Seit der sogenannten „Selbstausschaltung des Parlaments“ am 4. März 1933  – de facto ein kalter, angestrebter Staatsstreich zur Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie – verfolgte die nunmehr autoritär agierende Dollfuß-Regierung unverhohlen ihr Ziel, die Sozialdemokratie als politisch-gesellschaftliche Kraft in Österreich zu beseitigen. Ein erster Schritt wurde bereits Ende März 1933 mit dem Verbot des Republikanischen Schutzbundes gesetzt; nicht zuletzt auf Druck Benito Mussolinis folgten weitere Maßnahmen wie das Verbot der Maifeier, das Verbot politischer Demonstrationen, das Zurückdrängen des sozialdemokratischen Einflusses in Arbeiterkammern und Sozialversicherung sowie die auf Notverordnungen basierende massive finanzielle Beschneidung der Stadt Wien als Hochburg der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Mit der Übernahme des Sicherheitsressorts durch den Wiener Heimwehrführer Emil Fey im Jänner 1934 verschärften sich die offenen Provokationen gegenüber der Sozialdemokratie: Immer wieder kam es zu Hausdurchsuchungen und vorübergehenden Verhaftungen von FunktionärInnen.

Als am Morgen des 12. Februar 1934 die Heimwehr im Zuge einer angekündigten Waffensuchaktion in das Linzer Parteiheim eindringt, leisten der Schutzbundführer Richard Bernaschek und seine Mitkämpfer – entgegen dem Wunsch der SDAP-Spitze – bewaffneten Widerstand. Daraufhin beschließt der sozialdemokratische Parteivorstand um Otto Bauer und Julius Deutsch die Mobilisierung des Schutzbundes und die Ausrufung des Generalstreiks. Dass dieser in der Folge nicht flächendeckend durchgeführt wird, trägt wesentlich zur Schwächung der Aufstandsbewegung bei. Die Kämpfe greifen in der Zwischenzeit auf Industriestädte in ganz Österreich über, wobei der Schwerpunkt in Steyr, St. Pölten und Bruck an der Mur liegt. In Wien werden Gemeindebauten und Arbeiterheime in den Bezirken Favoriten, Simmering, Ottakring, Döbling und Floridsdorf zum Zentrum der Kampfeshandlungen. Den vereinten Kräften von Polizei, Heimwehr und Bundesheer, das stellenweise Artilleriefeuer einsetzt, haben die schlecht ausgerüsteten und unzureichend organisierten Schutzbündler wenig entgegenzusetzen – die letzten kapitulieren am 15. Februar. 

Den tagelangen Kämpfen fielen insgesamt etwa 350 Tote, darunter zahlreiche Zivilisten, zum Opfer. Während einigen führenden Sozialdemokraten, darunter Bauer und Deutsch, die Flucht ins Ausland gelang, ließ das Dollfuß-Regime österreichweit Tausende politische Gegner in Anhaltelagern (insbesondere Wöllersdorf) internieren. Von 21 zum Tode verurteilten Schutzbundführern wurden neun standrechtlich hingerichtet, darunter Kolomann Wallisch und der schwer verwundete Karl Münichreiter.  Das noch während der Februar-Kämpfe ausgesprochene Verbot der Sozialdemokratie und ihrer Vorfeldorganisationen ebnete den Weg zur  raschen Errichtung des autoritären „Ständestaates“, wie er schließlich in der oktroyierten Verfassung vom 1. Mai 1934 proklamiert wurde.

Die Februarkämpfe hatten international eine große Resonanz, auch und gerade unter SchriftstellerInnen, die sich mit den Februarkämpfern solidarisch erklärten, wie über 200 Texte, darunter auch mehrere unmittelbar nach 1934 verfasste Romane (R. Brunngraber, A. Seghers, Ch. Isherwood, J. Soyfer u.a.) dokumentierten. Thomas Mann bezeichnete 1936 den Widerstand der österreichischen Arbeiterschaft als einen heroischen Akt und letzten Verteidigungsversuch gegen den Faschismus in Europa.


Literatur

Februar 1934. Fakten. Thesen. Berichte. Aurisse, hg. v. Verein für kritische Sozialwissenschaft und politische Bildung, Wien 1/1984; Der 12. Februar 1934 in Österreich. Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung, Wien 1976; Kurt Bauer, Die Opfer des Februar 1934. Auszug aus dem Projektbericht „Die Opfer des Februar 1934. Sozialstrukturelle und kollektivbiografische Untersuchungen“ [Online verfügbar]; Otto Bauer, Der Aufstand der österreichischen Arbeiter. Seine Ursachen und seine Wirkungen, Prag 1934; Gerhard Botz, Gewalt in der Politik: Attentate, Zusammenstöße, Putschversuche, Unruhen in Österreich 1918–1938, erw. Neuaufl., München 1983; Julius Deutsch, Der Bürgerkrieg in Österreich, Karlsbad 1934; Herbert Exenberger, Februar 1934 in Wien. Chronik, Schauplätze, Gedenkstätten, Wien 1984; Winfried Garscha, Februar 1934 in Österreich, Wien 1984; Walter Göhring (Hg.), Roter Feber. Gedichte zum Februar ‘34, Eisenstadt, Wien 1984; Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hg.), Im Kältefieber. Februargeschichten 1934, Wien 2014; Helene Maimann, Sigi Mattl (Hg.), Die Kälte des Februar. Österreich 1933-1938. Ausstellungskatalog, Wien 1984; Oliver Rathkolb, Demokratiehistorische Anmerkungen zum geteilten Erinnerungsort „4. März 1933“: Beginn der Ausschaltung des demokratischen Parlamentarismus durch Engelbert Dollfuß. Vortrag bei der Gedenkveranstaltung „4. März 1933“ im Reichsratssitzungssaal, Parlament am 4. März 2008 [Online verfügbar]; Ilse Reiter-Zatloukal/Christiane Rothländer/Pia Schölnberger (Hg.), Österreich 1933–1938. Interdisziplinäre Annäherungen an das Dollfuß-/Schuschnigg-Regime, Wien 2012; Emmerich Tálos, Das austrofaschistische Herrschaftssystem: Österreich 1933–1938 (Politik und Zeitgeschichte, Bd 8), Berlin, Münster, Wien 2013; Kurt R. Stadler, Opfer verlorener Zeiten. Geschichte der Schutzbundemigration 1934, Wien 1974; Erika Weinzierl, Der Februar 1934 und die Folgen für Österreich (Wiener Vorlesungen im Rathaus, Bd. 32), Wien 1994; Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Stockholm 1944, Kap. 17 [Online verfügbar].

Quellen und Dokumente

Sozialdemokratische Partei aufgelöst. In: Wiener Zeitung, 13.2.1934, S. 1; Nach dem Kampf! In: AZ, 25.2.1934, S. 1; Karikatur auf die oktroyierte Maiverfassung. In: Der Götz von Berlichingen, 4.5.1934, S. 1; Website mit interaktiven Elementen zu den Februarkämpfen in Oberösterreich [Online verfügbar]; 12. Februar 1934, Bürgerkrieg in Österreich. Dokumentation aus dem Jahr 1984 [Online verfügbar]; Menschen und Mächte: Der blutige Februar. Dokumentation aus dem Jahr 2014 [Online verfügbar]

(MK)