geb. am 25.1.1891 in Wien – gest. am 3.9.1976 in Wien; Journalistin, Schriftstellerin, Kunsthistorikerin

Das Porträtmodul von Rebecca Unterberger finden Sie hier.

A. T. Leitich wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen (der Vater war ebenfalls Schriftsteller) in Wien auf, wo sie ihre Ausbildung zur Lehrerin erhielt, ohne diesen Beruf jemals auszuüben. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg empfand L. als enge, bedrückende Jahre, weshalb sie sich entschloss, 1921 in die USA auszuwandern. Die erste Zeit überbrückte sie mit einfachen Arbeiten als Dienstmädchen und verbesserte dabei ihre Sprachkenntnisse. Seit August 1923 erschienen in der Neuen Freien Presse regelmäßig Artikel über das Alltagsleben, die Arbeitssituation und vor allem über die Stellung der Frau in Amerika, weshalb A.T. L. bald zu einer wichtigen Referenzinstanz zeitgenössischer Amerika-Vorstellungen wurde. 1925 nahm sie an der von Stefan Zweig ausgelösten sogenannten Monotonisierungsdebatte mit einem couragiert Zweig entgegentretenden Beitrag Ein Wort für Amerika teil, was Zweig in einem brieflichen Austausch durchaus zu würdigen verstand. Im selben Jahr entschloss sie sich zur Annahme der US-Staatsbürgerschaft. 1926 erschien ihr erstes Amerika-Buch, basierend auf ihren NFP-Beiträgen: Amerika, du hast es besser, gefolgt von Artikeln, die z.T. protofeministische Argumentationen aufweisen wie z.B. Dorothy predigt den Männern (1.4.1926), Girldämmerung (22.1.1928) oder Kommt das Matriarchat? Die Krise der amerikanischen Familie (25.3.1928). 1928 folgte ihr zweiter Roman Ursula entdeckt Amerika. Während einer ihrer Wienaufenthalte heiratet sie den österreichischen Staatsbeamten Erich v. Korningen und kehrt Anfang der 1930er Jahre aus New York nach Wien zurück. Nach 1930 verfasst sie kaum mehr Beiträge für die NFP, bemüht sich (vermutlich) um 1933/34 um eine Anstellung bei der amerikanischen Botschaft, wobei sie in ihrem Bewerbungsschreiben auch eine sechzehnmonatige Script-Korrektur-Tätigkeit „in the scenario department of Metro-Goldwyn“ angibt. In der Folge versucht L. im Sachbuch-Bereich, d.h. über Biographien und Wien-Bücher zu reüssieren. Während des Austrofaschismus tritt sie fallweise als Referentin in der URANIA (Wien) in Erscheinung, 1938 beteiligt sie sich am Bekenntnisbuch österreichischer Dichter mit einer Anschlusshommage. In ihrem nach 1945 überarbeiteten Buch Verklungenes Wien – vom Biedermeier zur Jahrhundertwende (1941) finden sich mehrere antisemitische Passagen. Die Amerika-Thematik tritt seit den 1930er Jahren in den Hintergrund; sie wird nach 1945 zwar wieder aufgenommen, allerdings ohne große Resonanz, z.B. in den Romanen Drei in Amerika (1946) oder Unvergleichliche Amonate (1947).


Weitere Werke

König von Eldorado (1938); Zwölfmal Liebe. Frauen um Grillparzer (1948); Augustissima. Maria Theresia. Leben und Werk (1953)

Quellen und Dokumente

Teilnachlass Wienbibliothek im Rathaus. ZPH 432 (enthält u.a. Dramenentwürfe, deutsch- und englischsprachige Prosa sowie Korrespondenzen)

Literatur

Brooke Marie Wright: Ann Tizia Leitich: New Voice, New Woman. Packaging America for Vienna. MA-Thesis, Brigham Young Univ. 2004, 69 S.; Robert McFarland: Migration als Mediation: Neue Freie Presse American Correspondent Ann Tizia Leitich and Stefan Zweig’s “Die Monotonisierung der Welt”. In: Seminar. A Journal of Germanic Studies, 3/2006, 242-260; Emma Leigh Boone: International America: Analyzing Cultural Influence Based on the Voice of Ann Tizia Leitich, a 20th century Austrian Woman. In: The Sophie Journal 1/2013, 1-15.

(PHK)