Bartl, Fritz

geb. am 23.12.1894 in Wien – gest. am 27.7.1962 in Wien; Arbeiterdichter.

Bartl wurde nach seiner Schulzeit Kellner und arbeitete im (Wiener) Hotel de France. Im Zuge des Ersten Weltkrieges wurde er verwundet und zum Invaliden. In der Weltwirtschaftskrise Hilfsarbeiter, war F. B. schließlich bis 1934 Bahnangestellter. Er veröffentlichte schon früh sozial-satirische Gedichte. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen finden sich in sozialdemokratisch orientierten oder in kommunistischen Zeitungen und Zeitschriften. Ob die Satire Das goldene Wiener Herz (RF 5.2.1925 unter Sigle F.B. abgedruckt), von ihm geschrieben wurde, lässt sich jedoch nicht verifizieren. Ab 1930 Vorstandsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Österreichs: aus dieser Zeit ist keine Veröffentlichung, jedoch die Ankündigung einer Lesung F. B.s in der »Roten Fahne« dokumentiert. 1933 wurde er Vorstandsmitglied der Vereinigung sozialistischer Schriftsteller. Im austrofaschistischen Ständestaat war Fritz Bartl Mitarbeiter der Arbeiterwoche. In diese Zeit fällt auch die Ausstrahlung eines Hörberichts mit Sprechchor Die Erzeugung von Autoreifen (Radio Wien, 6.6.1935, S. 5) sowie die Aufführung der vierteiligen Sinfonie der Arbeit im Wiener Kulturclub (Vertonung durch Kurt Pahlen; vgl. Der Tag, 19.6.1936, S.11).Wie weit Bartls 1938 formulierte Absage an seine ideologischen Wurzeln der Vorsicht gegenüber dem austrofaschistischen Regime geschuldet oder einem Gesinnungswandel entsprungen ist, lässt sich schwer entscheiden: »[…] daß viele denselben Irrtum begehen, den ich fast zwei Jahrzehnte beging. […] wie ich mich an Partei- und Sozialdoktrinen überbot. Der Weg der Einseitigkeit scheint mir der gefährlichste.« (Wie ich zum Dichten kam. In: Tagblatt (Linz) 22.2.1938, S.7f.)

Während des Nationalsozialismus leistete er nach eigenen Angaben verdeckte Widerstandsarbeit.

Nach 1945 arbeitete er als Angestellter und veröffentlichte eine Reihe selbständiger Publikationen.   

Werke:

Österreichische Menschen. Gedichte. Ein Zyklus, Wien 1933; Was ich alles sah. Wien 1936; Große Menschen. Gedichte. Wien 1936; Freudenau 1943. Ein wienerisches Epos in Spielszenen. Wien 1945; Wurstelprater. Ein wienerisches Epos. Wien 1946.

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Quellen und Dokumente

Nachlass, unveröffentlichte Manuskripte und Verzeichnis aller Publikationen im Archiv der Theodor Kramer Gesellschaft: F.BA.I und F.BA.II: https://theodorkramer.at/projekte/exenberger/mitglieder/fritz-bartl
Brief im Juni 1945 an Viktor Matejka, den er als „Rechtfertigungsbericht“ über seine Zeit während des Nationalsozialismus in Wien übertitelt, beschreibt er antifaschistische Aktionen, an denen er beteiligt war (F.BA.I/7).

F. Bartl: „Er, nur er…“ In: Arbeiterwille, 24.4.1927, S. 12 (Parodie auf Seipel); F. Bartl: Lotterie in der Vorstadt. In: Die Unzufriedene, 25.6. 1933, S. 3; F. Bartl: Um aus Schmerzen einen Weg zu finden. In: Das Kleine Blatt, 16.1.1934, S. 3-4; F. Bartl: Eine Suppe bitte. In: Arbeiterinnen-Zeitung Nr.2/1934, S. 10; F. Bartl: Haben Sie nichts zu versetzen? In: Das kleine Frauenblatt, 30. 12. 1934, S. 4; F. Bartl: Was macht man ohne Geld. In: Das kleine Frauenblatt, Nr. 11/1935, S. 4; F. Bartl: Meine Nichte besucht Kurse. In: Das kleine Frauenblatt, Nr. 15/1935, S. 4; F. Bartl: Waschtag. In: Die Unzufriedene, 17.5.1936, S. 4; N.N.: Kurzrezension zu: F. B.: Österreichische Menschen. In: NWJ, 15.8.1937, S. 20; Fritz Bartl: Eigenvorlesung. In: Radio Wien, 3. 9. 1937, S. 13.

Literatur

Kristina Trefil (2014), Essay zu Fritz Bartl. Lehrveranstaltung »Antifaschistische Publizistinnen der Ersten Republik: die Vereinigung Sozialistischer Schriftsteller«. https://theodorkramer.at/site/assets/files/1029/fritz_bartl.pdf.

(GM)