Singer, Erich
Geb. 10.4. 1896 in Czernowitz (k.k. Österreich-Ungarn), gest. 3.5. 1960 in London. Graphologe, Herausgeber, Schriftsteller, Exilant.
Singer studierte an der Univ. Wien Rechtswissenschaften und Psychologie und wirkte ab 1927 in Wien bis 1938 als Rechtsanwalt und Herausgeber, z.B. eines Bänkelbuches bei E.P.Tal (1921; 2. erw.Aufl. 1929; Neuaufl. 1966). Daneben veröffentlichte er auch Gedichte, z.B. den Band Heiterkeit (E.P.Tal, 1920) bzw. in verschiedenen Zeitungen wie z.B. in der Muskete, in der er parodist. Nachdichtungen (zu Csokor, Schnitzler oder Wildgans) veröffentlichte sowie in der Zs. Die BühneGegründet 1924 durch den umstrittenen Zeitungsunternehmer Emmerich Bekessy, erschien die Zs. ab 6.11.1924 als Wochenzei.... 1924 profilierte er sich auch als Übersetzer des damals vieldiskutierten Romans La Garçon von V. Margueritte, den er zugleich parodierte. Im Schutzverband Deutscher Schriftsteller (Vors. H.v. Hofmannsthal) wurde er im Februar 1925 in den Vorstand als Kassier gewählt; als assist. Rechtsanwalt vertrat er im Okt. 1925 die Angeklagten verantwortlichen Redakteure der Zs. Ich und Du (Hg. H. Bettauergeb. als Hugo Maximilian Bettauer am 18.8.1872 in Baden – gest. am 26.3.1925 in Wien; Schriftsteller, Journalist, ...) erfolgreich gegen den Vorwurf des Verstoßes gegen die öffentl. Sittlichkeit. 1930 verfasste er die einleitenden Worte für eine Lesung von Erich Kästner im RAVAG-Programm. 1938 flüchtete er vor dem NS über die Schweiz nach Großbritannien, wo er fortan lebte, Mitglied des engl. PEN und britischer Staatsbürger wurde, seinen Vornamen auf Eric stellte und sich insbes. auf Graphologie spezialisierte. Seine Herausgebertätigkeit und literarische Arbeit setzte er jedoch auch in deutscher Sprache fort.
Materialien und Quellen:
E.Singer: Nach A. Schnitzlergeb. am 15.5.1862 in Wien - gest. am 21.10.1931 in Wien; Schriftsteller, Kritiker, Arzt Der älteste Sohn des angesehene...: Maskelei (zu Anatol); in: Die Muskete, 20.12. 1922, S. 11; E.Singer: Der Platoniker. In: Die Muskete, 1.3. 1923, S. 23; N.N.: Geheime Verhandlung (= Presseprozess gegen Zs. Ich und Du). In: Illustriertes Wiener Extrablatt,3.10. 1925, S. 7; Parodierte Literatur. (Nach K.H. Bartsch). In: Die Bühne H. 119/1927, S. 23; Anzeige zum Bänkelbuch (2. erw. Aufl.): Tage-Buch Nr. 27/1929, S. 1127; Einleitende Worte, Lesung E. Kästner, Radio Wien (Programmhinweis): Radio Wien 31.10. 1930, S. 46;
Immer gleiten die Flüsse. Gedichte. Köln: K&W 1956.
(PHK, in preparation)

