die Kraus-Gesellschaft und wurde Präsident des Verbandes demokratischer Schriftsteller und Journalisten Österreichs. 1946 fungierte R. als Cheflektor des Zsolnay-Verlags und war 1946-1948 literarischer Leiter der Wiener Dependance des Ullstein-Verlags. 1948 führte er die Proteste gegen die (Wieder-)Veröffentlichung Josef Nadlers Literaturgeschichte Österreichs an.


Werke

Gedruckte Referate: Die Österreichische Gegenwartsliteratur (1946), Der Schriftsteller in der Demokratie (1947), Die schöne Literatur und ihre Widersacher von heute (1948), Festschrift 250 Jahre Wiener Zeitung, darin: Der Theaterkritiker und sein Amt (1953)

Quellen und Dokumente

Arthur Schnitzler. In: Wiener Zeitung, 13.5.1922, S. 2f., Alfons Petzold [Nachruf]. In: Wiener Zeitung, 30.1.1923, S. 3f., Rudolf Hans Bartsch. In: Wiener Zeitung, 10.2.1923, S. 3, Stefan George. In: Wiener Zeitung, 19.5.1923, S. 3f., Premiere auf der Raumbühne. In: Wiener Zeitung, 4.10.1924, S. 5, Musik- und Theaterfest 1924. „Der Knecht“ von Richard Billinger. Uraufführung im großen Konzerthaussaale. In: Wiener Zeitung, 15.10.1924, S. 4, Aus vierzig Jahren Feuilleton. Die Literatur und ihre Betrachtung in der „Wiener Zeitung“ 1888 bis 1928. In: Wiener Zeitung, 15.5.1928, S. 40-44, Fontanes Gegenwart. Zu seinem 30. Todestag am 20. September. In: Wiener Zeitung, 20.9.1928, S. 1f., Graz. Der Glückwunsch eines Abtrünnigen. In: Wiener Zeitung, 29.9.1928, S. 4-6, „Komödie“. „Oktobertag.“ Von Georg Kaiser. In: Wiener Zeitung, 30.11.1928, S. 9Peter Altenberg. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages. In: Wiener Zeitung, 8.1.1929, S. 1f., Von anderer Art. In: Das Kleine Blatt, 11.8.1929, S. 15 bis 26.8.1929, S. 9, Gartengasse. In: Das Kleine Blatt, 14.2.1932, S. 21 bis 29.2.1932, S. 5, Rußlandbücher aus Vergangenheit und Gegenwart. In: Wiener Zeitung, 9.11.1932, S. 1-3Rudolf Brunngraber. In: Wort in der Zeit 6 (1960), H. 3, S. 7-15.

Literatur

Karin-Heidi Hackenberg: Der Kritiker, Journalist und Schriftsteller Edwin Rollett. Ein Beitrag zur Wiener Theaterkritik im 20. Jahrhundert (1985).

(ME)