Die Exl-Bühne war ein volkstümliches Theaterensemble mit künstlerischem Anspruch, das sich vorwiegend dem Volks- und Heimatstück verschrieben hatte.

Ihr Gründer Ferdinand Exl wurde am 27. August 1875 in Innsbruck als Sohn eines Postbeamten geboren und absolvierte eine Buchbinderlehre. Früh zeigte er  Interesse für die Schauspielerei: Er übernahm während seiner Ausbildung bereits kleine Rollen beim Pradler Bauerntheater, wo er auch seine spätere Ehefrau Anna Gstöttner kennenlernte, und wirkte als Chorsänger und Eleve beim Innsbrucker Stadttheater mit. Exl war hauptberuflich drei Jahre als Kanzleihilfskraft im Militär-Bauamt Innsbruck tätig und machte  in dieser Zeit beim neu gegründeten Deutschen Männergesangsverein die Bekanntschaft des ebenfalls schauspielbegeisterten Studenten Eduard Köck. Gemeinsam mit ihm und seiner Frau gründete Exl 1902 in Wilten bei Innsbruck die „Erste Tiroler Bauernspiel-Gesellschaft“; als erste Vorstellung wurde am Ostersonntag desselben Jahres im Saal des Österreichischen Hofes Anzengrubers Der Pfarrer von Kirchfeld aufgeführt. Aufgrund des anhaltenden großen Publikumszuspruchs übersiedelte die Exl-Bühne nach drei Monaten in den größeren Saal des Adambräu. Bereits 1904 führten Tourneen das Ensemble in die Schweiz (Basel, Zürich) und Deutschland (u. a. Köln, Bremen und Aachen), konnten die finanziell angespannte Lage der Theatertruppe jedoch nicht bereinigen.

Ab Juli 1904 übersiedelte die Exl-Bühne in das eigens mit elektrischer Beleuchtung ausgestattete Löwenhaus-Theater, das bis zu 800 Zusehern Platz bot. Ab 1906 gab man regelmäßige Gastspiele in Wien: zunächst in Weigls Restauration, dann im Raimundtheater und ab 1910 im Straußtheater. Hier machte Exl die Bekanntschaft mit Karl Schönherr – ein Wendepunkt im Spielplan der Exl-Bühne: „Es war geradezu, als hätte Schönherr den einzelnen Mitgliedern unserer Bühne die Rollen auf den Leib geschrieben […] Das mitreißende Tempo der Werke Schönherrs, ihre wirkliche Verbundenheit mit dem Heimatboden und die unvergleichlichen Figuren […] mussten das Publikum mit sich fortreißen“. (Die Bühne, H. 10 (1941), S. 34). Gemeinsam inszenierte man in der Folge einige Schönherr-Stücke.

Während des Ersten Weltkrieges tourte die Exl-Bühne durch Kärnten und die Steiermark und gab Vorstellungen in der Schweiz und an der deutschen Westfront. 1916 übernahm Ferdinand Exl die Direktion des Innsbrucker Stadttheaters und leitete zudem die Kammerspiele im Grauen Bären, wo er im Februar 1920 durch die Inszenierung von Wedekinds Frühlings Erwachenfür einen handfesten Skandal sorgte. 

Zu Beginn der Zwanzigerjahre begab sich das Ensemble in den Wintersaisonen wieder auf vielbejubelte Tourneereisen durch Holland, Belgien, Deutschland, Ungarn, Tschechoslowakei und die Schweiz, kehrte über die Sommermonate aber jeweils nach Innsbruck zurück. Die Kritiken waren durchwegs positiv und sahen die künsterlische Leistung der Exl-Bühne als „eine Ehrenrettung des Volksstücks in einer Zeit, die diesem Genre mehr als abgeneigt und widerstrebend ist“. Exl, der schon im Sommer 1924 für mehrer Monate das Raimundtheater gemietet hatte, pachtete schließlich 1925 das für 950 Zuseher ausgelegte Wiener Komödienhaus im 9. Wiener Gemeindebezirk. Auf dem Programm standen neben Schönherr hauptsächlich sozial- und gesellschaftskritische Werke von Anzengruber und Ganghofer, die Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter und Rudolf Brix sowie Stücke aus dem Schwankrepertoire. Im Jahr darauf übernahm Exl das Neue Wiener Stadttheater, wo die Inszenierung von Ernst Décseys Musikant Gotteszu einem großen Erfolg geriet.

