geb. am 16.10.1839 in Ulm – gest. am 6.2.1923 in Wien; Schriftsteller, Journalist, Librettist

In Ulm und Stuttgart aufgewachsen, besuchte W. das Evangelisch-Theologische Seminar in Blaubeuren, ehe er in Tübingen Philosophie inskribierte. 1860 zog er nach Paris, brach eine Banklehre dort jedoch rasch ab und widmete sich fortan dem Journalismus. W. verfasste bald Kritiken für verschiedene Pariser Blätter und wurde 1869 Korrespondent der Wiener Neuen Freien Presse(NFP). Nach dem deutsch-französischen Krieg zur Ausreise gezwungen, nahm W. 1872 eine Stelle als Redakteur der NFP in Wien an und konnte sich zusehends als bedeutender bürgerlicher Feuilletonist etablieren. Als Korrespondent wirkte W. u.a. für das Journal de St. Petersbourg, den Figaro und die Breslauer Morgenzeitung. Anfang Februar 1906 trat er nach intensiver Zusammenarbeit, die etwa in der Veröffentlichung eines Buches zu Friedrich Schiller führte, die Nachfolge Ludwig Speidels als Burgtheaterreferent der NFP an.

In seiner journalistischen Tätigkeit positionierte sich W. in seine Kritiken und Feuilletons als Vermittler zwischen deutschsprachiger und französischer Literatur. Ab 1883 mit der Sängerin und Schauspielerin Helene Weinberger verheiratet, engagierte sich W. zunehmend am Theater und verfasste drei Bühnenstücke sowie zahlreiche Opernlibretti, mit Oskar Blumenthal, Gustav Davis, Theodor Herzl und Alois Wohlmuth und vor allem mit Julius Bauer.

In Kriegstagen fungierte W. neben Herausgeber Moriz Benedikt als Sprachrohr der NFP anlässlich ihres fünfzigjährigen Bestehens (siehe NFP, 1.9.1914, S. 8) und konnte seine Bedeutung in der bürgerlichen Öffentlichkeit auch im hohen Alter behaupten. Neuerlich gemeinsam mit Bauer trat W. auch nach dem Ersten Weltkrieg mit zeitkritischen Libretti in Erscheinung, so bei der von der Roten Garde gestörten Aufführung von Der Kongreß tanzt (1918) wie auch bei Der Hofnarr (1920), Die sieben Schwaben und Das Sonntagskind (beide 1922).

W.s Geltung veranschaulichen die ausführlichen Reaktionen auf sein Ableben im Februar 1923. Die NFP veröffentlichte neben umfänglichen Nachrufen ein Schreiben Bundeskanzler Ignaz Seipels, die Wiener Zeitung würdigte W. als prägenden Vertreter des Wiener Feuilletons sowie eine der „besten, erlesensten und verehrtesten Persönlichkeiten des Wiener Schrifttums“ (Wiener Zeitung, 7.2.1923, S. 5). Rudolf Holzer prägte 1926 im Neuen Wiener Journalanlässlich einer von Hermine Cloeter besorgten Auswahlausgabe das Bild W.s als Lehrmeister der bürgerlichen Feuilletonisten zwischen den Kriegen, in einem programmatischen Beitrag in der Vossischen Zeitung adelte Hermann Bahr ähnlich wie Edmund Wengraf als Präsident des Schriftstellerclubs Concordia W. als „letzte[n] Klassiker des Wiener Feuilletons“.


Werke

Musikalische Momente. Geschichten und Erinnerungen (1879), gem. mit Ludwig Speidel (Hg.): Bilder aus der Schillerzeit. Mit ungedruckten Briefen an Schiller (1884).

Quellen und Dokumente

Beiträge H. W.s: Wenn sie einmal sich vergaß … In: Neue Freie Presse, 7.4.1912, S. 1-5, Im fünften Jahr der Ehe. In: Neue Freie Presse, 25.12.1913, S. 1-5, Der junge Heine. In: Neue Freie Presse, 16.6.1914, S. 1-4, Wiener Festtage. In: Neue Freie Presse, 23.5.1920, S. 1-4, Die Flucht vor dem Kinde. In: Neue Freie Presse, 25.12.1921, S. 1-3,

g.f.: H. W. In: Neues Wiener Tagblatt, 7.2.1923, S. 6, H-r: H. W. In: Wiener Zeitung, 7.2.1923, S. 5Raoul Auernheimer: H. W. In: Neue Freie Presse, 8.2.1923, S. 1-3, N.N.: Das Ehrengrab für H. W. Enthüllung des Grabdenkmals von Edmund Hellmer. In: Neue Freie Presse, 31.10.1924, S. 6f., Hermann Bahr: Das Feuilleton. In: Das Unterhaltungsblatt der Vossischen Zeitung, 15.1.1926, Rudolf Holzer: H. W. als Erzieher. In: Neues Wiener Journal, 31.3.1926, S. 3f.

Literatur

Ruth Esterhammer: Kraus über Heine. Mechanismen des literaturkritischen Diskurses im 19. und 20. Jahrhhundert, S. 343 (2005), Peter Leisching: Hugo Wittmann. Prosopographie eines eingewienerten Schwaben pariserischer Prägung. In: Sigurd Paul Scheichl, Wolfgang Duchkowitsch (Hg.): Zeitungen im Fin de siècle, S, 197ff. (1997), Constantin von Wurzbach: Wittmann, Hugo. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 57. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1889, S. 167 [Digitalisat]

Christian Fastl: W., H. Eintrag im Musiklexikon der ÖAW (2001).

(ME)