Fontana, Oskar Maurus

geb. am 13.4.1889 in Wien – gest. am 4.5.1969 in Wien; Schriftsteller, Kritiker, Journalist, Herausgeber

Das Porträtmodul von Primus-Heinz Kucher finden Sie hier.

Nach angefangenem, nicht beendetem Philosophiestudium begann F. 1909 für die Zs. Die Wage Theaterkritik zu verfassen und lernte dabei wichtige Vertreter der zeitgenöss. Lit. und Kritik kennen wie z.B. Hermann Bahr, Stefan Zweig und Alfred Polgar. 1913 verfasste er zwei Theaterstücke, Die Milchbrüder und Marc, die auch aufgeführt wurden. Okt.-Dez.1914 nahm F. am Ersten Weltkrieg an Operationen gegen Serbien teil, wurde dann 1915 aber ins Kriegspressequartier versetzt, wo er propagandistische Texte verfasste. Zugleich bewegte er sich im formierenden expressionistischen Umfeld rund um Albert Ehrenstein, für F. „der radikalste im Ausdruck, der schärftste im Ton“, und Alfons Wallis, mit dem er 1917 die express. Zs. Flugblatt herausgab. Im Pester Lloyd veröffentlichte er den Aufruf Wir sind der Geist! 1919 zwar demobilisiert, verblieb F. bis 1924 im Staatsamt für Heerwesen, wo auch R. Musil tätig war, mit dem er in den 1920er Jahren in regelmäßigem Kontakt stand. Zugleich näherte sich F. der sozialdemokratischen Partei an und trat als programmatisch links orientierter Kritiker zu Fragen der proletarischen Lesekultur und Literaturkritik in der Zs. Bildungsarbeit ebenso in Erscheinung wie in der Arbeiter-Zeitung und Ende der 1920er Jahre in Kunst und Volk. 1919 erschien der Roman Die Erweckung, 1920 der Novellenbd. Empörer, 1921 folgte Der Tribun auf der Flucht, 1923 Elephantine (1946 bearbeitet u. neu hg. als Katastrophen am Nil). Sein wichtigster Text war jedoch der Roman Gefangene der Erde (1928). In den 1920er Jahren war F. auch als Kritiker für Berliner Zeitschriften tätig, z.B. für das Tage-Buch zwischen 1927 und 1932 mit Beiträgen zur Reklame-Debatte und Buchkritiken. Auf dem P.E.N.-Kongress von Ragusa/Dubrovnik 1933 bezog F. klar gegen den Nationalsozialismus Stellung, woraufhin ab 1935 seine Bücher auf den NS-Verbotslisten standen. Nach dem Februar 1934 suchte er ein Arrangement mit dem Austrofaschismus zu finden und trat in der Ztg. Der Wiener Tag die Nachfolge Polgars an. 1938 ging F. nicht wie von Freunden erwartet ins Exil an, sondern blieb in Wien u. publizierte unter Pseudonymen für verschiedene Zeitungen, u.a. für das Neue Wiener Tagblatt und 1940-1944 für die Kölnische Zeitung, aber auch für die Org. Dr. Todt den Roman Beton am Atlantik (1941). Nichtsdestotrotz hielt er bis 1939 Kontakt mit emigrierten Freunden, z.B. mit Friedrich Adler und knüpfte unmittelbar nach 1945 wieder an zahlreiche Bekanntschaften an. Aufgrund vielfacher Präsenz in Zeitungen wie z.B. als Hg. des Wiener Kurier (1945-46), in Verlagen, im Demokratischen Schriftstellerverband und im Buchklub der Jugend war er für Exilanten eine wichtige Brücke, für manche verbunden mit der Hoffnung auf Rückkehr, die freilich in den meisten Fällen sich nicht als tragfähig erwies.


Weitere Werke

Das Märchen der Stille (1910) Die Aussaat. Prosa und Verse einer neuen Jugend (Anthol. Hg. 1916), Triumph der Freude (1920), Hiob der Verschwender (1925), Der Weg durch den Berg (1936), Sie suchten den Hafen (1946)

Quellen und Dokumente

Wir sind der Geist. In: Pester Lloyd [1918]; Vom Krieg und Frieden in der Literatur. In: Bildungsarbeit 1/2 (1919), S. 16; Programme für Vorlesungen. In: Bildungsarbeit 3/4 (1919), S. 10, Wanzen. In: Der Morgen, 27.9.1926, S. 5, Abschied von Peter Altenberg. In: Der Morgen, 23.5.1927, S. 5, Derby-Decadence. Glossen zum sonntägigen Kampf um das blaue Band. In: Der Morgen, 7.6.1927, S. 7.

Vortrag von Oskar Maurus FontanaExpressionismus in Wien (1966).

Nachlass: Wien-Bibliothek, Sign. ZPH 412.

Literatur

Primus-Heinz Kucher: Porträtmodul zu O. M. Fontana (2016).

Paul Wimmer: Oskar Maurus Fontana. In: Wiener Bücherbriefe 1979, Nr. 3, S. 69 ff.; Roman Roček: Glanz und Elend des P.E.N. (2000), Alexandra Reininghaus: Oskar Maurus Fontana. Wiener Feuilleton im Wechsel der österreichischen Geschichte (2008, vgl. dazu die Rez. durch E. Polt-Heinzl: http://www.literaturhaus.at/index.php?id=4020, Zugriff vom 16.8.2015).

(PHK)