geb. am 24.2. 1867 in Axams/Tirol – gest. am 15.3. 1943 in Wien; Schriftsteller, Arzt

K. Schönherr, Sohn eines Dorfschullehrers, studierte ab 1887 Medizin, wandte sich aber bereits Mitte der 1890er Jahre der Literatur zu. 1896 promovierte Sch. und arbeitete einige Jahre am Krankenhaus in St. Pölten, um 1905 den Arztberuf aufzugeben. Nach ersten Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen gelang ihm 1897 mit dem Drama Der Judas von Tirol ein erster Achtungserfolg, mit Der Bildschnitzer (1901) der Durchbruch. Mit dem Drama Der Sonnwendtag (1902) avancierte Sch. zum Burgtheaterautor. Unter seinen insgesamt knapp zwanzig dramatischen Werken einschließlich Komödien waren vor allem die spätnaturalistischen Werke wie Karrnerleut (1905), Erde. Komödie eines Lebens (1907), Glaube und Heimat (1910), wofür er 1911 den Grillparzerpreis erhielt, sowie das noch immer gespielte Beziehungsdrama Weibsteufel (1914, zuletzt 2008 inszeniert durch M. Kušej am Akademietheater, Wien) sehr erfolgreich. Sie knüpften an die Volksstücke von Ludwig Anzengruber an, akzentuierten allerdings die familiendramatischen Muster hin zu einem biologischen Vitalismus mit z.T. ausgeprägten Typisierungen, z.B. im ‚Drama geistiger Arbeiter’ Der Kampf (1920) und im kontrovers diskutierten Schauspiel Es (1923). Die überarbeitete, durch die Exl-Bühne im Raimund-Theater realisierte Version des Judas von Tirol war eines der erfolgreichsten und meist beachteten Theaterstücke des Jahres 1928.


Werke (Auswahl)

Volk in Not. Drama (1916), Frau Suitner. Schauspiel (1917), Narrenspiel des Lebens (1918), Kindertragödie (1919), Der Komödiant (1924), Die Hungerblockade (1925), Der Armendoktor (1926)

Quellen und Dokumente

Heinrich Leoster: Geschwister Hamlet. Zur Uraufführung von Karl Schönherrs “Kindertragödie” am Deutschen Volkstheater. In: Der Morgen, 1.12.1919, S. 5f., Klara Mautner: Raimund-Theater. (“Erde” von Karl Schönherr. – Gastspiel Willy Thaller.) In: Wiener Morgenpost, 27.10.1922, S. 7, R (aoul) A(uernheimer): Düstere Weihnachtsstücke. In: NFP, 27.12.1922, S. 1-3, O.(tto) K.(oenig): „Es“ (Zur Uraufführung im Deutschen Volkstheater) In: AZ, 27.12.1922, S. 5, Ludwig Hirschfeld: Theater. “Es.”. In: Die Moderne Welt 4 (1923), H. 9, S. 5f., Ernst Lothar: Drama des Mitleids. „Der Armendoktor“ von Karl Schönherr, Deutsches Volkstheater; NFP, 31.1.1926, S. 1-3Fritz Rosenfeld: Jesus oder Judas? Zur Erstaufführung des Volksschauspiels „Der Judas von Tirol“ von Karl Schönherr im Raimund-Theater. In: AZ, 10.3.1928, S. 5Felix Salten: Schönherr-Premiere. „Der Judas von Tirol“ In: NFP, 10.3.1928, S. 1-3, R. H-r: Raimundtheater. „Der Judas von Tirol“. In: Wiener Ztg. 10.3.1928, S. 4-5.

Literatur

Max Lederer: Karl Schoenherr 1867-1943. In: Books Abroad, 1/1944, S. 23-25 (englischsprachiger Nachruf), Johann Holzner: Literatur in Tirol (von 1900 bis zur Gegenwart). In: Handbuch zur neueren Geschichte Tirols. Hg. Von A. Pelinka, A. Maislinger, Bd. 2 (1993), 209-269, bes. 216-219, Wendelin Schmidt-Dengler: K. Schönherr; in: ÖBL, Bd. XI, Wien 1999, S. 85-86, Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900-1945 (2004), 507-509, J. Holzner: Ein Meister der Komprimierung (2008) [Online verfügbar], J. Holzner: Karl Schönherr. In: Lexikon Literatur in Tirol [Online verfügbar], Gerhard Köpf: Karl Schönherr: Der Weibsteufel. In: Neurotransmitter 2/2012 [Online verfügbar], P.-H. Kucher: Die Wiener Bühne(n) als moralische Anstalt? Das (Opern-)Theater-Jahr 1928. In: J. Bertschik, P.-H. Kucher, E. Polt-Heinzl, R. Unterberger: 1928. Ein Jahr wird besichtigt (2014), 201-237, bes. 209-211 (zu: Judas von Tirol)

(PHK)