Renaissancebühne

(1912-32; 1938-heute)

Die RB wurde als Theatersaal 1912 in der Neubaugasse im 7. Wiener Bezirk errichtet, umfasste ursprünglich respektable 844 Sitzplätze (später auf etwa 660 reduziert). Initiator war der Verein Wiener Freie Volksbühne, der sie ab Dezember 1912 bis 1916 auch bespielte. Das Repertoire war weitgefasst; neben Wiener Klassiker-Stücken, insbes. von Nestroy (Eröffnung mit seinem Stück Kampl) widmete sich die RB v.a. der zeitgenössischen ‚jungen‘ Literatur. U.a. erlebten dort Else Feldmanns Der Schrei, den niemand hört (1916), sowie Texte von O.M. Fontana, G. Hirschfeld, aber auch R. Rolland ihre Ur- oder österr. Erstaufführungen. 1916 übernahm A. Rundt das Ensemble, wechselte aber die Spielstätte (bis 1918). 1920 kam es zu einer Art Neugründung des Trägervereins, der fortan als Wiener Freie Bühne firmierte und das Theater, das auch 1919 einen (Lust)Spielbetrieb aufrecht hielt, bis 1931 neuerlich bespielte. Es gelang ihm, auch in den schwierigen Inflationsjahren, sich einigermaßen zu behaupten, u.a. dank spektakulärer und kontrovers aufgenommener Texte wie z.B. 1923 das Drama Die Schwester von Hans Kaltneker mit Ida Roland in der Hauptrolle. Ab 1925 bis 1931 leitete der Schauspieler und Regisseur Josef Jarno die Renaissancebühne; in diesen Jahren erlebte sie ihre Blütezeit, u.a. auch mit Schauspielerinnen wie M. Eis oder G. Werbezirk sowie mit einem klaren Akzent auf das Gegenwartstheater. 1932 wurde sie nach angemeldetem Konkurs und Tod Jarnos geschlossen und bis 1938 eigentlich nicht mehr bespielt. Das letzte Stück, das 1931 zur Aufführung kam, war das Cattaro-Stück von F. Wolf. In der NS-Ära mehrmals reaktiviert und meist wieder geschlossen sank sie 1941-44 zu einer mäßigen Operettenbühne hinab. Bedauerlicherweise scheiterten auch die meisten kurzlebigen Versuche ab 1946, die RB wieder erstehen zu lassen. Seit 1970 beherbergt sie das Theater der Jugend.

Materialien und Quellen:

Eintrag in: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Renaissancetheater.

W.B.: „Elga“ in der Renaissancebühne. In: WAZ, 18.5. 1921, S. 6; N.N.: Das Eröffnungsprogramm der Renaissancebühne. In: Die Stunde, 25. 9. 1924, S. 5;

Nachruf von D[avid] B[ach]: Der Bühnenleiter Josef Jarno. In: AZ, 14. 1. 1932, S. 4.

Ingrid Pötz: Zur Geschichte des Theaters in der Neubaugasse. Volksbühne – Renaissancebühne. = Diplomarb. Universität Wien 1986.

(PHK, in preparation)