Im November 1934 übernahm Ferdinand Exl die Leitung des Wiener Bürgertheaters, während die Sommerspielzeiten am Innsbrucker Stadttheater bzw. mit Gastspielen in der Schweiz, der Tschechoslowakei und Deutschland verbracht wurden. Im Rahmen dieser Tourneen dürfte die Exl-Bühne auch „Sondervorstellungen für die Hitlerjugend und andere Parteiformationen“ (Thaller, 66) gegeben haben. Die Exl-Bühne bot mit ihrem Spielplan jedenfalls durchaus die Möglichkeit, von den Nationalsozialisten vereinnahmt zu werden. Tatsächlich bekannte sich Ferdinand Exl im April 1938 zu seinem „Ja“ zum „Anschluss“, während Eduard Köck auch Auftritte beim nationalsozialisten Deutschen Theater absolvierte. Insgesamt schien das Ensemble jedoch vor allem bemüht, politisch möglichst nicht anzuecken, um einen reibungslosen Spielbetrieb aufrechterhalten zu können.

Ferdinand Exl legte die Leitung der Bühne 1940 in die Hände seiner Tochter Ilse. Er selbst verstarb im Oktober 1942; die Exl-Bühne wurde 1955 geschlossen.


Literatur

Barbara Hois/Sandra Unterweger, Ein Lokalaugenschein in Tirol 1900–1950. In: Stefan Neuhaus/Johann Holzner (Hg.), Literatur als Skandal. Fälle – Funktionen – Folgen, Göttingen 2007, 314-343; Elisabeth Keppelmüller, Die künstlerische Tätigkeit der Exlbühne in Innsbruck und Wien, Diss. phil. Wien 1947; Eckehart Schmidl, Der Traum vom Volkstheater: die Geschichte der Exl-Bühne (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Bd. 49), Innsbruck 2013; Anton Thaller, „Arisches Theater“. Nationalsozialistische Theaterprojekte in Wien, 1923-1938, Dipl.-Arb. Wien 1992. 

Quellen und Dokumente

Die Exl-Bühne. In: AZ, 12.8.1920, S. 2; Ein Skandal. In: Allgemeiner Tiroler Anzeiger, 12.2.1920, S. 4; Karl Burger, Zehntausend Mal Exl-Bühne. In: Österreichische Illustrierte Zeitung, 15.4.1928, S. 2-4; Exl-Bühne im Wiener Komödienhaus. In: Reichspost, 21.2.1925, S. 8; Rudolf Holzer, Die Exl-Bühne. In: Die Bühne, Hft. 412 (1935), S. 8f; Fritz Rosenfeld, „Der Judas von Tirol“ von Karl Schönherr im Raimundtheater. In: AZ, 10.3.1928, S. 5; Die Exl-Bühne im Raimundtheater. In: Neues Wiener Tagblatt, 18.3.1924, S. 12; Die Exl-Bühne. In: Neues Wiener Tagblatt, 19.6.1924, S. 7; Schönherrzyklus der Exl-Bühne. In: Neues Wiener Tagblatt, 25.5.1923, S. 9; Adolf Bassaraba, Eduard Köck erzählt die Geschichte der Exl-Bühne. In: Die Bühne 10 (1941), S. 34; Die Exl-Bühne feiert. In: Die Bühne 104 (1942), S. 8f; Ferdinand Exl, Aus meinem Theaterleben. In: Alpenheimat. Familienkalender für Stadt und Land, 3. Jg., Innsbruck 1941, S. 82-85; Tod von Ferdinand Exl. In: Illustrierte Kronen-Zeitung, 29.10.1942, S. 4.

(MK)