Dieser vom Bund deutscher Schriftsteller Österreichs, einer 1936 gegr. und von Max Mell geleiteten Tarnorganisation der NS-Kulturpropaganda in Österreich herausgegebene Sammelband, begrüßte enthusiastisch den gerade erfolgten Anschluss, d.h. die Okkupation und Einverleibung Österreichs in das Deutsche Reich.

Es versammelte 71 Autorinnen und Autoren in alphabetischer Reihenfolge, darunter bekanntere und seit 1933 mehr oder weniger offen mit dem NS sympathisierende, mitunter auch im Ständestaat als Österreich-Patrioten sich deklarierende Stimmen wie z.B. R. Billinger, F. K. Ginkey, P. Grogger, M. Jelusich, A. T. Leitich, H. H. Ortner, J. F. Perkonig, K. H. Strobl, F. Tumler, K. H. Waggerl u.a.m.

Das Geleitwort stammt von Max Stebich; in diesem hob er hervor, wie „unermüdlich und unbeirrbar, mutig und opferbereit“ jene Schriftsteller durch ihr Werk und Wirken dazu beigetragen hätten, „den Weg zur Befreiung ihres Volkes“, d.h. den Weg in ein „Deutschland, das alle umfasst“ , vorzubereiten. Diese „Sänger deutschen Heldentums“, die 1934-38 zum Teil als Staatspreisträge auch Sänger des autoritären bzw. austrofaschistischen Ständestaates waren, und zu einem erstaunlich hohen Anteil auch nach 1945 wieder Positionen bekleiden sollten (man denke nur an F.K. Ginzkey, J.F. Perkonig, F. Schreyvogl oder K.H. Waggerl), neigten sich „freudig bewegt“ vor der „Heimkehr in das Deutsche Reich.

Das Bekenntnisbuch zeige insofern unmissverständlich, so z.B. laut Vorarlberger Tagblatt, „was die Ostmarkdeutschen des großen Jahres 1938 gedacht und gefühlt haben“.


Quellen und Dokumente

Bekenntnisbuch deutscher Dichter. In: Neues Wiener Tagblatt, 26.6.1938, S. 27, Bekenntnisbuch deutscher Dichter. In: Vorarlberger Tagblatt, 6.7.1938, S. 6f.

Literatur

K. Amann: Literaturbetrieb in der ‚Ostmark‘ (1938-1945). Vermessungen eines unerforschten Gebietes. In: ders.: Die Dichter und die Politik. Essays zur österreichischen Literatur nach 1918 (1992), 113-128; U. Baur, K. Gradwohl-Schlacher (Hgg): Literatur in Österreich 1938-1945: Handbuch eines literarischen Systems. Wien u.a. 2018; I. Dirkhammer, P. Janke (Hgg.): Die ‚österreichische‘ nationalsozialistische Ästhetik. Wien u.a. 2003; K. Gradwohl-Schlacher: Ein ostmärkisches Sittenbild. Die Causa Max Stebich (Online verfügbar), G. Renner: Österreichische Schriftsteller und der Nationalsozialismus (1933-1940). = Sonderdr. Archiv Gesch. des Buchwesens 27(1986) auch abgedr. in: F. Stadler (Hg.): Kontinuität und Bruch. 1938-1945-1955. Wien-Münster 2003.

(PHK)