Über Elsa Taubers Leben und vor allem über ihren Verbleib ab 1941 liegen wenige Daten vor. Gewiss ist, dass T. am 26.08.1884 in Wien geboren wurde. Bis zum Tod des Vaters im Jahr 1915 lebte die Familie in Wien in der Custozzagasse 8. Robert Tauber, E.s Bruder, konnte 1939 von der Schweiz über Antwerpen nach New York flüchten.

T. war Redakteurin und Feuilletonistin des Neuen Wiener Journals, wobei sie sich zwischen 1915 und 1927 neben ‚klassischen’ Frauenthemen wie Mode, Schmuck oder Frisuren schwerpunktmäßig zu feministischen Diskursen wie Bildung, Erwerbstätigkeit, Ehe und Emanzipation reflektiert und kritisch äußerte. Mit Bezug auf die dominanten zeitgenössischen Rollenzuschreibungen, versuchte Tauber angesichts der sich abzeichnenden Umgestaltung der politischen und sozialen Verhältnisse die Spielräume von Frauen, zum Beispiel „ihren Platz in der Öffentlichkeit“, nahe und engagiert auszuloten. Unter anderem plädierte sie für „politische Anerkennung der Frauenrechte“ und dafür, dass „ein von Männern und Frauen gewählter Rat […] Oesterreichs Geschicke steuern [soll]“ (Tauber, in: Neues Wiener Journal, 26.10.1918, S. 4). In den Folgejahren konfrontierte sie ihre LeserInnen mit verschiedenen – zum Teil neuartigen – Erscheinungsbildern der Frau. Unter reißerischen Titeln wie Das selbstständige MädchenModerne MütterDie Kollegin oder Die Frau mit Grundsätzenanalysierte Tauber u.a. genderspezifische Verhältnisse, die sie auf Position und Aussehen zurückführte. Eine kollegiale Beziehung zwischen Mann und Frau wäre demnach kaum möglich. Obwohl Frauen im Jahr 1922 vermehrt Berufe ausübten, wären sie im Gegensatz zum vorgesetzten Mann meist nur die Hilfsarbeiten ausführenden Kräfte. Männer glaubten, so Tauber, den Frauen geistig überlegen zu sein, auch wenn – oder besser: gerade wenn – den Kollegen die körperlichen Reize der Kollegin auffallen würden (vgl. Tauber, in: Neues Wiener Journal, 19.2.1922, S. 6). Tauber erkannte aber auch, dass der selbständige Weg für Frauen kein leichter wäre: „Eine gebildete Frau, die es verschmäht, den Mann als Hilfsmittel zu gebrauchen, und die durch ihre Arbeitsleistung eine geachtete Stellung, Reichtum und Sorglosigkeit erringen will, erreicht dieses Ziel trotz aller bedeutenden geistigen Anlagen und aller intensiven Bemühungen fast nie. Wie der Turner den Anlauf braucht und aus halber Höhe nicht weiterkommt, ergeht es ihr“ (Tauber, in: Neues Wiener Journal, 12.2.1922, S 5). Eine mögliche Hilfestellung auf diesem Weg markiert für Tauber die Errungenschaft der Mode für die weibliche Emanzipation. Frauen hätten es verstanden, sich aus vorangegangenen Modezwängen zu befreien und die Bedeutung der Mode für sich und ihre berufliche Karriere zu nutzen, denn „die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, daß im Berufsleben nicht nur Kleider Leute machen, sondern daß ein gefälliges Aussehen sehr oft den persönlichen Erfolg ungemein günstig beeinflußt“ (Tauber, in: Die Österreicherin, 1928, 3, S. 6). In ihrem populärwissenschaftlichen Buch Der Mann. Ein Buch für Frauen – 1925 gemeinsam mit ihrem Bruder Robert Tauber veröffentlicht – „beleuchtet und durchleuchtet [Tauber den Mann] und macht ihn schlimmer als er ist“ (Illustriertes Familienblatt. Häuslicher Ratgeber für Österreichs Frauen, 1926, 10, S. 17). Zwischen 1926 und 1937 war sie mit einigen, dem Rollenbild des Ständestaates angepassten Kurzbeiträgen in der Sendeleiste Stunde der Frau von Radio Wien präsent und veröffentlichte fallweise auch Beiträge in Der Morgen sowie Moderne Welt. 1931 erschien der Roman Zwei unterwegs. Das preisgekrönte dramatische Kindermärchen Lumpenlieschen wurde im Wiener Carltheater aufgeführtNeben ihren schriftstellerischen und publizistischen Tätigkeiten war Tauber die erste Frau im Journalisten- und Schriftstellerverband Concordia sowie Mitglied der Organisation der Wiener Presse. Ferner erhielt sie die Silberne Ehrenmedaille des Roten Kreuzes mit Kriegsdekoration für ihren freiwilligen Kriegsdienst als Krankenpflegerin während des Ersten Weltkriegs. Am 16.5.1939 füllte Tauber den Fragebogen der Auswanderungsabt. der IKG Wien aus, in der Hoffnung emigrieren zu können. Bemerkenswert dabei ihre Begründung zur Frage, wohin Sie auswandern wolle, zugleich ihr nachweislich letztes Lebenszeugnis: „Wo ich die Möglichkeit habe, wieder als Mensch zu leben“. Gemäß einer Zeugenaussage ihrer Freundin Josefine Ernst zum Tauber-Eintrag in Yad Vadshem, soll sie 1941 in Wien „erschlagen“ worden sein. Ihre letzte Wohnadresse war Wiesingergasse 9, 1010 Wien.


Werke

Der Mann. Ein Buch für Frauen (1925), Zwei unterwegs (1931), diverse Märchen, u.a. Lumpenlieschen

Quellen und Dokumente

Das selbstständige Mädchen. In: Neues Wiener Journal, 12.9.1921, S.3; Die Frau mit Grundsätzen. In: Neues Wiener Journal, 30.12.1923, S. 18; Die Ausrede des Frauenberufes. In: Neues Wiener Journal 22.6.1924, S. 15; Die Kollegin. In: Neues Wiener Journal, 19.2.1922, S. 6; Frauenaufstieg. In: Neues Wiener Journal, 12.2.1922, S 5; Frauenbewegung und Mode. In: Die Österreicherin, 1928, 3, S. 6; Mütter. In: Neues Wiener Journal, 12.11.1927, S. 22Illustriertes Familienblatt. Häuslicher Ratgeber für Österreichs Frauen, 1926, 10, S. 17; Moderne Galanterie. In: Neues Wiener Journal, 25.12.1927, S. 24f; Moderne Mütter. In: Neues Wiener Journal, 27.12.1920, S. 2; Neu-Oesterreich und die Frauen. In: Neues Wiener Journal, 26.10.1918, S. 4; Yad Vashem: Zeugenaussage zu Todesjahr und Todesumstände

Literatur

S. Blumesberger (Red.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Bd. 3 (2002), S. 1364.

(MP)